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Startschuss für nächste Dunkelfeldstudie – Vierte Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen

Wie sicher fühlen sich die Menschen in Niedersachsen? In welchen Bereichen sehen sie sich besonders von Kriminalität bedroht? Warum werden bestimmte Straftaten kaum angezeigt? Wie entwickelt sich das Ansehen der Polizei in Niedersachsen? Antworten auf diese und viele andere Fragen will die Kriminologische Forschung und Statistik (KFS) des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen durch die Ergebnisse der inzwischen vierten Dunkelfeldstudie finden. Deshalb versendet das LKA ab Mitte März 2021 Fragebögen an etwa 40.000 in Niedersachsen lebende Personen. Bei der Befragung geht es darum, Informationen über nicht zur Anzeige gebrachte Straftaten zu gewinnen und so Einblicke in das sogenannte Dunkelfeld der Kriminalität zu erhalten. Im Gegensatz dazu steht das sogenannte Hellfeld – also Kriminalität, die etwa durch Anzeigen oder polizeiliche Ermittlungen bekannt geworden ist. Die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse werden der Polizei dabei helfen, Kriminalität noch besser zu bekämpfen und wirksamer Kriminalprävention zu leisten. Die Befragten haben mit ihrer Antwort also die Möglichkeit, die künftige Ausrichtung der Polizeiarbeit mitzubestimmen. Die jetzt beginnende Dunkelfeldstudie ist bereits die vierte Studie zur Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen seit 2013.

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagt: „Den Schwerpunkt auf das Thema häusliche Gewalt zu legen, ist mir persönlich sehr wichtig. Wir wissen, dass nur sehr wenige Taten von den Betroffenen angezeigt werden. Gerade im Lockdown müssen wir aber wissen, ob es hier Zunahmen gibt und wie wir weiter gegensteuern und den Personen helfen können, die unter gewalttätigen Partnern leiden müssen. Mit der Studie haben wir eine Chance, hierzu weitere Aussagen zu treffen und auch Handlungsansätze der Polizei noch einmal nachzuschärfen. Niedersachsen war das erste Bundesland überhaupt, das eine Dunkelfeldstudie durchgeführt hat. Inzwischen sind diese Studien bundesweit anerkannt und haben in den vergangenen Jahren viele wertvolle Impulse zur zukünftigen Ermittlungs- und Präventionsarbeit innerhalb der Polizei gegeben. Klar ist: Unsere Polizei kann nur dann frühzeitig gegensteuern, wenn ihr ein möglichst umfassendes Bild über die Kriminalität in Niedersachsen vorliegt. Das ist aber nur möglich, wenn der Polizei neben dem bekannten Hellfeld auch Erkenntnisse zum Dunkelfeld der Kriminalität vorliegen und auch darüber, warum gewisse Delikte nicht zur Anzeige gebracht werden.“

„Neben Angst und Scham gibt es viele weitere Gründe, warum eine Straftat nicht bei der Polizei zur Anzeige gebracht wird. Diese Straftaten sind für uns aber nicht weniger bedeutend – im Gegenteil! Die Erkenntnisse aus der Dunkelfeldbefragung helfen uns, Kriminalprävention und Kriminalitätsbekämpfung gezielter auszurichten“, betont LKA-Präsident Friedo de Vries.

Da regelmäßige Opferbefragungen die notwendige Bedingung darstellen, um das Ausmaß dieses Dunkelfeldes und damit das gesamte Kriminalitätsaufkommen wie auch die Kriminalitätsentwicklung angemessen einschätzen zu können, schließt sich an die Studien aus den Jahren 2013, 2015 und 2017 nun eine weitere landesweite Befragung an.

Wie bei den vorherigen Befragungen werden vom LKA Niedersachsen im Rahmen einer repräsentativen Umfrage 40.000 Personen ab 16 Jahren in rund 90 Kommunen mehrere Male postalisch angeschrieben. Zunächst erhalten sie einen Brief mit allgemeinen Grundinformationen und der Ankündigung der Befragung. Dann erfolgt die Zusendung des zwanzigseitigen Fragebogens. Dieser bezieht sich auf folgende Themenkomplexe: Lebenssituation, Erfahrungen mit Kriminalität in der Rückschau auf das vergangene Jahr, Anzeigeverhalten, Kriminalitätsfurcht, Wahrnehmung und Bewertung der Polizeiarbeit sowie Erfahrungen speziell mit partnerschaftlicher Gewalt.

Die Befragung ist anonym und die Teilnahme freiwillig.

„Mit den Dunkelfeldstudien steht der Polizei Niedersachsen neben der Polizeilichen Kriminalstatistik eine weitere verlässliche Erkenntnisquelle zur Verfügung, die auch die Furcht vor Kriminalität und damit die subjektive Seite der Sicherheit erfasst und so eine noch stärker an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtete Präventionsarbeit ermöglicht“, so Hartmut Pfeiffer, Projektverantwortlicher und Leiter der Kriminologischen Forschung und Statistik im Landeskriminalamt Niedersachsen.