„Bengalos künftig als Sprengstoff ächten.“

8. November 2018 | Themenbereich: Innere Sicherheit | Drucken

Anlässlich der 42. Sportministerkonferenz im saarländischen St. Wendel hat der Hessische Innen- und Sportminister eine Strafverschärfung beim Einsatz von Pyrotechnik gefordert. Zuletzt waren Ende Oktober bei der Bundesligapartie zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC mehrere Stadionbesucher sowie Einsatzkräfte durch das Abbrennen sogenannter „Bengalos“ im Stadion verletzt worden. „1.000 Grad heiße Pyros haben nichts mit Fankultur zu tun. In den Händen von gewalttätigen Chaoten verletzen sie nicht nur die Atemwege unschuldiger Stadionbesucher, sondern werden auch zu lebensgefährlichen Wurfgeschossen. Wenn die Vereine bis heute nicht in der Lage sind, ihre Stadien frei von Pyrotechnik zu halten, muss eben der Staat Konsequenzen ziehen und Bengalos künftig nach dem Sprengstoffgesetz behandeln und sie so weiter ächten. Deshalb muss gelten: Wer im Stadion zündelt, geht in den Knast“, erklärte Peter Beuth. Nach der hessischen Initiative, die auch auf der Innenministerkonferenz Ende November 2018 in Magdeburg auf der Tagesordnung stehen wird, soll der Einsatz explosionsgefährlicher Stoffe in oder gegen Menschenmengen mit mindestens einem Jahr geahndet werden. Hierfür muss das Sprengstoffgesetz entsprechend geändert werden. Bisher wird das unerlaubte (soweit folgenlose) Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen als Ordnungswidrigkeit mit einem – von Land zu Land unterschiedlichem – Bußgeld behandelt.

Erweiterung der Verwaltungskostenordnung wird geprüft

Zudem prüft Hessen eine Erweiterung der Verwaltungskostenordnung, um Problemfans bestimmte polizeiliche Maßnahmen künftig in Rechnung stellen zu können. Gewaltgeneigte Fangruppierungen meiden oftmals aufgrund des großen Kontrolldrucks der Polizei den öffentlichen Personenverkehr und fahren stattdessen mit eigens gemieteten Bussen zu den Sportveranstaltungen. „Ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass die Polizei diese Problembusse mit großem Aufwand begleitet, damit es auf unseren Autobahnen nicht zu chaotischen Jagdszenen oder auf Rastanlagen zu Massenschlägereien kommt und am Ende der Steuerzahler dafür bezahlt. Als ein weiteres taktisches Mittel, um Gewalt insbesondere rund um den Fußball einzudämmen, sollen diese Einsatzkosten künftig den Problemfans in Rechnung gestellt werden“, sagte Peter Beuth. Im Nachgang von Straftaten und Auseinandersetzungen oder bei Hinweisen auf mögliche Straftaten oder geplante Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans (sog. Drittortauseinandersetzungen), die sich oftmals weit abgesetzt vom Stadion auf den Reisewegen zutragen, wird immer wieder polizeiliche Begleitung erforderlich. Durch die polizeiliche Begleitung wird das unkontrollierte Abfahren auf autobahnnahe Parkplätze oder Tank- und Rastanlagen verhindert. Diese Örtlichkeiten werden oft für abgesprochene Drittortauseinandersetzungen genutzt bzw. es kommt dort zu strafrechtlich relevantem Verhalten, wie zum Beispiel Diebstahls- oder Raubdelikte in den Tankstellen.

Der Hessische Innen- und Sportminister hatte sich bereits im vergangenen Jahr auf der Sportministerkonferenz für eine Ächtung von Gewalt und Pyrotechnik in Sportstätten eingesetzt. Auf hessische Initiative hatten die Sportminister so einstimmig die Vereine zur konsequenten Umsetzung von Stadionverboten für gewaltsuchende Hooligans aufgefordert.