Ergebnisse der dritten Dunkelfeldstudie: Die Menschen fühlen sich in Schleswig-Holstein sicherer als vor zwei Jahren

16. November 2020 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Schleswig-Holstein | Drucken

Innenministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack hat heute (16. November 2020) gemeinsam mit Landespolizeidirektor Michael Wilksen und dem Leiter der Kriminologischen Forschungsstelle im Landeskriminalamt, Dr. Lars Riesner, die Ergebnisse der 3. Dunkelfeldstudie in Schleswig-Holstein vorgestellt. Dabei wurden im vergangenen Jahr 25.000 Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner nach ihren persönlichen Erfahrungen und Meinungen zu den Themen Sicherheit und Kriminalität befragt.

“”Die Menschen fühlen sich in Schleswig-Holstein sicherer als vor zwei Jahren. Das gilt nicht nur für ihre persönliche Umgebung, sondern auch für die Befürchtung, Opfer von Straftaten zu werden. Das freut eine Innenministerin natürlich””, so Sütterlin-Waack.

Die Innenministerin fand angesichts der Rückmeldung, dass ebenfalls das “persönliche Schutzverhalten” der Menschen abnehme, allerdings auch mahnende Worte: “”Leichtsinnig dürfen wir natürlich nicht werden. Denn gerade die Erfolge in der Einbruchsbekämpfung wurden ganz wesentlich durch die Schutzmaßnahmen der Haushalte erreicht. Also gilt gerade in der dunklen Jahreszeit weiter: Fenster und Türen schließen, am besten mit verstärktem Einbruchsschutz, noch sind Fördermittel da!””

Angestiegen sei die Zahl an Sexualdelikten, vor allem sexuelle Belästigung. Gegen den insgesamt steigenden Trend der Anzeigebereitschaft sei hier zugleich die Anzeigenquote gesunken. “”Nichts rechtfertigt Gewalt gegen Frauen. Hier müssen wir sehr genau hinschauen””, so Sütterlin-Waack, die auch Gleichstellungsministerin ist. Sie hoffe, dass die Debatten der vergangenen Jahre immer deutlicher in das Bewusstsein rückten, dass der vermeintlich freundliche Klaps auf den Hintern kein Kavaliersdelikt ist. Denn der häufigste angegebene Grund für den Verzicht auf eine Strafanzeige sei, dass die Tat als nicht schwerwiegend genug für eine Anzeige empfunden wurde.

Besonders freute die Ministerin sich über das hohe Vertrauen der Menschen in die Polizei. “”Mehr als 90 Prozent der Menschen, die Polizeikontakte hatten, fühlten sich gerecht behandelt – und zwar ausdrücklich unabhängig davon, ob sie Deutsche oder Ausländerinnen und Ausländer waren. Das sind tolle Werte, auf die Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen wirklich stolz sein können””, sagte die Ministerin auch mit Blick auf aktuelle Debatten an den Landespolizeidirektor gerichtet.

Wilksen betonte in diesem Zusammenhang den dialogorientierten Ansatz der Landespolizei: “”Wir sind und bleiben eine Bürgerpolizei und setzen auf den Dialog mit allen Teilen der Bevölkerung. Mich freut es ganz besonders, dass die Dunkelfeldstudie das hohe Vertrauen in unsere professionelle Arbeit und den respektvollen Umgang mit den Menschen zum Ausdruck bringt.””

Die Ministerin betonte die Bedeutung solcher wissenschaftlichen Erhebungen und Analysen losgelöst von konkreten Anlässen. Diese seien wichtig für die strategische Entscheidungsfindung. Sie begrüße deshalb ausdrücklich, dass der in Schleswig-Holstein bewährten Dunkelfeldstudie nun eine vergleichbare bundesweite Forschungsarbeit unter Beteiligung Schleswig-Holsteins folgen wird. “”In diesen Tagen erhalten 23.500 Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner Fragebögen des BKA zu „SKiD – Sicherheit und Kriminalität in Deutschland””. Ich bitte alle Empfängerinnen und Empfänger herzlich, diese Studie durch ihre Teilnahme zu unterstützen“, so die Ministerin.

