Starker Rückgang bei Raubtaten auf der Straße und dem Wohnungseinbruch in Bremen

6. März 2019 | Themenbereich: Bremen, Innere Sicherheit | Drucken

Innensenator Ulrich Mäurer, Polizeipräsident Lutz Müller, der Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven, Harry Götze, sowie der Leiter des Landeskriminalamtes, Dr. Daniel Heinke, haben gestern (5. März 2019) die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2018 vorgestellt. „Die Zahl der Straftaten im Land Bremen ist erneut leicht rückläufig, dabei ist die Aufklärungsquote im Land von 48,5 auf 49,2 und in Bremen Stadt von 47,3 auf 49,3 Prozent gestiegen“, stellte Innensenator Mäurer zu Beginn der Pressekonferenz heute Nachmittag fest. Besonders erfreulich sei jedoch der deutliche Rückgang beim Raub sowie beim Wohnungseinbruch.

In Bremerhaven sei eine sehr ähnliche Entwicklung, analog zur Größe der Stadt, bei den meisten Kriminalitätsphänomenen festzustellen. Eine Ausnahme stellte die nicht abreißen wollende Serie der Brandstiftungen in der Seestadt dar. „Es ist bittere Realität, dass wir in Bremerhaven eine dubiose Szene skrupelloser Brandstifter haben, die an Parzellenhäuschen, Papierkörben, Autos und Kinderwagen in Hausfluren offenbar alles ansteckt, was ihnen unter die Finger kommt“, betont der Leiter der Ortspolizeibehörde, Harry Götze. Auch in diesem Jahr werde deshalb die Sonderkommission aufrechterhalten. „Da dürfen und werden wir nicht nachlassen“, so Götze.

Zu den Fallzahlen in der Stadt Bremen

Während bei den vollendeten Tötungsdelikten die Zahl mit 6 Taten ähnlich hoch wie im Vorjahr ausfiel (in 2017 waren es 5 Taten), stieg die Zahl der registrierten versuchten Tötungsdelikte in 2018 um mehr als das Doppelte an (von 24 auf 51 Taten). Den Grund dafür erläuterte Polizeipräsident Lutz Müller: „Allein 17 Taten gehören in die inzwischen aufgeklärte Serie von zwei jungen Steinelegern, die Autobahnen und Bundesstraßen mit ihren Angriffen zum Ziel hatten.“ Zudem wirkt sich die zwischen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei vereinbarte noch genauere Betrachtung besonders gefährlicher Gewalthandlungen, insbesondere bei Fußtritten gegen den Kopf, im Hinblick auf einen möglichen Tötungsvorsatz aus. „Dies hat dazu geführt, dass wir nun in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft einen starken Anstieg bei der Anzahl der registrierten versuchten Tötungsdelikte verzeichnen“, erläutert der Leiter des Landeskriminalamtes, Daniel Heinke.

Bei den Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen bleiben die Fallzahlen ähnlich hoch wie im Jahr zuvor (128 in 2017 zu 127 Fällen in 2018). „Die Missbrauchs-, „Me too-“ und „Nein heißt Nein“ -Debatten der vergangenen zwei Jahre führen zu einer höheren Anzeigenbereitschaft“, so Mäurer. Zudem habe es erhebliche Veränderungen im Sexualstrafrecht zugunsten der Opferseite gegeben. Mehr Anzeigen als in den Jahren 2015 bzw. 2016 seien die Folge.

Zum Raub: Während Straftaten auf Geschäfte zunahmen, sank die Zahl beim Straßenraub. Insgesamt ging damit der Raub in Bremen das vierte Mal in Folge zurück (zuletzt von 868 Fällen in 2017 auf 816 Fälle in 2018).

Die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte bewegt sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Daran ändert auch ein Rückgang von 42 Taten nichts. Die festgestellte Abnahme bewegt sich im Bereich der Schwankungen der vergangenen Jahre.

