„Der männliche, vollzeitbeschäftigte und flexible Polizeibeamte ist nicht das Maß aller Dinge!“

8. März 2019 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März beantwortet die Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Erika Krause-Schöne, drei Fragen zum Thema Gleichstellung in den Reihen der Polizei. Die GdP-Bundesfrauengruppe begeht den Frauentag mit einer feierlichen Veranstaltung in Lübeck, bei der unter anderem der Vortrag zum Thema „Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen im öffentlichen Dienst – nur ein Wunschgedanke?!“ mit Spannung erwartet wird.

Wie gleichberechtigt sind die Frauen in der Polizei?

Erika Krause-Schöne: Im Bereich der Gleichstellung können wir bei der Polizei auf einige Erfolge verweisen, aber der Weg ist das Ziel. Von einer perfekten Gleichstellung sind wir noch weit entfernt. Das zeigen auch immer wieder Studien zur Beurteilungs- und Geschlechtergerechtigkeit, die die Frauengruppe der GdP initiiert. Dass es weiterhin Handlungsbedarf in Sachen Gleichstellung gibt, sieht man außerdem am Frauenanteil in Führungsfunktionen bei der Polizei, aber auch schon beim Frauenanteil insgesamt. Bei der Bundespolizei beträgt er beispielsweise nämlich nur 15,41 Prozent und bei der Polizei in Schleswig-Holstein nur 28,24 Prozent.

Was hat es mit dem Motto des GdP-Frauentags auf sich: „WIR gemeinsam – für den fEINEn Unterschied“?

Krause-Schöne: Um mehr Geschlechtergerechtigkeit bei der Polizei herbeizuführen, braucht es verschiedene Maßnahmen. Aus der Fülle der Maßnahmen ergibt sich dann eine Förderung. Was sich auf jeden Fall in den Köpfen von vielen ändern muss, ist das Denken, dass der männliche, vollzeitbeschäftigte und flexible Polizeibeamte das Maß aller Dinge ist. Frauen, die Familienverpflichtungen haben – sei es die Pflege von Angehörigen oder Kinder – wird das oft als Schwäche ausgelegt. Bei Männern ist das anders. Außerdem stellt sich die Frage: Kann eine operative Vollzugskraft im Wechselschichtdienst in Teilzeit mit Führungsaufgaben, zum Beispiel als Dienstgruppenleiterin, tätig sein? Die Antwort lautet: JA! Führen in Teilzeit ist machbar! Wir brauchen Frauen mit Mut, die sich in berufliche, politische und gesellschaftliche Angelegenheiten einmischen und sich dafür einsetzen, dass unveränderte patriarchale Strukturen aufgebrochen werden. Dazu brauchen wir nicht nur Frauen, sondern auch Männer, die sich genauso aktiv dafür einsetzen.

Außerdem muss ein Umdenken im privaten Bereich stattfinden. Familienarbeit und -zeit darf nicht überwiegend durch Frauen wahrgenommen werden. Sie muss eine gemeinsame WIR-Zeit, also auch Männersache werden, wie kürzlich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ausführte. WIR gemeinsam, Frauen und Männer mit dem fEINEn Unterschied müssen die Potenziale, das „andere“ Denken, den gemeinsamen, aber fEINEn Unterschied nutzen, um Änderungen, sei es dienstlich, gewerkschaftlich oder in der Gesellschaft herbeizuführen, denn Frauen und Männer profitieren davon, beruflich und familiär.

Welchen Rat hast du für Frauen, die eine Führungsposition bei der Polizei anstreben?

Krause-Schöne: Stellt euch den Herausforderungen und habt nicht immer den Anspruch, alles perfekt zu machen! Frauen neigen dazu, in Beruf, Familie und Haushalt Perfektion anzustreben. Auch Väter können mit anpacken.