Mehr Wissen für den Ausstieg aus der rechten Szene

2. Dezember 2020 | Themenbereich: Justiz, Niedersachsen | Drucken

Niedersachsen stärkt die Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Aussteigerprogrammen. Dazu wurde im Landes-Demokratiezentrum erstmalig eine Qualifizierungsmaßnahme entwickelt, die sowohl die Erfahrungen und Methoden der Praxis als auch die aktuelle Forschungslage zu Ausstiegsprozessen berücksichtigt.

Da die Betreuung von Ausstiegen – insbesondere aus der rechtsextremen Szene – kein Ausbildungsberuf im klassischen Sinn ist, waren die Beraterinnen und Berater bislang gezwungen, ihr Handwerk im beruflichen Alltag zu erlernen. Durch das neue Angebot können nun insbesondere Studierende der Sozialen Arbeit und Fachkräfte aus der Ausstiegsarbeit sich in sechs zweitägigen Veranstaltungen zu verschiedenen Themen fortbilden.

Justizministerin Barbara Havliza: „Aussteigerprogramme sind wichtig, ebenso wie ihre finanzielle Förderung. Mindestens genauso wichtig ist aber der Wissenstransfer. Wir sind stolz darauf, im Landes-Demokratiezentrum über eine enorme Erfahrung und über ein beispielgebendes Engagement in der Prävention gegen Rechtsextremismus zu verfügen. Dies ist eine Ressource, die wir zur Verfügung stellen wollen. Sie ist wichtig für die Ausstiegsberatung, aber auch für die Vernetzung der vielen Fachkräfte.“

Themen der Qualifizierung sind zum Beispiel die folgenden Fragen: Wie sind Hinwendungen zur rechtsextremen Szene wissenschaftlich zu erklären? Wie sollte man Betroffene ansprechen und wie muss eine Beratung umgesetzt werden? Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Ausstieg aus der Szene? Wie können rechtsextreme Einstellungen aufgearbeitet werden?

Weitergebildet werden aktuell Studierende der Sozialen Arbeit verschiedener Hochschulstandorte Niedersachsens. Weitergebildet werden aber auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der geförderten zivilgesellschaftlichen Ausstiegshilfeder geförderten zivilgesellschaftlichen Ausstiegshilfen „Distance“, „RAUSzeit“ sowie der AussteigerhilfeRechts. Durch die vielfältige Zusammensetzung des Teilnehmerkreises werden auf lange Sicht Multiplikatoren ausgebildet, die ihr Wissen über die Fachgrenzen hinaus in andere Bereiche der Sozialen Arbeit tragen können. Dadurch werden sie im Idealfall zu wichtigen Schnittstellen, zum Beispiel bei der Anbahnung von Kontakten zwischen ausstiegsinteressierten rechtsextremen Szeneangehörigen und den spezialisierten Beratungsangeboten.

Zum Hintergrund:

Das Landes-Demokratiezentrum im Niedersächsischen Justizministerium koordiniert und fördert im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! 2020-24“ aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zivilgesellschaftliche Präventionsangebote im Bereich Rechtsextremismus und religiös-begründete Radikalisierung. Hierzu gehören in Niedersachsen die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus, Angebote der Betroffenenberatung rechtsextremer Gewalt sowie Ausstiegsangebote aus der rechtsextremen Szene und ein Netzwerk lokaler Fachstellen gegen Islamismus sowie Islam- und Demokratiefeindlichkeit.

Der niedersächsische Landespräventionsrat ist ein eigenständiges Beratungsorgan der Landesregierung sowie örtlicher Gremien und Einrichtungen. Seine übergeordneten Zielsetzungen sind die Reduzierung des Kriminalitätsaufkommens und die Verbesserung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen.