Deutlich mehr Getötete durch Fahren ohne Gurt

6. August 2020 | Themenbereich: Bayern, Verkehr | Drucken

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zeigte sich insgesamt zufrieden über die aktuelle Verkehrsunfallstatistik für das erste Halbjahr 2020: “Jeder Unfall und Getötete ist einer zu viel. Erfreulicherweise ist jedoch die Zahl der Verkehrsunfälle mit 161.235 um 21,3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019, wo sich noch 204.743 Verkehrsunfälle ereignet hatten, erneut sehr deutlich zurückgegangen. Das liegt natürlich vor allem an den Beschränkungen Rund um die Corona-Krise, wodurch deutlich weniger Verkehrteilnehmer auf den Straßen unterwegs waren.” Fest steht laut Herrmann, dass die Polizei auch weiterhin Gurtmuffel, fahruntüchtige Fahrer, Handysünder sowie Raser ins Visier nimmt. “Auch planen wir wieder zum Schuljahresanfang Mitte September mehrtägige Schwerpunktaktionen”, erklärte Herrmann. “Unsere Verkehrsexperten der Bayerischen Polizei analysieren derzeit die Halbjahresergebnisse, um die richtigen Maßnahmen gezielt mit unserem Bayerischen Verkehrssicherheitsprogramm ‘Bayern mobil – sicher ans Ziel’ anzugehen”, kündigte der Minister an. “Die Verbesserung der Verkehrssicherheit ist und bleibt weiterhin oberste Prämisse.”

Besonders problematisch ist laut Herrmann das Nicht-Anschnallen: So starben 26 Menschen auf Bayerns Straßen, weil sie nicht angegurtet waren, das sind 36,8 Prozent mehr als im Vorjahr. “Sich anzuschnallen ist nur ein kleiner Handgriff vor dem Losfahren – aber er kann Leben retten”, appellierte Herrmann. “Selbst bei vermeintlich niedrigen Geschwindigkeiten, ja sogar bei einer Kollision auf dem Parkplatz, kann ein Gurt lebensrettend sein. Schnallen Sie sich und Ihre Kinder und Mitfahrer immer an!”

Verletzt wurden in Bayern von Januar bis Juni 2020 24.781 Personen, ein Minus von 21,1 Prozent. “Leider hatten wir bisher 216 getötete Personen bei Verkehrsunfällen zu beklagen, jedoch ist auch hier ein deutliches Minus von 10,4 Prozent im Vergleich zu Januar bis Juni 2019 zu erkennen, wo 241 Personen durch einen Verkehrsunfall ihr Leben lassen mussten”, sagte Herrmann. Einen Anstieg gab es bei den getöteten Kindern zu beklagen: In der ersten Jahreshälfte 2019 wurden vier Kinder getötet, dieses Jahr sind es bereits sechs. Besonders auffällig sei die Todesursache ‘überhöhte Geschwindigkeit’: So kamen hierdurch 76 Menschen ums Leben, das ist ein Plus von 26,7 Prozent.

Erfreulicherweise ging die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss auf 1.977 zurück, ein Minus von 12,2 Prozent, 19 Personen wurden dabei getötet. Auch die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss reduzierte sich um 13,5 Prozent auf insgesamt 231, es gab zwei Todesopfer.

Wie Herrmann weiter erklärte, gab es auch deutlich weniger tödliche Unfälle im nicht-motorisierten Verkehr: Hier ging die Zahl der getöteten Radfahrer im ersten Halbjahr 2020 um 21,6 Prozent auf 29 zurück. Auch die Zahl der getöteten Fußgänger sank um acht Prozent auf 23.

Die Zahl der getöteten Motorradfahrer sank um 7,1 Prozent auf 52, die Zahl der jungen Fahrer um 17,2 Prozent auf 24. 2020 wurden bisher im Straßenverkehr auch weniger Senioren ab 65 Jahren getötet, die Zahl sank um 16,4 Prozent auf 61.

Der erfreuliche Abwärtstrend setzt sich laut Herrmann auch auf den Landstraßen fort: Hier gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 16,4 Prozent weniger Unfälle, insgesamt 50.120. Die Zahl der dabei Verletzten reduzierte sich deutlich auf 8.041, die Zahl der Getöteten sank auf 136.

“Wir werden auch weiterhin nicht müde, Bayerns Straßen noch sicherer zu machen. Das ist das Ziel des Bayerischen Verkehrssicherheitsprogramms 2020 ‘Bayern mobil – sicher ans Ziel’, das unter www.sichermobil.bayern.de abrufbar ist”, sagte Herrmann. “Anfang 2021 soll außerdem das neue Verkehrssicherheitsprogramm 2030 an den Start gehen. Grundlage wird das ursprünglich in Schweden entwickelte Verkehrskonzept ‘Vision Zero’ sein, bei dem die Unversehrtheit des Menschen im Mittelpunkt steht”, erklärte der Minister. Das Ziel ist, schwere oder gar tödliche Verkehrsunfälle bestmöglich zu vermeiden. Neben noch mehr Verkehrssicherheit für Motorradfahrer und im Schwerverkehr geht es laut Herrmann besonders auch um den Schutz der Radfahrer und der schwächsten Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Fußgänger, Senioren und Menschen mit Behinderung.