GdP fordert strukturelle Erfassung von Suiziden in der Berliner Polizei

11. September 2019 | Themenbereich: Berlin, Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Anlässlich des Welttages der Suizidprävention fordert der Berliner Landesbezirk der Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema innerhalb der Hauptstadtpolizei. Bis heute gibt es keine validen Zahlen über Selbsttötungen durch Polizistinnen und Polizisten, keine Strukturen zur Erfassung, obwohl jedes Jahr mehrere Kolleginnen und Kollegen auf eigenen Wunsch aus dem Leben scheiden.
Psychische Belastung für Polizisten enorm
„Es ist kein Geheimnis, dass Polizistinnen und Polizisten während ihrer Arbeit Erlebnisse durchlaufen, die eine enorme psychische Belastung mit sich bringen. Diese Erfahrungen führen nicht selten zu posttraumatischen Belastungsstörungen sowie Depressionen und mündet bei einigen in der Ultima Ratio. Nach unseren Erfahrungen reden wir über mehr als eine Handvoll Kolleginnen und Kollegen jedes Jahr“, so GdP-Landeschef Norbert Cioma am Dienstagmorgen. Er verwies darauf, dass die Gewerkschaft seit Jahren vergeblich versucht, verwertbare Zahlen über Suizide in der Berliner Polizei zu bekommen. Eine strukturelle Erhebung erfolgt nicht, einheitliche Parameter zur Erfassung fehlen. Natürlich sei nicht jeder Suizid als solcher erkennbar, man sei auch auf die Meldung Angehöriger und der Datenübermittlung anderer Behörden angewiesen. Dennoch aber müsse man endlich ernsthaft über das Thema sprechen, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Suizidrate bei Polizei nach Schätzung doppelt so hoch wie in Bevölkerung

„Selbst wenn wir von einer durchaus nachvollziehbaren und sicher eher zu tief angesiedelten Selbsttötungsrate innerhalb der Berliner Polizei ausgehen, reden wir über fünf Kolleginnen und Kollegen pro Jahr, für die ein Suizid der letzte Ausweg ist. Das sind im Vergleich mindestens doppelt so viele wie in der Gesamtbevölkerung. Das muss Gründe haben. Um diese ordentlich zu problematisieren, notwendige Maßnahmen zu ergreifen und somit Menschenleben zu retten, brauchen wir verlässliche Zahlen“, so Cioma weiter. Zwar sei in den letzten Jahren innerhalb der Behörde auch für die psychologische Betreuung der Mitarbeiter etwas getan worden, man stecke aber noch immer in den Kinderschuhen. Neben familienfreundlicheren Arbeitszeitmodellen plädiert die GdP für mehr Beratung- und Hilfsmöglichkeiten innerhalb der Behörde sowie eine tonusmäßige psychologische Untersuchung der Kolleginnen und Kollegen. Im Jahr 2017 starben in Deutschland 9.241 Personen durch Suizid, allein in Berlin 278. Die Zahl der registrierten Fälle pendelt seit Jahren um 10.000, ist aber im Langzeitvergleich stark rückläufig, 1980 waren es bundesweit noch etwa doppelt so viele. Auf 100.000 Menschen kommen derzeit 11,2 Suizide, in Berlin liegt die Zahl bei 7,9.