Gemeinsamer Homeoffice-Appell von Bundespräsident und Sozialpartnern

18. Januar 2021 | Themenbereich: Innere Sicherheit | Drucken

“Die Corona-Krise hat unser Land und jeden einzelnen von uns in den zurückliegenden Monaten vor große Herausforderungen gestellt. Dennoch haben wir gemeinsam nicht nur im Kampf gegen das Virus viel erreichen können. Hunderttausende Arbeitsplätze konnten durch Kurzarbeiterregelungen erhalten werden. Zahlreiche Unternehmen haben notwendige staatliche Unterstützung erhalten”, betonen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, und Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), am Freitag in Berlin in einem gemeinsamen Appell zur stärkeren Nutzung des Homeoffice in Zeiten der Corona-Pandemie. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Dietmar Schilff forderte die Dienstherren vor allem in den Ländern auf, diesem Appell zu folgen und auch in der Polizei mobiles Arbeiten von zu Hause aus weitestgehend zu ermöglichen.

Im Appell heißt es weiterhin: “Die aktuelle Zahl der Infektionen und insbesondere die neue Variante des Coronavirus erfordern von uns weitere Anstrengungen. Wir müssen gemeinsam im Rahmen unserer Möglichkeiten alles tun, um weitere Infektionen zu vermeiden, um damit die Gesundheit und das Leben vieler zu schützen. Das gilt nicht nur für das Privatleben, sondern auch für das Arbeitsleben.

Arbeitgeber, Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte sind bislang sehr verantwortungsvoll mit der schwierigen Situation umgegangen. Die Umsetzung von Pandemieplänen, Hygienekonzepten und der zwischen den Sozialpartnern, der Bundesregierung sowie Bundesländern und den Unfallversicherungsträgern vereinbarten SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregeln haben dazu geführt, dass der Arbeitsplatz im Vergleich ein sicherer Ort ist.

Dennoch müssen wir jetzt die Kontakte weiter einschränken und die Mobilität verringern. Arbeiten im Homeoffice trägt dazu bei. Homeoffice ist nicht für jeden Beruf oder jede Tätigkeit geeignet. Produktion, Fertigung, Pflege und die Versorgung mit wichtigen Gütern erfordern zum Beispiel Präsenz. Oft sprechen auch betriebliche Abläufe dagegen. Wo es möglich ist, bieten Unternehmen ihren Beschäftigten heute bereits weitgehend Homeoffice an. Es kann jedoch noch mehr getan werden – wobei hier Arbeitgeber, Beschäftigte und Betriebsräte gemeinsam in der Pflicht stehen, diese Möglichkeit verantwortungsvoll zu nutzen.

Wir appellieren an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Personalverantwortliche sowie Führungskräfte – wo immer dies möglich ist –, ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in dieser Situation Homeoffice anzubieten. Gleichzeitig appellieren wir an die Beschäftigten, diese Angebote soweit sinnvoll und möglich anzunehmen und von zu Hause zu arbeiten.

Wir wissen, dass Homeoffice für viele Unternehmen eine finanzielle, organisatorische und auch datensicherheitstechnische Belastung darstellt. Für Beschäftigte kann Homeoffice eine soziale und emotionale Belastung darstellen. Homeoffice in diesem Ausmaß ist eine Ausnahme, die die aktuelle Pandemie erfordert. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einer gemeinsamen Anstrengung und den angelaufenen Impfungen diese Herausforderungen bewältigen können.”
Schilff: Sich von althergebrachten Sichtweisen trennen
“In den Strukturen der Polizeien, in allen Arbeitsbereichen, sollten jegliche Möglichkeiten genutzt werden, um die Infektionsgefahr unserer Kolleginnen und Kollegen zu minimieren. Dabei sind unkomplizierte wie intelligente Maßnahmen auch in den Ländern notwendig, so wie es aktuell in der Bundespolizei praktiziert werden soll. Demnach ist neben dem Ausbau mobilen Arbeitens auch die Nutzung von Bereitschaften von zu Hause aus mit der vollen Anrechnung der Wochenarbeitszeit umgehend durchzuführen“, verdeutlichte GdP-Vize Schilff in Braunschweig.

Es gehe in allen Bereichen, also auch im öffentlichen Dienst und im Besonderen auch bei der Polizei, um geringere Infektionszahlen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Einsatzfähigkeit. Aus Sicht der GdP richte sich der Appell längst nicht nur an die Wirtschaft. Auch im öffentlichen Dienst sei es an der Zeit, sich von althergebrachten Sichtweisen zu trennen oder Denkblockaden abzubauen.