Mehrgleisiges Denken im Kampf gegen kriminelle Großfamilien notwendig

22. November 2018 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Zu den kriminellen Machenschaften sogenannter Großfamilien äußerte sich der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, am Donnerstag in einem Studiogespräch mit dem Kölner Nachrichtensender n-tv. In der Domstadt wurde das Urteil der wegen Betrugs angeklagten Angehörigen eines „Clans“ erwartet. Als durchaus effektiv bezeichnete Plickert die 2007 eingeführte Regelung, dass Täter nun die Herkunft verdächtigen Vermögens nachweisen müssen. Zuvor lag dies noch auf der Seite der Staatsanwaltschaften und hatte sich gerade bei sich stark abschottenden Clans als sehr schwierig erwiesen. Natürlich habe sich jeweils die Frage aufgedrängt, wie jemand, der mutmaßlich sein Leben mit sozialer Unterstützung bestreitet beispielsweise zu teuren Autos kommt.
Organisierte Kriminalität sei noch immer sehr lukrativ für die Täter. Da gehe es bei Menschenhandel, Prostitution, Geldwäsche oder Drogengeschäften um Millionen von Euro. Plickert: „Es ist gut, dass die Sicherheitsbehörden jetzt konsequent durchgreifen.“ Einen italienischen Ansatz, Kinder aus ihrem kriminellen Umfeld möglichst früh herauszulösen, steht der GdP-Vize nicht gänzlich negativ gegenüber. Man müsse mehrgleisig denken, betonte er. Es gehe ja nicht nur um die Bekämpfung der heutigen Kriminalität, sondern auch die künftiger Generationen. Dabei sei vor allem Bildung ein wichtiger Faktor. Die Kinder benötigten berufliche Perspektiven außerhalb der kriminellen Strukturen ihrer Familien.

Clankriminalität lasse sich dann wirksam bekämpfen, wenn ein Netzwerk der Sicherheitsbehörden den Druck auf die organisierten Großfamilien hochhalte. Könnten Straftaten nachgewiesen werden, sollten auch schnellstmöglich Urteile folgen. Auch eine starke polizeiliche Präsenz sorgt nach den Worten des GdP-Vize dazu, „um klar und deutlich zu machen, dass wir das Sagen haben” und Parallelgesellschaften nicht geduldet würden. Wichtig sei zudem, dass eine „konzentrierte staatsanwaltliche Ermittlungsarbeit” etabliert werde. Mit eng an die Behörden angebundenen, szenekundigen Staatsanwälten vor Ort könne man auch gemeinsame Aktionen wie Razzien durchführen.