Polizeidirektor Jürgen Vanselow beendet seinen aktiven Dienst

29. Mai 2021 | Themenbereich: Bayern | Drucken

Nach 13 Jahren als Leiter der Bundespolizeiinspektion München muss er – Corona-bedingt, entgegen seinem Naturell – sehr leise Servus sagen.
München – Das hatte sich Münchens scheidender Inspektionsleiter Jürgen Vanselow sicher ganz anders vorgestellt. Aber auch ihm machte Corona einen dicken Strich durch die Rechnung. Nur im kleinen Kreis, auf einer Sonder-Inspektionsleiterbesprechung, und auch intern mit nur wenigen Inspektionsmitarbeitern des Führungszirkels, wurde der Polizeidirektor am 25. bzw. 27. Mai in der Sporthalle der Direktion München in den ab 1. Juni bevorstehenden Ruhestand verabschiedet.
Im September 1978 war Jürgen Vanselow in den damaligen Bundesgrenzschutz (BGS) eingetreten. In Bredstedt, Nordfriesland, begann er seine Ausbildung. Später war er wiederholt bei der damals geplanten Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf im bayerischen Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz im Einsatz, wo die zentrale Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren in Deutschland entstehen sollte.

In seiner Funktion als Sachbearbeiter Lagezentrum beim damaligen Grenzschutzkommando Süd nahm er häufiger an nachrichtendienstlichen Vernehmungen von Überläufern aus der DDR-Grenztruppe oder der tschechischen Grenzwache teil. Während der Wendezeit 1989/1990 absolvierte der vor wenigen Tagen 63 Jahre alt gewordene Polizeidirektor seinen Aufstieg in den höheren Polizeivollzugsdienst.
Neben Tätigkeiten beim Aufbau des früheren Grenzschutzkommandos Ost führte er bei mehreren Castor-Einsätzen zwischen Lüneburg und Gorleben als Führer der damaligen BGS-Abteilung Rosenheim zahlreiche Einsätze. Zudem unterstützte er im Bundesinnenministerium eine Arbeitsgruppe zur Umsetzung einer BGS-Reform. Zwischen 1999 und 2008 leitete der Polizeidirektor zudem neun grenzpolizeiliche Twinning-Projekte für Slowenien und Kroatien aus den PHARE- und CARDS-Programmen der EU – seine bis dahin größte berufliche Herausforderung, wie er im Rückblick sagt. 2007 war Jürgen Vanselow zudem Einsatzabschnittsleiter beim G8-Gipfel in Heiligendamm.

Kurz nachdem PD Vanselow von Rosenheim nach München gekommen war und sich eingearbeitet hatte, kam es 2009 zum Tod von Dominik Brunner am Bahnhof Solln. Die erste große Herausforderung im einzeldienstlichen Tätigkeitsfeld in der bayerischen Landeshauptstadt. Zu unschönen Erlebnissen zählten der “Flashmob” 2011 anlässlich des Alkoholverbotes in der Münchner S-Bahn, bei dem rund 200.000 € Sachschaden entstanden und monatelange Ermittlungen die Folge waren. Auch an Ausschreitungen in einem Zug bzw. am Bahnhof Petershausen, wo Fußballanhänger des TSV 1860 2014 die unterstützenden MKÜ-Zugbegleitkräfte der Bundespolizei angegriffen und äußerst gewalttätig attackiert hatten, blieben ihm in unguter Erinnerung. So wie auch die zweite Woche des Oktoberfestes 2010 als für die Wiesn “Terroralarm” ausgerufen worden war, und Bundespolizistinnen und Bundespolizisten mit Maschinenpistolen und zum Teil heruntergelassenen Rollgittern die Festbesucher am Hauptbahnhof “begrüßten”.

Dass die eigenen und auch zahlreichen Unterstützungskräfte bei unzähligen Großeinsätzen stets wieder gesund und wohlbehalten nach Hause fuhren, war immer auch den besonnenen Taktiken des erfahrenen Polizeiführers zu verdanken. Auch die offene und stets aktiv betriebene Medienarbeit, die er mit zahlreichen Interviews, wo immer notwendig, unterstütze, wurde wohlwollend aufgenommen. Bei unzähligen Besuchen hochrangiger Politiker und Würdenträgern konnte der Inspektionsleiter die Anliegen, insbesondere von baulichen Notwendigkeiten, oft anbringen und damit für Verbesserungen seiner rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen.
Spätestens nach der Flüchtlingskrise 2015 sowie der Sylvester-Terrordrohung gegen Münchner Bahnhöfe war die Bundespolizei im Sicherheitsgefüge Münchens anerkannter Partner auf Augenhöhe. Einen großen Anteil daran hatten die vielen persönlichen Kontakte, die Jürgen Vanselow zu allen Partnern, Behörden wie auch zu diversen Bahntöchtern knüpfte und als “Netzwerker” stets aufrechthielt.
Am 1. Juni geht er nach 43 Dienstjahren, davon 13 in München, in den wohlverdienten Ruhestand. Und dann? Dann freut er sich zunächst einmal darauf, morgens auszuschlafen. Außerdem plant er, seinen zweiten Roman zu vollenden. Sicherlich bleibt außerdem mehr Zeit für sein Hobby Astronomie und den Bogensportverein, in dem er schon seit langem Mitglied ist – und nicht zuletzt für seine große Leidenschaft, das anspruchsvolle Bergwandern.