Was passiert, wenn der Autocomputer versagt?

10. Februar 2021 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Die Digitalisierung macht Autos zu Computern auf Rädern, Automobilhersteller wandeln sich zu Mobilitätsanbietern. Gleichzeitig steigen immer mehr Menschen auf Fahrräder, E-Bikes und den öffentlichen Nahverkehr um. Beide Trends bieten große Chancen für die Erhöhung der Verkehrssicherheit – bringen aber auch neuen Gefahren. Die neue Technik in den Autos kann versagen. Der wachsende Anteil von Fußgängern und Radfahrern kann zu einem sprunghaften Anstieg von Unfällen mit Schwerverletzten und Toten führen. Um das zu verhindern, fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine grundlegende Neuausrichtung der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei. Verkehrsexperten der GdP haben dazu ein mehr als 90 Vorschläge umfassendes Verkehrspolitisches Programm vorgelegt.
„Wenn immer mehr Menschen zu Fuß gehen oder das Fahrrad benutzen, brauchen wir neue Konzepte, wie der knapper werdende Verkehrsraum gerechter aufgeteilt wird, weil sonst die Zahl der Unfallopfer stark steigt“, betont der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Heiko Müller. „Wir müssen den schwächeren Verkehrsteilnehmern, den Fußgängern und Radfahrern, mehr Raum geben, auch wenn das zu Lasten anderer Verkehrsteilnehmer geht.“

Zugleich fordert die GdP aber auch, dass die Regeln für schwächere Verkehrsteilnehmer stärker an die von ihnen ausgehenden Gefahren angepasst werden. „Wir müssen zum Beispiel darüber nachdenken, dass die Elektrounterstützung von E-Bikes schon bei 20 km/h abgeschaltet wird. Vor allem ältere E-Biker unterschätzen oft die von ihnen erreichte Geschwindigkeit. Häufig sind sie nicht nur das Opfer, sondern auch der Verursacher von gefährlichen Unfällen.“

Handlungsbedarf sieht die GdP auch bei den Autoherstellern. „Bremsspuren von modernen Autos lassen sich ohne Einblick in die Bordelektronik kaum noch interpretieren. Deshalb brauchen wir endlich einen direkten Zugriff der Polizei auf alle unfallrelevanten Fahrzeugdaten, wenn wir den Unfallverursacher ermitteln wollen“, fordert Müller. „Und wir brauchen klare gesetzliche Vorgaben, damit die in den Autos verbaute Sicherheitstechnik nicht einfach abgeschaltet wird, nur weil der gewünschte Kick beim Fahren fehlt.“

In ihrem Verkehrspolitischen Programm fordert die GdP zudem eine Stärkung der Direktion Verkehr. „Wir brauchen im Verkehrsbereich mehr ausgewiesene Experten und nachhaltige Investitionen in moderne Technik. Dass hat der Innenminister bislang versäumt“, kritisiert der stellvertretende Landesvorsitzende der GdP.