Als dauerhafte Herausforderungen gelten der Polizei die Straftaten gegen ältere Menschen. Innensenator Mäurer: „Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der vollendeten Betrugsdelikte in diesem Deliktsfeld um 59 Taten auf 341 Taten. Das ist erfreulich. Erfreulich ist auch, dass die Täter in 1.139 Fällen dank umfangreicher Präventionsarbeit an misstrauisch gewordenen älteren Bremerinnen und Bremern scheiterten. Gleichwohl: Auch der bloße Versuch sorgt oft für große Beunruhigung unter den Betroffenen. Wir sind in Bremen bei diesen Delikten ein Hotspot. Deswegen müssen und werden wir weiter einen polizeilichen Schwerpunkt darauf legen.“

Eine positive Entwicklung „ohne Wenn und Aber“ sah Mäurer bei den Wohnungseinbrüchen. Zum vierten Mal in Folge sank die Zahl der vollendeten Einbrüche in Bremen. Im Vergleich zu 2014 (3.057 Fälle) wurden 1.439 Delikte im vergangenen Jahr weniger angezeigt (1.618). Im Jahr 2017 waren es noch 2.249 Fälle gewesen. In 2018 sind es noch einmal 631 Fälle weniger gewesen. Zugleich stieg der Anteil der gescheiterten Wohnungseinbrüche im Vergleich zu den vollendeten von 40,5% im Jahr 2014 auf 44,5% im Jahr 2018.

Als erfreulich bezeichneten Müller und Mäurer den stetigen Rückgang von tatverdächtigen Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden unter 21. Wurden im Jahr 2009 noch 5.485 Personen dieser Altersklassen angezeigt, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 3.848, wobei ausländerrechtliche Delikte nicht berücksichtigt sind.

Bremen als Fahrradstadt leidet weiterhin unter organisierten Diebesbanden. Die Polizei nahm im vergangenen Jahr 1.179 mehr Fälle auf (6.080) als in 2017 (4.901). Als ein Grund nannte Polizeipräsident Müller die lang anhaltende Gutwetterperiode in 2018. Sie habe dazu geführt, dass die Bremerinnen und Bremer länger und häufiger als im Vorjahr mit dem Rad unterwegs gewesen seien. Ein weiterer Grund könnte die Möglichkeit der Anzeigenaufnahme per Onlinewache sein.

Rückgänge sind statistisch bei den Körperverletzungs- und Diebstahlsdelikten festzustellen. „Die Zahlen müssen jedoch, ebenso wie bei anderen einfach gelagerten Deliktsfeldern (z.B. Beleidigungen und Sachbeschädigungen) mit einem kritischen Blick betrachtet werden“, betonte Mäurer ausdrücklich. Fakt sei, dass die Bearbeitungsrückstände gegenüber dem Vorjahr um ca. 4.600 Fälle angestiegen seien. Bearbeitet würden die Fälle selbstverständlich dennoch, nur deutlich später als gewünscht. An dieser Entwicklung werde aber deutlich, wie sich Fehlstellen bei der Kriminalpolizei, eine überaus dünne Personaldecke über die ganze Polizei hinweg sowie große Sonderkommissionen, wie insbesondere im Zusammenhang mit dem BAMF-Verfahren, auswirkten. Mäurer: „Umso erfreulicher ist, dass unserer Argumentation inzwischen alle Parteien in der Bürgerschaft gefolgt sind und diese nun, wie wir auch, eine deutliche Erhöhung der Zielzahl für die beiden Polizeibehörden in Bremen und Bremerhaven fordern.“

Für die Zukunft kündigte Innensenator Mäurer eine noch differenzierte und detailliertere Betrachtung der Kriminalitätslage an, in die auch Erkenntnisse aus der Dunkelfeldforschung miteinfließen sollen. Hierzu ist im Landeskriminalamt im vergangenen Jahr eine Zentralstelle für strategische Kriminalitätsanalyse eingerichtet worden, die zusammen mit wissenschaftlicher Expertise auch die Grundlagen für den zukünftig beabsichtigten Periodischen Sicherheitsbericht für das Land Bremen erarbeiten soll.