Radikalisierungsprävention im Strafvollzug: Bremen engagiert sich international

20. Dezember 2019 | Themenbereich: Bremen, Strafvollzug | Drucken

Schon vor gut einem Jahr hat die Bremer JVA ein eigenes Konzept zum Umgang mit extremistischen Gefangenen entwickelt – und damit eine Vorreiterrolle eingenommen. Flankiert wurde das Konzept von Anfang an durch vielfältige, teils internationale Fortbildungsmaßnahmen und Projekte. Mittlerweile wird die Expertise Bremens in diesem Bereich bundesweit genutzt: Seit kurzem koordiniert und moderiert Bremen zentral die deutschlandweiten Fortbildungen im Rahmen des Programms HELP (Human Rights Education for Legal Professionals) und stellt in diesem internationalen, vom Europarat aufgelegten Programm nun die ersten beiden deutschen Tutoren. Letztere sind in diesem Rahmen jetzt direkte Ansprechpartner, Koordinatoren und Moderatoren für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aller deutschen Justizvollzugsanstalten, die sich im Rahmen des Help-Programms weiterbilden.
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Staatsrat Björn Tschöpe bei der Übergabe der Help-Zertifikate

Genau das haben jüngst auch 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bremer Justiz – 25 Mitarbeiter und Mitarbeiterin der JVA sowie fünf aus den Sozialen Diensten der Justiz – getan: Sie alle haben gemeinsam mit 30 griechischen Kollegen sowie mit 30 Vertretern der Konföderation der Europäischen Bewährungshilfe erfolgreich ein sogenanntes „Help-Training“ zum Thema „Radikalisierungs-Prävention im Strafvollzug“ absolviert. Grundlage dafür war neben einem mehrtägigen Workshop ein Online-Kursus, der von den Teilnehmern überwiegend in der Freizeit absolviert wurde.

Kurz vor Weihnachten nutzte Justiz-Staatsrat Björn Tschöpe nun die Gelegenheit, den Bremer Teilnehmerinnen und Teilnehmern die entsprechenden Zertifikate zu überreichen: „Extremistische Taten machen leider immer wieder Schlagzeilen – allerdings oft nur wenige Tage. Spätestens, wenn ein Urteil gefallen ist und die Täter in Haft sitzen, ebbt das öffentliche Interesse deutlich ab. Dann sind es die Beschäftigten im Justizvollzug, denen wir letztlich die Aufgabe aufbürden, extremistischem Gedankengut entgegenzutreten – und radikalisierte Gefangene zur Abkehr davon zu bewegen. Das ist alles andere als ein leichter Job“, betonte Staatsrat Tschöpe und lobte das Engagement der Beschäftigten: „Dass sich 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch über ihre Arbeitszeit hinaus für dieses Thema und das Help-Programm engagieren ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck davon, dass Ihr Beruf für Sie eben nicht einfach endet, wenn sich nach Feierabend die Türen der JVA hinter Ihnen schließen. Herzlichen Dank dafür!“

Dass Bremen nun deutschlandweit eine Hauptrolle im Rahmen des Help-Programms spiele, spiegele auch wieder, dass die Expertise der Hansestadt bei diesem Thema sowohl national als auch international anerkannt sei: „Es kommt nicht von ungefähr, dass es mit den Kollegen Lars Dietze und Stephan Schnaars zwei Bremer Justizvollzugsbeamte sind, die das Help-Programm nun deutschlandweit koordinieren und moderieren. Vielen Dank, dass Sie diese Aufgabe übernommen und die dazu gehörige Ausbildung auf sich genommen haben. Sie alle machen gemeinsam deutlich, wie konsequent und ernsthaft sich Bremen und insbesondere die Beschäftigten der JVA mit dem Thema ‚Deradikalisierung von Gefangenen‘ befassen“, so Tschöpe abschließend.