Weniger Personenschäden im Straßenverkehr

29. Februar 2020 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Verkehr | Drucken

Innenminister Thomas Strobl hat die Verkehrsunfallbilanz 2019 vorgestellt. Es zeigt sich: Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre setzt sich fort. Es kamen weniger Personen im Straßenverkehr zu Schaden als noch im Vorjahr.

„Verkehrssicherheitsarbeit heißt kurz und knapp: alles dafür zu tun, dass die Menschen risikoarm und unfallfrei am Straßenverkehr teilnehmen können. Bei der Verkehrsunfallbilanz 2019 können wir festhalten: Im Vergleich zum Vorjahr kamen in Baden-Württemberg 2019 weniger Personen im Straßenverkehr zu Schaden. Das bestätigt, dass unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf unseren Straßen greifen“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz des vergangenen Jahres in Baden-Württemberg.

„Insgesamt sinkt die Zahl der Menschen, die bei einem Verkehrsunfall verunglückten. Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 47.216 Menschen zu Schaden, das sind 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr, in dem es 48.554 waren. Davon erlitten 8.094 schwere Verletzungen, ein Minus von 5,2 Prozent. Ich freue mich sehr, dass sich diese positive Entwicklung der vergangenen Jahre – insbesondere bei der Zahl der Schwerverletzten – fortsetzt“, so Innenminister Thomas Strobl.

Ein in diesem Zusammenhang besonders erfreulicher Aspekt ist, dass die Zahl der verletzten Motorradfahrerinnen und -fahrer sinkt. Damit beweist der vor Beginn der Motorradsaison 2018 erstellte 5-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Motorradunfällen, dass er in die richtige Richtung führt.
Jeden Tag verlor mindestens ein Mensch sein Leben im Straßenverkehr

Die Anzahl der Getöteten sank mit 437 lediglich leicht unter das Niveau des Jahres 2018 mit 440 Verkehrstoten. Mehr als ein Drittel der Verkehrstoten verlor ihr Leben bei Verkehrsunfällen, an denen ein Motorrad oder ein Fahrrad beteiligt war (159 von 437).

Mit 327.712 registrierten Verkehrsunfällen ist insgesamt eine Zunahme von knapp einem Prozent gegenüber dem Vorjahr (323.986) zu verzeichnen. Bei neun von zehn Unfällen (291.422) entstand glücklicherweise nur Sachschaden.

Hauptunfallursache und Risikofaktoren: Geschwindigkeit, Ablenkung, Sicherheitsgurt

Nach wie vor ist überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer 1. Im Jahr 2019 verloren 179 Menschen auf den Straßen Baden-Württembergs ihr Leben, weil ein Verkehrsteilnehmender zu schnell unterwegs war. Bei mehr als jedem dritten tödlichen Verkehrsunfall war überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache. Auf Bundesautobahnen war es sogar mehr als jeder zweite tödliche Verkehrsunfall.

„Am Straßenverkehr teilzunehmen, erfordert absolute Aufmerksamkeit. Wer sich am Steuer durch sein Smartphone, sein Navigationsgerät oder durch andere fahrfremde Tätigkeiten ablenken lässt, gefährdet sein Leben und das Leben seiner Mitmenschen. Immer noch müssen wir jeden fünften tödlichen Verkehrsunfall (80) auf Ablenkung zurückführen. Und nicht nur das, über ein Viertel der im Jahr 2019 getöteten gurtpflichtigen Fahrzeugnutzer (59) war nicht angeschnallt. Daher die klare Botschaft: Die Überwachung von fahrfremden Tätigkeiten und der Gurtanlegepflicht behalten wir fest im Auge. Und das nicht, um Kasse zu machen, sondern weil es um Menschenleben geht“, betonte Innenminister Thomas Strobl.

Ein Blick auf einzelne Verkehrsbeteiligungsarten

Der vor Beginn der Motorradsaison 2018 erstellte 5-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Motorradunfällen führt in die richtige Richtung. Die Zahl der verletzten Biker erreichte in der Saison 2019 einen Neun-Jahres-Tiefstand. Mit insgesamt 4.887 Motorradunfällen wurde 2019 das erste Mal seit sechs Jahren die 5.000er Grenze unterschritten. Dennoch verloren im vergangenen Jahr 94 Motorradnutzende ihr Leben (2018: 101).

Obwohl sich die Zahl der Lkw-Unfälle um knapp drei Prozent von 15.334 auf 14.884 reduzierte, kam fast ein Viertel aller Verkehrstoten bei Unfällen mit Beteiligung eines Lkws ums Leben.

Anlass zur Sorge bereitet die Zahl der Fahrradunfälle, die sich nach dem starken Anstieg im vorangegangenen Jahr auch 2019 weiterhin auf sehr hohem Niveau bewegt. Bei den insgesamt 11.440 registrierten Verkehrsunfällen, an denen Fahrräder (inklusive Pedelecs) beteiligt waren, kamen 62 Fahrradfahrende ums Leben (2018: 68). Somit wurde jeden sechsten Tag ein Fahrradnutzer im Straßenverkehr getötet. Der gesellschaftliche Trend zum Elektrofahrrad (Pedelec) wirkt sich auch auf die Unfallstatistik aus. Im Jahr 2019 war an 2.112 Unfällen ein Pedelec beteiligt, was einer Steigerung von 28,5 Prozent zum Vorjahr (2018: 1.643) entspricht. Jeder dritte getötete Fahrradnutzer (20) war mit einem Pedelec unterwegs.

