Geiselnahme in der JVA Geldern

2. September 2020 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Strafvollzug | Drucken

In der Alltagsroutine eines Vollzugsbediensteten nimmt das, was sich heute in der JVA Geldern zugetragen hat, keinen wesentlichen Raum ein. Anders könnte man diesen Beruf gar nicht ausüben. Für einen 51jährigen Kollegen wurde das bislang nur theoretisch Aufbereitete praktische Realität. Am heutigen Nachmittag hat ein 31jähriger Gefangener den Kollegen auf einem Innenhof der Vollzugseinrichtung Geldern als Geisel genommen.

Dem beherzten Zugreifen von herbeigeeilten Kollegen ist es zu verdanken, dass die Sicherheitsstörung noch vor dem Eintreffen der alarmierten Polizeikräfte beendet werden konnte.

Nachdem die Einsatzleitung der Anstalt Kenntnis davon hatte, dass der Inhaftierte unseren Kollegen massiv mit einem Messer bedrohte, erfolgte gegen 16.00 Uhr die Alarmierung der Polizei. Die Einsatzführung der Polizei zog zahlreiche Einsatzmittel und Spezialeinheiten zusammen, um die Lage in der Vollzugseinrichtung möglichst zeitnah zu beenden.

Noch vor dem Eintreffen dieser Polizeikräfte konnte der Täter gegen 17.15 Uhr durch den entschlossenen Zugriff von mehreren Kollegen überwältigt und entwaffnet werden. Hierbei zogen sich zwei Kollegen, darunter die Geisel, und der Geiselnehmer leichte Schnittverletzungen zu, die vor Ort ambulant ärztlich versorgt wurden. Die den Zugriff ausführenden Kollegen nutzten einen Augenblick der Unaufmerksamkeit des Geiselnehmers, um ihn handlungsunfähig zu machen.

Bei dem Geiselnehmer handelt es sich um einen 31jährigen Türken, der gegenwärtig eine Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu verbüßen hat. Die Polizei hat eine Ermittlungskommission eingerichtet und ist mit der Betreuung des Opfers befasst.

Die besondere Sicherheitsstörung konnte schnell und fast unblutig durch Kräfte des Vollzuges beendet werden, bevor die Lage eskalierte. Das Ereignis hat allerdings schlaglichtartig deutlich gemacht, dass die Arbeit im Vollzug eine gefahrengeneigte Tätigkeit ist, die von den Kolleginnen und Kollegen große Aufmerksamkeit und professionelle Distanz verlangt.

BSBD-Chef Ulrich Biermann zeigte sich in einer ersten Stellungnahme äußerst erfreut über den glimpflichen Ausgang der Geiselnahme. Den verletzten Kollegen wünschte er schnelle und komplikationsfreie Genesung. „Die Vollzugsfamilie ist in Gedanken bei Ihnen, weil ein Ereignis wie das heute erlebte nicht spurlos vorübergeht. Wer wüsste das besser als wir Bedienstete des Strafvollzuges“, drückte der Gewerkschafter die Anteilnahme der Kolleginnen und Kollegen aus.

Quelle: BSBD Friedhelm Sanker