Bilanz 2020: Rund 285 Tonnen Kampfmittel gefunden

28. Dezember 2020 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz, Brandenburg | Drucken

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) hat eine vorläufige Bilanz für dieses Jahr gezogen: Bis Ende November wurden in Brandenburg rund 285 Tonnen Kampfmittel gefunden, teilte das Innenministerium heute in Potsdam mit. Im Ergebnis der Kampfmittelräummaßnahmen durch den KMBD konnten bisher rund 92 Hektar aus dem Kampfmittelverdacht entlassen werden.

Innenminister Michael Stübgen: „Die Fachleute des KMBD haben auch in diesem Jahr wieder ganze Arbeit geleistet. Trotz mehrwöchiger Unterbrechungen aufgrund der Pandemie konnten mehr Kampfmittel gefunden werden als im Jahr zuvor. Dennoch ist Brandenburg weiterhin das Bundesland mit dem höchsten Anteil an munitionsbelasteten Gebieten in Deutschland. Deshalb bleibt die Kampfmittelsuche eine Aufgabe, die uns und nachfolgende Generationen noch lange beschäftigen wird.“

Rund 350.000 Hektar zivil genutzter Fläche stehen in Brandenburg unter Kampfmittelverdacht. Oranienburg, Potsdam, die Oder-Neiße-Linie und der Bereich südlich Berlins bilden dabei die lokalen Schwerpunkte. Der KMBD hat bis Ende November über 5.600 Anfragen von Grundstückseigentümern auf Kampfmittelbelastung bearbeitet und wurde zudem im Rahmen der Gefahrenabwehr rund 2.600 Mal zu einem Kampfmittelfund gerufen.

Außerdem beauftragte er über 226 Kampfmittelräummaßnahmen für landeseigene, kommunale und private Liegenschaften und wurde auch als Geschäftsbesorger für Dritte wie Kommunen oder den Bund tätig. Ferner wurde im Dezember 2020 eine Kooperationsvereinbarung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben geschlossen. Danach verpflichtet sich der Bund zu einer verstärkten Kampfmittelräumung auf bundeseigenen Liegenschaften im Land Brandenburg und stellt hierfür bis 2035 insgesamt 229 Millionen Euro zur Verfügung.

Brandenburg musste für die Kampfmittelräumung bis Ende November 2020 insgesamt 12,9 Millionen Euro aufwenden – davon 7,5 Millionen Euro für die Beseitigung von Kampfmitteln und 5,4 Millionen Euro für Personal- und Sachkosten. Allein für die Kampfmittelbeseitigung in Oranienburg mussten 5,2 Millionen Euro aufgewendet werden.

Im Ergebnis wurden in diesem Jahr (Stand: 30. November) im Land Brandenburg rund 285 Tonnen Kampfmittel gefunden. Darunter befanden sich unter anderem:

ca. 2.005 Stück Nahkampfmittel
260 Stück Minen
90.221 Stück Granaten
4.853 Stück Brandbomben
1.322 Stück Sprengbomben über 5 kg
5.265 Stück Panzerabwehrraketen/ Raketen
1.580 Stück Waffen/Waffenteile
343.422 Stück Handwaffenmunition.

Herausgehobene Beispiele für die Arbeit des KMBD im Jahr 2020:

Die Kampfmittelsuche wurde auch im Jahr 2020 in Oranienburg (Landkreis Oberhavel), wie in den Jahren zuvor, mit Nachdruck fortgeführt. Bundesweit ist keine Region bekannt, in der so konzentriert amerikanische Bomben mit chemisch wirkenden Langzeitzündern abgeworfen worden sind. Zur Bewältigung dieser besonderen Situation der Stadt wurde die Modellregion Oranienburg, zeitlich befristet auf drei Jahre mit anschließender Evaluation ins Leben gerufen. Der Zentraldienst der Polizei mit seinem Kampfmittelbeseitigungsdienst ist auf dem Gebiet der Stadt Oranienburg Sonderordnungsbehörde. Ziel ist insbesondere, die Aufgaben der Fachaufsicht für alle durchgeführten Maßnahmen der Kampfmittelbeseitigung ausführen zu können. Seit 1991 sind in Oranienburg über 200 Großbomben erfolgreich entschärft bzw. gesprengt worden, davon im laufenden Jahr drei Stück.

Im Rahmen einer planmäßigen Flächenabsuche in Potsdam wurden im Jahr 2020 zwei Bomben gesprengt: eine amerikanische Sprengbombe (227 kg) im Aradosee sowie eine britische Sprengbombe (227 kg) an der Nuthemündung in der Neuen Fahrt. Seit 1990 sind in Potsdam über 200 Großbomben erfolgreich entschärft bzw. gesprengt worden.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Wittstock im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, der im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) steht, wurde im Bereich des ehemaligen Scheinflugplatzes zwischen den Ortslagen Gadow und Neuglienicke eine Belastung mit Streumunition festgestellt. Mit der Ratifizierung der Streuwaffenkonvention im Juni 2009 hat sich die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, mit Streumunition belastete Flächen bis 2020 zu räumen. Der Zeitrahmen bis 2020 konnte nicht erfüllt werden und wird entsprechend der Fortschrittsprognosen schrittweise verlängert. Bis 2015 wurden insgesamt 34 Stück Streuwaffen unterschiedlicher Typen, überwiegend Splitterbomben ShOAB-0,5, aber auch Splitterbomben AO-2,5RT, AO-1, sowie Hohlladungsbomben PTAB-2,5M und PTAB-2,5 KO gefunden. Auf Basis der Funde wurde eine Streumunitionsverdachtsfläche von 1.100 Hektar (11 km²) ausgewiesen und über das Auswärtige Amt an die Vertragsstaatenkonferenz gemeldet. 2014 wurde in Abstimmung mit dem KMBD ein Konzept für die Räumung der streumunitionsbelasteten Flächen erstellt. 2017 wurde die Kampfmittelräumung auf der mit Streumunition belasteten Fläche begonnen und in den Jahren 2018 bis heute erfolgreich weitergeführt. Mit der Kampfmittelräumung sind Unternehmen der gewerblichen Kampfmittelräumung beauftragt. Auftraggeber ist der Bundesforstbetrieb Westbrandenburg, der die Liegenschaft für die Eigentümerin BImA verwaltet und bewirtschaftet. Der KMBD transportiert und vernichtet die aufgefundene Munition. Im laufenden Jahr wurden auf der Räumstelle bis Ende November 893 Stück Streumunition geborgen, dazu 156 Bomben bis 100 kg sowie drei Bomben bis 250 kg.