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Verkehrssicherheitsbericht 2020: Pandemiebedingt historischer Tiefstand bei den Unfallzahlen

Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack hat  gemeinsam mit Landespolizeidirektor Michael Wilksen und dem Leiter für Verkehrspolizeiliche Angelegenheiten im Landespolizeiamt (LPA), Thomas Weißenberg, den Verkehrssicherheitsbericht 2020 vorgestellt.

“”Die Vergleichbarkeit dieses Berichtes mit den Vorjahren ist nur eingeschränkt möglich. Denn die pandemiebedingten Einschränkungen im vergangenen Jahr hatten natürlich Auswirkungen auf den Straßenverkehr und damit auch auf das Unfallgeschehen. Gleichwohl möchte ich einige bemerkenswerte Entwicklungen vorstellen””, betonte die Ministerin.

Besonders erfreulich sei die Entwicklung der Zahl der Verkehrsunfälle mit Kindern. Sie sei die niedrigste seit 20 Jahren. Im Jahr 2020 wurden 1.092 (-12,8%) Verkehrsunfälle mit Kindern von der Polizei aufgenommen. Dabei verunglückten insgesamt 1.003 (-18,4%) Kinder leicht und 114 (-6,6%) schwer. Leider erlitten wieder zwei Kinder im Straßenverkehr tödliche Verletzungen. Beide Kinder im Alter von 5 und 11 Jahren verstarben als Fahrradfahrer nach einem selbstverschuldeten Sturz auf die Fahrbahn.

Mit einem Rückgang um 33,7 % verunglückten erfreulicherweise in den vergangenen 20 Jahren noch nie so wenige Kinder als Mitfahrende in Kraftahrzeugen. Auch dieser Rückgang gehe sicherlich unter anderem auf die pandemiebedingten Schul- und KiTa-Schließungen sowie die Einschränkungen des Sports zurück. Allerdings werde aus der Zahl auch sehr deutlich, wie viele Kinder in normalen Zeiten zur Schule, KiTa oder zum Sport mit dem Auto gebracht werden. Die Ministerin erinnerte in diesem Zusammenhang daran, Kinder möglichst früh und altersgerecht an den Straßenverkehr heranzuführen. Eigenverantwortlich den Schulweg zurückzulegen, sei für Kinder ein wichtiger Schritt in die Selbständigkeit. Selbstverständlich sei der Weg vorher mit den Kleinen abzugehen und intensiv einzuüben. Sofern der Schulweg nicht zu lang sei, sollten Kinder ihn bereits in der ersten Klasse allein gehen.

“”Kinder müssen lernen, gefährliche Situationen zu erkennen und vorherzusehen sowie Geschwindigkeiten und Entfernungen von Fahrzeugen einzuschätzen. Das lernen sie nicht auf dem Rücksitz im Auto””, so die Ministerin.

Auch die Gesamtzahl der in Schleswig-Holstein polizeilich registrierten Verkehrsunfälle sei im Jahr 2020 auf 79.822 (-13,5%) deutlich gesunken. Ausschlaggebend dafür war die während der Corona-Pandemie zum Teil deutlich geringere Menge an Kraftfahrzeugen, die auf den Straßen unterwegs war. „Insbesondere während des 1. „Lockdowns“ von Mitte März bis Ende April 2020 wurde ein erheblich niedrigeres und seit Beginn des 2. Lockdowns im November ein geringeres Verkehrsaufkommen festgestellt“, so die Ministerin. Die Verkehrsunfälle mit Personenschaden (VU P) waren mit 11.097 (-9,6%) in den letzten 20 Jahren lediglich im Jahr 2010 auf so niedrigem Niveau. Bei diesen Unfällen wurden 11.884 (-12,6%) Unfallbeteiligte leicht und 1.988 (-11,6%) schwer verletzt.

Trotz des Rückgangs der Unfallzahlen verstarben im vergangenen Jahr 107 (+7) Personen als Unfallbeteiligte im Straßenverkehr. Dies ist nur leicht unter dem Mittelwert der vergangenen 10 Jahre (110).

“”Es ist tragisch, dass wir bei einem Rückgang der Unfälle und der dabei Verletzten mehr Todesopfer zu verzeichnen haben. Besonders deutlich ist der Anstieg der Todesfälle im Zusammenhang von Unfällen mit LKW – und dort wiederum bei den Kleintransportern bis 3,5t Gesamtmasse. Diese werden häufig von Paketdiensten genutzt. Aus verkehrspolizeilicher Sicht ist es an der Zeit, die für LKW geltenden Lenk- und Ruhezeiten und auch Sozialvorschriften im Straßenverkehr auf diese Fahrzeuge anzuwenden””, so die Ministerin.

