GdP fordert mehr Schutz für Radfahrer vor Lkw

26. Februar 2019 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Immer wieder werden Radfahrer von abbiegenden Lkw überrollt und tödlich verletzt. Eingebaute Abbiegeassistente könnten das verhindern. Die Forderung der GdP nach einer gesetzlichen Einführung von Fahrassistenzsystemen fand beim Verkehrsforum „Neue Regeln für den Radverkehr“ von Verkehrsexperten und Polizistinnen und Polizisten große Zustimmung.
Mehr als 13 000 Radfahrer verunglückten in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres im Straßenverkehr in NRW, 50 von ihnen tödlich. In den vergangenen Jahren konnten als Hauptunfallquelle mit 26 Prozent Zusammenstöße mit anderen Verkehrsteilnehmern während des Abbiegens ausgemacht werden. Zu hohe Geschwindigkeit war nur in vier Prozent aller Verkehrsunfälle mit Radfahrern die Ursache. Diese Zahlen legte der Referatsleiter für Verkehr im Düsseldorfer Innenministerium, Rüdiger Wollgramm, den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Verkehrsforums vergangenen Donnerstag vor. Insbesondere die Zahl der verunglückten Pedelecfahrer in NRW stieg in den vergangenen Jahren von 506 in 2013 auf 1 391 in 2017. Für 2018 erwartet Wollgramm einen weiteren Anstieg.

Bislang besteht für Radfahrer keine allgemeine Helmpflicht. Der GdP-Bundeskongress stimmte im letzten November einem Antrag zu, der die Einführung einer Helmpflicht fordert. Im Gegensatz dazu fordert der Deutsche Verkehrsgerichtstag bis heute keine Helmpflicht. Michael Herkenhoff, Fachanwalt für Medizinrecht, erklärte jedoch, dass nach der aktuellen gesetzlichen Formulierung der Straßenverkehrs-Ordnung kein Zweifel daran bestehen könne, dass auch E-Bikes, anders als Pedelecs, der Helmpflicht unterliegen, wenn sie bauartbedingt Höchstgeschwindigkeiten über 20 km/h zulassen. E-Bikes können rein elektrisch, ohne Muskelkraft bewegt werden, während Pedelecs nur dann eine Motorunterstützung anbieten, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Mangels Dringlichkeit und Popularität werde der Gesetzgeber in absehbarer Zeit jedoch keine Helmpflicht für Radfahrer einführen, so die Einschätzung Herkenhoffs.

Dass zunehmender Rad- und E-Bike-Verkehr die Polizei vor besondere Herausforderungen stellt, erklärte Thomas Kerb, Mitglied der Fahrradstaffel im Polizeipräsidium Essen. So gibt es bisher wenig Erfahrung im Bereich des Fahrradtunings, insbesondere bei Pedelecs. Aber auch die Infrastruktur für Radfahrer bringt diverse Probleme mit sich. Zwar werden immer mehr Radschnellwege ausgebaut, aber manche Radwege enden auch einfach mal im Nichts oder sind durch Litfaßsäulen versperrt. „Bei der Planung und dem Bau müssen daher strengere Maßstäbe angelegt werden“, forderte GdP-Verkehrsexperte und stv. Vorsitzender Heiko Müller. „Niemand würde auf die Idee kommen, eine Straße einfach so aufhören zu lassen. Warum aber machen wir das bei Radwegen?“

Bei der Verkehrssicherheit dürften keine Kompromisse gemacht werden, so Müller, der in seinem Abschlussstatement die Kernforderungen der GdP für mehr Schutz für Radfahrer zusammenfasste:

· Bei der Planung und dem Bau von Radwegen dürfen keine anderen Maßstäbe als für Straßen gelten.
· Ein Helm schützt nicht vor einem Unfall, mildert aber die Folgen und schützt vor schwersten Kopfverletzungen. Maßnahmen zur Erhöhung der Helmtragequote wirken bisher nur wenig. Deshalb muss die Helmpflicht für Radfahrer kommen. Und wenn nicht in einem Schritt, dann wenigstens für alle elektrounterstützten Fahrräder.
· Ein Abbiegeassistent gehört in jeden Lkw, der sich im Stadtbereich bewegt.