„Es ist gut, dass immer mehr Menschen das Fahrrad für sich als alltagstaugliches Verkehrsmittel entdecken. Doch die negative Entwicklung in der Unfallstatistik ist alarmierend. Mir ist wichtig, dass bei allen Verkehrsteilnehmern das Bewusstsein für die Bedeutung der geltenden Verkehrsregeln geschärft wird“, so Strobl: „Wir werden uns dieses Jahr gezielt auf die Steigerung der Sicherheit des Radverkehrs konzentrieren.“ Derzeit wird eine Fachkonzeption zur Bekämpfung von Fahrradunfällen mit präventiven und repressiven Inhalten erarbeitet und noch dieses Jahr durch die regionalen Polizeipräsidien umgesetzt.

In diesem Zusammenhang beteiligt sich die Polizei Baden-Württemberg am 6. Mai 2020 an einem bundesweiten Kontroll- und Aktionstag im Rahmen der gemeinsamen Kampagne der Länder „sicher.mobil.leben“. Unter dem Motto „Radfahrende / Radverkehr im Blick“ werden landesweite Kontrollmaßnahmen durchgeführt. Dabei sollen auch die jüngst im Rahmen der StVO-Novelle beschlossenen Verbesserungen für den Radverkehr durch die Polizei gezielt überwacht werden.

Am 15. Juni 2019 wurde die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung verabschiedet und seither gehören auch die sogenannten E-Scooter zum Straßenbild in Großstädten. 2019 wurden insgesamt 75 Verkehrsunfälle mit Elekotrokleinstfahrzeugen polizeilich registriert. Bei drei Viertel (58) dieser Unfälle wurden Personen verletzt. „Wir müssen aktuelle Trends und Entwicklungen genau im Auge behalten. Das Verhalten der Nutzer von E-Scootern ist nicht in jedem Fall verkehrsgerecht. Daher starten wir dieses Jahr eine Aufklärungskampagne, um die Nutzerinnen und Nutzer von E-Scootern auf die entsprechenden Verkehrs- und Verhaltensregeln hinzuweisen. Die Verleihfirmen dieser Fahrzeuge habe dabei ihre Unterstützung zugesichert“, so der Innenminister.

Verkehrsüberwachung

„Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf unseren Straßen setzen wir weiterhin auf Kontrollen, um zielgerichtet die Hauptunfallursachen und Risikofaktoren zu bekämpfen – und dabei geht es darum, Menschenleben zu schützen und zu retten. Durch organisatorische Veränderungen der Verkehrspolizei wurden im Rahmen der Polizeistruktur 2020 die Voraussetzungen für einen flächendeckenden und nachhaltigen Kontrolldruck geschaffen und gleichzeitig die Verkehrsunfallaufnahme effizienter gestaltet“, so Innenminister Thomas Strobl. Nachdem sich der Einsatz des 2018 eingeführten Enforcement Trailers zur Überwachung von Tempolimits bewährt hat, werden momentan zehn weitere Geschwindigkeitsmessanhänger beschafft. Die Polizei investiert auch weiterhin in hochmoderne Technik, die zur Steigerung der Verkehrssicherheit und zur Rettung von Menschenleben beitragen soll.

Verkehrsprävention

Einen wesentlichen Teil der Verkehrssicherheitsarbeit stellt die Verkehrsprävention dar. Landesweit sind hierfür etwa 250 spezialisierte Beamtinnen und Beamte tätig. Wie die Jahre zuvor, wurde auch 2019 die Verkehrsprävention in enger Zusammenarbeit mit den Partnern der Verkehrssicherheitsaktion GIB ACHT IM VERKEHR zielgruppenorientiert ausgerichtet. Es wurden zahlreiche landesweite Präventionsprojekte erfolgreich umgesetzt. Bei mehr als 14.000 Veranstaltungen konnten fast 300.000 Menschen erreicht werden. Zusätzlich wurden über die Social Media Kampagne SEI NICHT DUMM! mit ansprechenden Kurzvideos in kürzester Zeit hunderttausende Menschen für die Hauptunfallursachen und Risikofaktoren (überhöhte beziehungsweise nicht angepasste Geschwindigkeit, Ablenkung, Verkehrstüchtigkeit und Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes) sensibilisiert. Ein weiterer Erfolg war die Umsetzung der Verkehrspräventionskampagne TRUCKER DRIVE SAFE, mit der gezielt Lkw-Fahrende angesprochen werden, um der hohen Anzahl von Lkw-Unfällen zu begegnen.

„Die Verkehrsprävention liegt mir persönlich besonders am Herzen,“ betonte Innenminister Thomas Strobl, der zugleich Schirmherr der Verkehrssicherheitsaktion GIB ACHT IM VERKEHR ist: „Wenn wir es schaffen, die Menschen für die Gefahren im Straßenverkehr nachhaltig zu sensibilisieren und dadurch mehr Achtsamkeit und gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr bewirken, dann kommen wir einem Straßenverkehr ohne Tote und ohne Schwerverletzte einen entscheidenden Schritt näher.“