Das eigene Zuhause kein sicherer Ort?

30. August 2020 | Themenbereich: Innere Sicherheit | Drucken

Bundesministerin Giffey startet bundesweite Aktion mit 15 Einkaufszentren

Die Initiative „Stärker als Gewalt“ informiert deutschlandweit in Einkaufszentren über Hilfsangebote für Betroffene

Für viele Frauen ist in der Corona-Krise nicht einmal das eigene Zuhause ein sicherer Ort. So stieg beispielsweise in Berlin die Zahl der häuslichen Gewalttaten im Juni 2020 um 30 Prozent gegenüber 2019, wie aus Erhebungen der Gewaltschutzambulanz der Charité hervorgeht. Zudem ist zu befürchten, dass die Dunkelziffer noch weitaus höher ist als die offiziell gemeldeten Fälle. Schließlich ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt.

Um Betroffene zu sensibilisieren sowie auf Hilfe- und Beratungsangebote aufmerksam zu machen, informiert die Initiative „Stärker als Gewalt“ des Bundesfamilienministeriums ab sofort bundesweit auf Infoflächen in 15 Einkaufzentren der Unibail-Rodamco-Westfield (URW) Group.

Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey:

„Viele Frauen wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen, wenn ihnen Gewalt angetan wird. Deshalb ist es um so wichtiger, dass nach der deutschlandweiten Aktion „Zuhause nicht sicher?“, die wir bereits im April mit 26.000 Supermärkten gestartet haben, nun auch 15 große Einkaufszentren in ganz Deutschland über Hilfsangebote informieren. Gerade beim Einkaufen ist die Chance am größten, Menschen zu erreichen. Hier laufen die Leute vorbei, hier sehen sie die Hinweise auf unsere Webseite und unser Hilfetelefon. Durch diese groß angelegte Aktion schaffen wir es, eine breite Öffentlichkeit für Gewalt gegen Frauen zu sensibilisieren und niedrigschwellige Hilfsangebote zu machen. Ich hoffe, dass noch viel mehr Geschäfte, Märkte und Einkaufszentren auf unsere Initiative aufmerksam werden und mitmachen, wenn es heißt: Gemeinsam sind wir stärker als Gewalt.“

Zum Auftakt der bundesweiten Aktion hat Bundesfrauenministerin Giffey am 28. August 2020 gemeinsam mit Dilek Kalayci, Berliner Senatorin für Gleichstellung, und Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, die Wilmersdorfer Arcaden in Berlin besucht. Dort wird während Umbauarbeiten die Fläche einer großen Staubschutzwand als „Awareness“-Wall genutzt und informiert über die Hilfsangebote. Eine Vielzahl der Geschäfte machen ebenfalls bei der Aktion mit, etwa indem sie in ihren Schaufenstern oder in Umkleidekabinen mit Aufklebern und Postern auf die Initiative aufmerksam machen.

Die URW-Group zählt in den teilnehmenden Einkaufszentren an die 100 Millionen Besucherinnen und Besucher jährlich, alleine in den Wilmersdorfer Arcaden sind es 25.000 Menschen täglich. Zu den URW-Shopping-Malls, die sich deutschlandweit an der Aktion gegen Gewalt an Frauen beteiligen, gehören folgende Einkaufszentren: Berlin: Spandau Arcaden, Forum Steglitz, Schönhauser Allee Arcaden, Wilmersdorfer ArcadenLaatzen: Leine CenterLeipzig: Paunsdorf Center, Höfe am BrühlRecklinghausen: Palais VestOberhausen: CentroBochum: Ruhr Park BochumMönchengladbach: MintoRegensburg: Regensburg ArcadenMünchen: Riem Arcaden, Pasing Arcaden

Christian Zimmermann, Head of Centermanagement, URW-Group:

“Es ist ein elementarer Teil unserer Unternehmensstrategie, dass wir uns an unseren Standorten für soziale, solidarische und gemeinnützige Zwecke engagieren. Wir freuen uns daher sehr, dass wir dieser wichtigen Awareness-Kampagne des Bundesministeriums in unseren Shopping-Centern deutschlandweit zu mehr Aufmerksamkeit und Reichweite verhelfen können. Aus unserem Portfolio nehmen 15 Standorte teil, an denen wir eine breitgefächerte Kommunikation über Shop-Flächen, Mall-Wände und digitale Stelen anbieten. Wir sind froh, dass wir das Ministerium tatkräftig unterstützen können.“

Wieder mit dabei ist auch die Supermarkt-Kette Edeka, die sich schon seit Ende April als engagierter Partner der Aktion „Zuhause nicht sicher?“ beteiligt und auch auf Produkten der Eigenmarke über Hilfsangebote für Frauen informiert.

Über die Initiative „Stärker als Gewalt“

Die Initiative „Stärker als Gewalt“ des Bundesfrauenministeriums (staerker-als-gewalt.de) ist im November 2019 gestartet. Sie informiert über unterschiedliche Gewaltformen und zeigt Wege auf, wie Gewalt beendet werden kann.

Gemeinsam mit zahlreichen Organisationen engagiert sich „Stärker als Gewalt“ dafür, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, das Gewalt an Frauen und Männern verurteilt und Menschen, die eingreifen und helfen wollen, unterstützt. Die Initiative möchte Menschen motivieren, sich gegen Gewalt einzusetzen und Betroffenen zu helfen. Die Partnerorganisationen der Initiative sind: Hilfetelefon Gewalt gegen FrauenFrauenhauskoordinierung e.V.Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe e.V.Zentrale Informationsstelle Autonomer FrauenhäuserWeibernetz e.V.Bundesforum Männer e.V.Landesfachstelle Männerarbeit SachsenSozialdienst Katholischer Männer e.V.Antidiskriminierungsstelle des BundesBundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.Dachverband der MigrantinnenorganisationenBundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleich­stellungsstellen

Die Initiative ist eingebettet in das Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen im Rahmen der Umsetzung der Istanbul-Konvention und des Koalitionsvertrags. Seit 2018 arbeitet der von Bundesfrauenministerin Giffey eingerichtete Runde Tisch von Bund, Ländern und Gemeinden, mit dem das Hilfenetz deutlich verstärkt und verbessert werden soll. Mit dem Bundesförderprogramm „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ stellt das Bundesfrauenministerium in den nächsten vier Jahren ab 2020 insgesamt 120 Millionen Euro zusätzlich für den Ausbau von Beratungsstellen und Frauenhäusern bereit. Außerdem werden bis 2022 jährlich fünf Millionen Euro für die Förderung innovativer Projekte zur Verfügung stehen.

Eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene von häuslicher Gewalt und Menschen, die helfen wollen, ist das vom Bundesfrauenministerium geförderte Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Das Hilfetelefon ist unter der kostenlosen Nummer 08000 116 016 rund um die Uhr zu erreichen – anonym und barrierefrei – und bietet in deutscher Sprache und in 17 Fremdsprachen telefonische Beratung für gewaltbetroffene Frauen, für Menschen aus dem sozialen Umfeld der Opfer und für Fachkräfte an. Außerdem ist eine Onlineberatung möglich.