Verzicht auf Pyros in den Kurven wäre am sichersten

30. November 2018 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) unterstützt den Vorstoß von Hessens Innenminister Peter Beuth, künftig das Abbrennen sogenannter Bengalos in Fußballstadien als Straftat zu bewerten. „Der Einsatz explosionsgefährlicher Stoffe ist und bleibt sehr riskant. Wer zu vermeintlichen Stimmungszwecken zündelt, nimmt mögliche schwere Verletzungen unbeteiligter Stadionbesucher billigend in Kauf genommen werden und sollte schärfere Konsequenzen spüren“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, am Freitag in Kiel.

Ich finde, 200 Grad sind immer noch heiß und gefährlich

Eine rechtliche Neubewertung des Abbrennens von Pyrotechnik heiße jedoch auch, dass die Polizei gezwungen sei, mutmaßliche Straftäter beweissicher zu ermitteln. Dass führe zwangsläufig dazu, dass Einsatzkräfte häufiger in die Blöcke müssten, um Täter festzunehmen. „Die Belastung meiner Kolleginnen und Kollegen im Rahmen der Fußballeinsätze ist seit Langem schon sehr hoch. Mehr muss nicht.“ Nach Zahlen der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) waren in der vergangenen Saison 2017/18 statistisch gesehen über 1.600 Polizeibeamtinnen und -beamte ausschließlich mit Fußballeinsätzen an den Standorten der drei Profligen beschäftigt.

Eine Absage erteilte der GdP-Chef einem offenbar geplanten Pilotprojekt des Erstliga-Clubs Werder Bremen, der Fangruppen erlauben will, mit „kalten“ Bengalos ihr Team anzufeuern. Nach Expertenmeinung entwickelt diese Pyrotechnik lediglich 200 Grad Hitze.

„Als Kind wurde mir gesagt, fass‘ nicht auf die Herdplatte oder in kochendes Wasser. Ich finde, 200 Grad sind immer noch heiß und gefährlich“, stellte Malchow fest. Außerdem sei es nicht auszuschließen, dass Sportgewalttäter weiterhin deutliche heißere Pyros ins Stadion schmuggelten. Malchow: „Die Clubs werden also weiterhin für wirksame Einlasskontrollen sorgen müssen. Vor allem müssen die Vereine verhindern, dass Ultra-Gruppierungen weiterhin versuchen werden, in den Stadien rechtsfreie Räume zu schaffen.“

Am sichersten sei es jedoch, auf den unkontrollierten Einsatz von Pyrotechnik gänzlich zu verzichten. Dazu müssten Ultragruppierungen auf die Vereine – und auch die Polizei – zugehen. Die Polizei jedenfalls, so der GdP-Chef, der selbst dem VfB Lübeck die Daumen drückt, bleibe gesprächsbereit.