PKS 2018 für Brandenburg – nur auf dem ersten Blick erfreulich!

8. März 2019 | Themenbereich: Brandenburg, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Durch Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Polizeivizepräsident Roger Höppner wurde am heutigen Vormittag in Potsdam die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2018 veröffentlicht. Im Vordergrund steht ein erneuter Rückgang der Fallzahlen als auch ein erneuter minimaler Anstieg der Aufklärungsquote. Durch den Landesvorsitzenden des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Brandenburg, Riccardo Nemitz (45), wird bei der Kriminalitätslage keine nennenswerte Entspannung gesehen. „Die Aussagekraft der PKS wird leider immer noch überbewertet. Ermittlungsintensive Delikte und auch der Anstieg bei der Betäubungskriminalität bereiten uns Kopfzerbrechen! Um hierbei für Entlastung zu sorgen, ist mehr und junges Personal für die Kriminalpolizei notwendig!“

Anhand der PKS für 2018 ist erkennbar, dass die registrieren Straftaten um 2.175 auf 172.828 Fälle rückläufig sind. Die Aufklärungsquote stieg um 0,7 % auf 56,0 % an. Damit blieb die Anzahl der aufgeklärten Fälle auf einem nahezu unveränderten Niveau. Mit Sorge betrachten wir den Anstieg bei den Körperverletzungsdelikten auf 15.797 Fälle. Dies stellt einen Spitzenwert seit dem Jahr 1999 dar. Das trifft auch für die Betäubungsmittelkriminalität zu. Hier ist ein Rekordwert seit 1999 mit nunmehr 8.645 Straftaten festzustellen. Damit einhergehend hat sich auch die Zahl der Drogentoten von 30 auf 37 erhöht – eine besorgniserregende Entwicklung. Unterm Strich bleibt festzustellen, dass in einigen Phänomenbereichen erfreuliche Rückgänge zu verzeichnen sind – in anderen Bereichen hingegen unschöne Anstiege und sinkende Aufklärungsquoten. Nemitz sieht das als Ausdruck der zu dünnen Personaldecke. „Die Kriminalpolizei ist nicht stark genug aufgestellt, so dass alle Phänomenbereiche gleichermaßen berücksichtigt werden können.“

Großer Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen, die ständig unter Volllast fahren und mit ihrer Arbeit diese Ergebnisse erbringen! Es klingt schon paradox, wenn die Zahlen rückläufig sind und dennoch mehr Personal gefordert wird. Doch die Ursachen liegen klar auf der Hand. Die Verfahren werden mit dem gesellschaftlichen, technologischen Wandel zunehmend komplexer und umfangreicher. Daher verbietet sich ein Eins-Zu-Eins-Vergleich der Kriminalität mit der vor Jahren!“ betont Nemitz. Auch die Entwicklung des Rechtes wird komplexer und anspruchsvoller. Richtigerweise hat die Landesregierung kürzlich mit der Einführung des „Kriminalistik-Masters“ einen sehr wichtigen Schritt unternommen.

„Bei Delikten der mittleren bis schweren Kriminalität können wir nach wie vor nicht in dem notwenigen Maß ermitteln, wie es geboten ist.“ beklagt Nemitz. „Dazu fehlt uns das Personal! Die Kriminalpolizei ist deutlich überaltert. Erst seit wenigen Jahren können von den inzwischen 400 Einstellungen pro Jahr nur 15 Absolventen nach der Ausbildung direkt bei der Kriminalpolizei ihren Dienst antreten. Somit bleibt die Kripo nach wie vor von jungem Personal über weite Strecken abgeschnitten. Bei den Direkteinstellungen muss daher erheblich nachgebessert werden.“