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Kompetente Begleitung durch das Gerichtsverfahren

Justizminister Claussen gratuliert acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern der ersten Weiterbildung in Schleswig-Holstein für Prozessbegleitungen im Strafverfahren. Menschen, die von einer Straftat betroffen sind, haben oft nicht nur den Übergriff selbst zu verarbeiten, sondern sehen sich in der Regel auch in der Rolle einer Zeugin oder eines Zeugen in ein Gerichtsverfahren involviert. Für die meisten Verletzten ist dies eine neue, unbekannte Erfahrung und sie geht häufig mit vielen Fragen, manchmal auch mit Ängsten und Befürchtungen einher. Speziell die Situation in der Hauptverhandlung wird regelmäßig als besonders belastend empfunden.

Seit 2017 sieht das Gesetz daher bei besonders schweren Straftaten und bei Kindern und Jugendlichen als Verletzten die Möglichkeit vor, diese Personen durch speziell geschulte Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter zu unterstützen. Die Prozessbegleitung setzt bereits bei der Anzeigenerstattung ein und kann bis zum Abschluss des Verfahrens in Anspruch genommen werden. Für Kinder und Jugendliche und besonders schutzbedürftige Verletzte ist die Begleitung kostenlos. Das gilt zum Beispiel für Opfer von Raubüberfällen, versuchten Tötungsdelikten und Sexualstraftaten. In allen diesen Fällen sind Verletzte erfahrungsgemäß besonders verunsichert. Auch Opfer häuslicher Gewalt sind in einer schwierigen Lage, da von den Betroffenen neben dem Strafverfahren viele emotionale und soziale Herausforderungen zu bewältigen sind. Schleswig-Holstein, das auf eine jahrzehntelange Tradition der Zeugenbegleitung zurückblicken kann, unterstützt diesen Kreis der Opfer auf freiwilliger Basis.

Die Aufgabe der Prozessbegleitung besteht darin, durch umfassende, verständliche und wiederholte Informationen sowie Stabilisierungsmaßnahmen die Zeuginnen und Zeugen zu stärken und ihnen eine Orientierung zu geben. Sie sorgen dafür, dass die Verletzten sicher durch den Prozess kommen und eine Aussage machen können.

Erstmals hat Schleswig-Holstein im Dezember 2020 eine eigene Weiterbildung in Form eines Kompaktseminars mit Vertiefungsmodulen konzipiert, bedingt durch einen personellen Engpass bei den bestehenden Prozessbegleitungen. In der Weiterbildung wurden schwerpunktmäßig rechtliche Grundlagen des Strafverfahrens sowie u.a. Kenntnisse der Psychotraumatologie und Viktimologie vermittelt. Darüber hinaus mussten die Teilnehmenden Gerichtsverhandlungen besuchen und darüber eine Dokumentation fertigen. Die schleswig-holsteinische Weiterbildung zeichnete sich dadurch aus, dass in einer Sprechstunde aufkommende Fragen und Probleme mit einer erfahrenen Prozessbegleiterin besprochen werden konnten. Allen Teilnehmenden werden zu Beginn ihrer eigenständigen Tätigkeit Mentorinnen und Mentoren zur Seite gestellt, die aus dem Kreis der bereits erfahrenen Kolleginnen und Kollegen gewonnen werden konnten.

Schleswig-Holstein ist somit zukünftig noch besser darauf vorbereitet, Betroffenen schwerer Straftaten den Gang durch das Strafverfahren zu erleichtern. Hinweise auf diese Unterstützungsmöglichkeit geben in geeigneten Fällen Polizei, Justiz und Beratungsstellen. Weitere Informationen gibt es unter https://www.schleswig-holstein.de/DE/Justiz/Themen/psychosoziale_prozessbegleitung.html.

Die psychosoziale Prozessbegleitung ist eine wirkungsvolle Opferschutzmaßnahme. Sie ist unparteiisch, nur dem Wohlergehen der begleiteten Personen verpflichtet und ersetzt weder eine rechtliche Beratung noch eine therapeutische Behandlung. Vielmehr verhindert sie im besten Fall, dass Verletzte durch das Verfahren weitere Beeinträchtigungen erfahren.