Statistik zu Messerangriffen ist noch Zukunftsmusik

5. Februar 2019 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Obwohl in Deutschland fast kein Tag ohne einen Messerangriff vergeht, werden Straftaten dieser Art nicht gesondert in der Kriminalstatistik des Bundes erfasst. Verlässliche Zahlen lassen auch weiter auf sich warten. GdP-Chef Oliver Malchow hatte bereits im vergangenen Jahr eine Diskussion zum Thema Messerattacken angestoßen. Ein Jahr später zieht er auf Anfrage der dpa Bilanz.

„Unser Anliegen war es, eine öffentliche Debatte über mutmaßlich zunehmende Messerattacken zu entfachen und eine politische Reaktion zu provozieren. Das ist uns gelungen“, sagte der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow in dem am Montag veröffentlichten Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Innenminister hätten das Thema auf ihre Konferenztagungsordnung genommen und die Dinge seien ins Laufen gekommen. Allerdings gäbe es noch keine Erkenntnisse zur Zahl und zur Entwicklung von Messerangriffen in Deutschland. Laut Bundeskriminalamt (BKA), so dpa, beschäftigen sich aktuell die Gremien der Innenministerkonferenz (IMK) mit den Leitlinien für die statistische Erfassung von Messerangriffen. Dafür müssten diese Tatbestände allerdings bundesweit einheitlich erfasst werden. Bis Messerangriffe also tatsächlich in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik aufgeführt werden, ist es offenbar noch ein langer Weg: „Wir haben gehört, dass es noch bis 2022 dauern soll, aber das halten wir für zu spät“, so der GdP-Chef.

Steigende Tendenz in NRW verzeichnet

Laut Malchow hatten sich zuletzt GdP-Kolleginnen und Kollegen aus Nordrhein-Westfalen zum Thema Messerangriffe geäußert. „Festgestellt wurden dort immer häufigere Messerattacken auf Polizisten. Mein Stellvertreter Michael Mertens geht davon aus, dass bei Konflikten immer häufiger das Messer gezückt wird“, so der GdP-Vorsitzende. Entweder werde mit dem Messer bedroht, oder es direkt eingesetzt.

Was bringen Waffenverbotszonen?

Thema bei der IMK ist laut dpa auch ein „besserer Schutz vor Messerangriffen im öffentlichen Raum durch bundesweite Waffenverbotszonen“ gewesen. Malchow zufolge sei der Haken an solchen Maßnahmen aber neben der juristisch nicht anfechtbaren Ausgestaltung die mögliche Intensität der Kontrollen: „Das Personal reicht noch immer nicht aus, um beispielsweise die Bekämpfung der Rocker- und Clankriminalität oder Terrorprävention mit solchen Maßnahmen unter einen Hut bringen zu können und damit unsere Kolleginnen und Kollegen nicht zu überlasten“.

Die präventive Wirksamkeit von Messerkontrollen könne man darüber hinaus noch nicht beurteilen. Dennoch befürwortet die GdP solche Aktionen der Bundespolizei, die zuletzt mehrfach Waffenverbotszonen an Bahnhöfen kontrolliert hatte. Neben den Möglichkeiten der polizeilichen Präventionsmaßnahmen glaubt Oliver Malchow, dass die beste Prävention schon im Elternhaus beginnt.