13 „Intel Officer“ als Verstärkungen für die niedersächsische Polizei

11. März 2019 | Themenbereich: Aktuell, Niedersachsen | Drucken

Mehr digitale Kompetenz für die Polizei in Niedersachsen: Landespolizeipräsident Axel Brockmann und der kommissarische Leiter des Dezernates Einsatz und Verkehr der Polizeidirektion Osnabrück, Volker Scholz, haben heute (11. März 2019) zehn neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kooperativen Leitstelle der Polizeidirektion Osnabrück begrüßt. Sie werden gemeinsam mit drei weiteren Kolleginnen und Kollegen eine im Bereich der niedersächsischen Polizei völlig neuartige Tätigkeit ausüben: Als sogenannte „Intel Officer“ werden sie in den Leitstellen Hannover, Braunschweig und Osnabrück die polizeilichen Einsatzkräfte im Einsatz über relevante Echtzeitinformationen aus öffentlich zugänglichen Quellen des Internets und sozialer Netzwerke informieren. Die Frauen und Männer verfügen über Studienabschlüsse im Bereich der Kommunikations-, Medienwissenschaften oder ähnlich gelagerter Studiengänge. Kein anderes Bundesland ist bis heute diesen Weg gegangen, Fachleute einzustellen, die im rund-um-die-Uhr-Betrieb einsatzbegleitend eine solche Fläche, wie die der drei genannten Polizeidirektionen, über deren Leitstellen, abdecken.

Der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagt: „Die Kommunikation hat sich in den vergangenen 20 Jahren durch die Digitalisierung so intensiv verändert, wie vielleicht noch nie zuvor. Jeder Mensch kann jederzeit live von überall auf der Welt berichten, das konnten bis vor wenigen Jahren höchstens hochtechnisierte TV-Sender. Tweets, Postings und vieles mehr sind heute ein völlig normaler Weg für viele Bürgerinnen und Bürger, aber auch Vereine, Organisationen oder Unternehmen, um andere zu informieren und auf dem Laufenden zu halten. Natürlich können Inhalte und aktuelle Informationen gerade in sozialen Medien auch sinnvolle Ergänzungen bei laufenden Einsätzen sein. Hier setzen die „Intel Officer“ in den Leitstellen in Hannover, Braunschweig und Osnabrück an. Natürlich vor allem deshalb, weil unsere Einsatzkräfte auf der Straße besonderen Risiken ausgesetzt sind, etwa durch Übergriffe und Gewalt. Niedersachsen­ ist dabei Vorreiter auf diesem Gebiet in Deutschland.“

OSINT – kurz für „Open-Source-Intelligence“ beschreibt die Nachrichtengewinnung durch Informationen aus frei verfügbaren, offenen Quellen im digitalen Raum, um durch Analyse der unterschiedlichen Informationen verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Bei der niederländischen Polizei werden bereits seit einiger Zeit sogenannte OSINT-Operator im Wechseldienst beschäftigt, die in Real Time Intelligence Centern (RTIC), angebunden an die Einsatzleitstellen, öffentliche Quellen (zum Beispiel Social Media) in Echtzeit einsatzunterstützend analysieren, auswerten und bewerten. Ziel ist es, Erkenntnisse im Zeitraum zwischen dem Notruf und dem Eintreffen des Streifenwagens am Einsatzort an die eingesetzten Beamtinnen und Beamten zu übermitteln. Auf diesem Weg werden potentielle Gefahren frühzeitig erkannt und minimiert. Die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten vor Ort wird dadurch noch professioneller.

Landespolizeipräsident Axel Brockmann sagt: „Mit dem Einsatz von „Intel Officern“ besteht die Möglichkeit zur Verbesserung der Einsatzbewältigung und damit der echten Hilfestellung und Unterstützung der unmittelbar am Einsatzgeschehen beteiligten Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Im Zeitalter der Digitalisierung stellt diese Form der Aufgabenwahrnehmung in den Leitstellen einen weiteren Schritt in einer sich verändernden Arbeitswelt dar.“

In der Kooperativen Regionalleitstelle Osnabrück übernehmen bereits seit Juli 2018 zwei Polizeivollzugbeamte die Funktion von „Intel Officern“. Ihr Einsatz erfolgte im Rahmen des bundesweiten Forschungsprojektes „Sicherheit im Einsatz durch Open-Source-Intelligence (OSINT) in Einsatzleitstellen“ der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol), welches die Erprobung von OSINT für die tägliche polizeiliche Aufgabenbewältigung zum Gegenstand hatte.

In den zurückliegenden Monaten zählten in Osnabrück die Suche nach vermissten Personen, Suizidankündigungen und Fälle von Häuslicher Gewalt zu den häufigsten Einsatzanlässen der OSINT-Recherchen. Dabei konnten in gut 80 Prozent der Fälle einsatzunterstützende Hinweise ermittelt werden. In 72 Prozent der Einsätze bewerteten die Kolleginnen und Kollegen im Einsatz- und Streifendienst die erhaltenen OSINT-Informationen als relevant für die Aufgabenbewältigung.

Polizeirat Scholz bilanzierte: „Wir sind stolz, dass die Polizeidirektion Osnabrück – neben der Polizei aus München und Dortmund – Partner des bundesweiten Forschungsprojektes sein konnte. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Die einsatzbegleitende Recherche im Internet und in den sozialen Netzwerken verbessert tatsächlich den Schutz unserer Einsatzkräfte und der Bevölkerung. Wir werden diesen Weg konsequent weiter verfolgen.“

Es besteht daher die Absicht, diesen Ansatz zukünftig auch auf die Leitstellen in Göttingen, Lüneburg, Oldenburg und somit flächendeckend auszuweiten.