Landespolizeidirektor Michael Wilksen betonte, mit der Vorstellung des Verkehrssicherheitsberichts als Landespolizei nicht nur die Verkehrssicherheitsarbeit transparent machen zu wollen, sondern auch auf die besonderen Gefahren und Unfallschwerpunkte im Straßenverkehr hinzuweisen, um diese nach Möglichkeit zu reduzieren und damit für mehr Sicherheit zu sorgen. Die Verkehrssicherheitsarbeit ist eines der Hauptthemen für die Landespolizei – eine klassische Tätigkeit am und für den Bürger im Straßenverkehr.

Im vergangenen Jahr haben die Unfallzahlen unter der Beteiligung von Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren mit 4.492 (-12,6%) stark abgenommen. Auch die Anzahl der verletzten bzw. getöteten Personen dieser Altersgruppe war insgesamt um 10,7% stark rückläufig. 34 Unfallbeteiligte dieser Generation erlitten dennoch tödliche Verletzungen. Das sind 14 Getötete weniger als im vergangenen Jahr. “”Damit war 2020 aber noch jeder dritte Getötete im Straßenverkehr eine Seniorin oder ein Senior””, so Wilksen.

Besonders stark gefährdet ist diese Altersgruppe als Fahrrad- und Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer. 43,9% der Verunglückten waren auf diese Weise im Straßenverkehr unterwegs. Neun Personen erlitten dabei schwere Verletzungen mit tödlichem Ausgang. Das sind drei weniger als noch im Jahr davor, allerdings waren mehr als die Hälfte der getöteten Fahrrad- und Pedelec-Fahrende eine Seniorin oder ein Senior

Der Landespolizeidirektor betonte, dass die Landespolizei mit Kontrollen und präventiven Angeboten aber nicht nur auf Rad fahrende dieser Generation, sondern auf alle Radfahrenden gleichermaßen zugehen werde und vor allem die motorisierten Verkehrsteilnehmenden für Rücksicht und Vorsicht sensibilisieren wolle.

“”Während die Anzahl der Verkehrsunfälle mit konventionellen Fahrrädern um 2,4% gesunken ist, stieg die Anzahl die Verkehrsunfälle mit Pedelecs um 35,1%. Dabei hat die Anzahl der verunglückten Pedelec Fahrenden um 40% zugenommen. Sechs Pedelec-Fahrer erlitten tödliche Verletzungen. Radfahrende sind besonders gefährdet, da sie keine Knautschzone haben und nicht durch Sicherheitseinrichtungen, bspw. Airbags, geschützt sind. Somit tragen sie häufig bei einem Unfall schwere Verletzungen davon. Die Landespolizei empfiehlt auch ohne gesetzliche Verpflichtung das Tragen eines Fahrradhelms! Das gilt aufgrund der höheren Fahrgeschwindigkeiten ganz besonders für die Fahrenden von Pedelecs””, appellierte Wilksen an alle Radfahrenden.

Verkehrsunfallfolgen sind von verschiedensten Faktoren abhängig. Häufig kann bei der Aufnahme besonders schwerer Verkehrsunfälle eine nicht angepasste Geschwindigkeit festgestellt werden. Außerhalb geschlossener Ortschaften beträgt der Anteil 24,4% und liegt innerhalb bei 17,3%. “”Hierbei gilt grundsätzlich, je höher die gefahrene Geschwindigkeit, desto schwerer sind die Unfallfolgen. Zur Reduzierung dieser Hauptunfallursache wird weiterhin ein wesentlicher Schwerpunkt der spezialisierten Verkehrsüberwachung darin liegen, eine notwendige flächendeckende Überwachung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu gewährleisten””, so der Leiter für Verkehrspolizeiliche Angelegenheiten im Landespolizeiamt, Thomas Weißenberg.

Er betonte, dass die Landespolizei die Fahrradfahrenden aufmerksam im Blick behalten und ihre Kontrollmaßnahmen und Prävention in diesem Themenfeld intensivieren wird. Hier sei unter anderem auf den bundesweiten Aktionstag “sicher.mobil.leben” am 05. Mai2021 hingewiesen, der unter dem Motto „Radfahrende im Blick“ steht.