Methodik sowie Auswahl zentraler Ergebnisse

Methodik und “Viktimisierung”

Bei der repräsentativen “Befragung zu Sicherheit und Kriminalität” wurden in den Monaten März und April 2019 25.000 zufällig ausgewählte Personen über 16 Jahren durch das Landeskriminalamt angeschrieben. Davon antworteten 10.982, von denen 32,5 Prozent im Jahr 2018 mindestens einmal Opfer einer Straftat wurden. Dies entspricht einer rückläufigen Tendenz um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2016.

Anzeigeverhalten

Die Anzeigequote ist um 1,2 Prozentpunkte auf 31 Prozent gestiegen. Im Vergleich zur ersten Befragung beträgt der Anstieg sogar 3,6 Prozent. Das ist außerhalb der Fehlerwahrscheinlichkeit solcher Befragungen und damit signifikant. Bei Computerbezogener Kriminalität ist ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen, bei Sexualdelikten insgesamt ein signifikanter Rückgang.

Kriminalitätsfurcht und subjektives Sicherheitsgefühl

Nachdem die Kriminalitätsfurcht 2017 im Vergleich zu 2015 angestiegen war, sind nun in nahezu allen Einzelaspekten signifikante Rückgänge zu verzeichnen. Die Werte liegen teilweise sogar unter den Werten von 2015. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei der Furcht vor Einbrüchen aus. Bemerkenswert ist, dass auch die Furcht davor, sexuell bedrängt zu werden, nicht zugenommen hat, obwohl in diesem Bereich bei der tatsächlichen Opferwerdung ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen war.

Ebenfalls ein Rückgang war bei denjenigen zu verzeichnen, die zu ihrem vermeintlichen Schutz häufig oder immer Reizgas, Messer oder andere Waffen bei sich tragen – dies sagen nur noch 5 Prozent (2017: 6,6%). Mehr als 13,9 Prozent der Befragten geben an, häufig oder immer ein Smartphone mit spezieller Notruf-App zum Schutz bei sich zu tragen.

“”Der konsistente Rückgang der Kriminalitätsfurcht im Land ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, da die Furcht vor Kriminalität mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden sein kann. Hinzu kommt: Wenn sich die Menschen sicherer fühlen, stärkt das auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt””, sagte der Leiter der Kriminologischen Forschungsstelle, Dr. Lars Riesner.

Bewertung der Polizei

In der Bewertung der Polizei hat sich das positive Bild der vergangenen Befragung bestätigt. 94,5 Prozent (2016 94,4%) nehmen die Polizei positiv oder eher positiv wahr. Die Werte unter anderem für Vertrauenswürdigkeit, Professionalität und Bürgerfreundlichkeit bleiben stabil über 90 Prozent. Auch bezogen auf das Vertrauen in ein rechtsstaatliches Handeln der Polizei fallen die Befunde zufriedenstellend aus. Nach wie vor sprechen über 90 Prozent der Bevölkerung der Polizei dieses Vertrauen aus – trotz eines leichten Rückgangs um 1,2 Prozentpunkte.

Bemerkenswert ist, dass die Erwartungshaltung der Befragten an eine Gleichbehandlung von arm und reich (82%) sowie von deutschen und Ausländern (76,2%) durch die Polizei niedriger ist, als dies in der Bewertung nach einem Kontakt mit der Polizei zum Ausdruck kommt. Nach einem Kontakt bescheinigen mehr als 90 Prozent der Befragten – trotz eines leichten Rückgangs – den Beamtinnen und Beamten, sie nicht ungerecht behandelt und ihnen gegenüber keine Vorurteile gehabt zu haben.