GdP fordert nach dem Erdogan-Besuch Rückkehr zu verlässlichen Dienstzeiten

4. Oktober 2018 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Wegen des Dauereinsatzes im Hambacher Forst, der hohen Sicherheitsstandards beim Staatsbesuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan am vergangenen Wochenende in Köln und der hohen Belastung durch die Bundesliga-Einsätze hat die Polizei in NRW ihre Belastungsgrenze erreicht. Viele der in Köln eingesetzten Beamten wurden vom Hambacher Forst direkt zum Erdogan-Besuch nach Köln geschickt, und von dort aus zum Fußball oder wieder zurück in den Hambacher Forst. Auch aus den Wachen und Kriminalkommissariaten in ganz NRW wurden in den vergangenen Wochen immer mehr Beamte abgezogen, um die Einsatzlage überhaupt noch bewältigen zu können. Sie fehlen dadurch für die Arbeit vor Ort.

Wie groß die Unzufriedenheit bei der Polizei inzwischen ist, war beim Erdogan-Besuch in Köln deutlich zu spüren. „Dass es bei der Einweihung der Ditib-Moschee durch den türkischen Staatspräsidenten von kleineren Rangeleien abgesehen ruhig geblieben, ist vor allem dem Engagement der vor Ort eingesetzten Kolleginnen und Kollegen zu verdanken“, betont GdP-Vorstandsmitglied Andreas Pein, der den Einsatz während des Erdogan-Besuchs selber den ganzen Tag über aus nächster Nähe begleitet hatte. „Immer wieder haben mir die Kollegen geschildert, wie belastend die überlangen Schichten von 12 Stunden und mehr am Tag sind.“, berichtet Pein. „Noch belastender ist die ständige Änderung der Dienstpläne – zum Teil vier- oder fünfmal am Tag. Mit gravierenden Auswirkungen bis hinein in das Privatleben, wenn es zum Beispiel um die fehlende Versorgung der eigenen Kinder geht.“

„Das muss sich dringend ändern!“ forderte Pein in einem seiner Statements, die die Pressestelle der GdP während laufenden Erdogan-Einsatzes in Köln auf ihrem Facebook-Kanal veröffentlich hat. Pein kündigt dort zudem an, dass die GdP mehr Druck bei der Forderung nach einer eigenen Bepo-Zulage machen wird. Ein Ankündigung, die bei dem Mitgliedern der Hundertschaften sofort die Runde machte.

Begleitet wurde Andreas Pein bei seinen Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen während des Erdogan-Besuchs von einem Kamerateam des WDR, das unter dem Titel „Polizei zwischen den Fronten“ über die politische Instrumentalisierung der Polizei berichtet hat.

Mehr Eindrücke zum Polizeieinsatz während des Erdogan-Besuchs in Köln finden sich zudem auf dem Facebook-Kanal des Landebezirks. Dort sind auch zwei Filmsequenzen von einem gewaltsamen Übergriff von Erdogan-Anhängern auf eine Erdogan-Kritikerin eingestellt und von einer Propaganda-Aktion vor einer katholischen Kirche in unmittelbarer Nähe der neuen Ditib-Moschee.