Appelle an die Vernunft reichen nicht!

28. Februar 2019 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Im vergangenen Jahr sind in NRW 79 475 Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt worden, fast 14 000 sogar schwer. Das ist der höchste Stand innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Auch die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Menschen ist gestiegen, auf 490 Tote. Das zeigt die heute von Innenminister Herbert Reul (CDU) vorgestellte Verkehrsunfallstatistik 2018.
Dass die Zahl der Verkehrsopfer trotz immer mehr Technik in den Autos gestiegen ist, führt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor allem darauf zurück, dass in NRW ein überzeugendes Verkehrssicherheitskonzept fehlt. „Innenminister Reul benennt in der Verkehrsunfallstatistik eine ganze Reihe von Gefahrenquellen im Straßenverkehr, vom Alkohol am Steuer bis zur steigenden Zahl der Fahrrad- und Pedelecfahrer, aber eine konkrete Handlungsstrategie, wie die seit Jahren steigende Zahl der Verkehrsopfer reduziert werden soll, bleibt er schuldig“, kritisiert der nordrhein-westfälische GdP-Vorsitzende Michael Mertens. „Appelle an die Vernunft alleine reichen nicht!“

Um Verkehrsunfälle nachhaltig zu verringern, hält die GdP drei Maßnahmen für vordringlich:

Erstens müssen Verkehrsunfallschwerpunkte durch bauliche Maßnahmen deutlich entschärft werden. Das gilt insbesondere für das Einmünden von Rad- und Fußwegen auf Straßen und Kreuzungen. Bei diesem Problem darf das Land die Kommunen nicht alleine lassen.
Zweitens muss die Zahl der Anhaltekontrollen wieder erhöht werden. Damit das Risiko, bei Verkehrsverstößen erwischt zu werden, nicht gegen Null sinkt.
Drittens müssen die sehr niedrigen Bußgelder in Deutschland an das Niveau der europäischen Nachbarländer angepasst werden. Auch das wirkt abschreckend. Wer mehr zahlen muss, fährt deutlich langsamer! Dafür muss das Land eine Bundesratsinitiative starten.

Zudem fordert die GdP von Innenminister Reul, dass er der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei wieder mehr Bedeutung beimisst. „Wir reden immer über die Terrorbedrohung. Die 490 Toten, die alleine im vergangenen Jahr in NRW bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind, verlieren wir dabei aus den Augen!“ kritisiert Mertens. „Die Konzepte, wie die Zahl der Verkehrsunfälle deutlich reduziert werden kann, liegen im Innenministerium längst auf dem Tisch. Sie müssen endlich umgesetzt werden.“