Zeit für vierstellige Sonderzahlung und weniger Missbrauch der 112

19. September 2018 | Themenbereich: Berlin, Feuerwehr - Katastrophenschutz | Drucken

Die Einsatzzahlen der Berliner Feuerwehr haben einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt wurden die Kolleginnen und Kollegen im vergangenen Jahr zu 458.138 Einsätzen (+3.995) gerufen, in 371.915 Fällen handelte es sich um Rettungsdiensteinsätze (-3.027), in 6.909 um Brände (-321). Für den Gesamtanstieg sind die Zahlen der Technischen Hilfsleistungen (+3.386) und der Fehleinsätze (+3.957) verantwortlich. Für die Gewerkschaft der Polizei sind diese Werte keine Überraschung. Generell seien nach intensiven Gesprächen durch den Innensenator viele positive Veränderungen auf den Weg gebracht, spürbar werden diese aber aller Voraussicht nach erst in ein paar Jahren.

GdP fordert vierstellige Sonderzahlung für herausragende Leistung der Kollegen
„Die Hauptstadt wächst seit Jahren und mit mehr Menschen steigt auch die Zahl derjenigen, die unsere Hilfe benötigen. Das war abzusehen, hat die verantwortlichen Politiker aber trotz mahnenden Worten jahrelang nicht interessiert. Das haben wir aktuell auszubaden und es wird auch noch die nächsten Jahre dafür sorgen, dass wir über der eigentlichen Kapazitätsgrenze arbeiten werden müssen. Dennoch ist es falsch, gegen den aktuellen Innensenator zu poltern. Denn ganz sachlich gesehen, hat uns Herr Geisel nicht nur zum Gespräch eingeladen, er hat auch zugehört und danach Sachen auf den Weg gebracht, die zu spürbaren Verbesserungen führen werden. Bis das bei den Kollegen ankommt, sollte man sie für ihre herausragende Leistung unter prekären Bedingungen entsprechend finanziell entschädigen. Wenn der Senat das bei der überfälligen Besoldungsanpassung nicht in absehbarer Zeit hinbekommt, dann muss er über eine vierstellige Sonderzahlung nachdenken“, so Hauptbrandmeister Oliver Mertens, stellvertretender Landesvorsitzender der GdP Berlin.

nde April hatte sich Geisel nach Druck durch die Kollegeninitiative #Berlinbrennt mit Vertretern von ver.di, DFeuG und GdP zusammengesetzt und sich auf insgesamt sechs Punkte verständigt, die allesamt als erste Schritte in die richtige Richtung gesehen werden sollten und bis hierhin größtenteils umgesetzt wurden – Die Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 44 Stunden, die Erhöhung der Feuerwehrzulage, die Auszahlung der bis Ende April 2018 geleisteten Überstunden, höhere Eingruppierung Notfallsanitäter und Fachlehrer, Kampagne zur Reduzierung der Einsatzzahlen sowie weitere Gespräche.

Saure Milch oder Spielkonsolen-Endgegner – GdP richtet Appell an die Bürger

Neben den benannten Punkten wurden im Doppelhaushalt 2018/19 Investitionen in den Fuhrpark, 376 Beförderungen sowie 354 zusätzliche Stellen beschlossen. „Natürlich haben nicht nur die Kollegen, sondern auch wir, die dort als ihre Vertreter saßen, uns mehr erwartet. Die sechs Euro starke Erhöhung der Zulage, die weiterhin nicht ruhegehaltsfähig ist, ist kaum eine Erwähnung wert. Wir müssen aber festhalten, dass diese Sachen der größte Erfolg in den letzten 15 Jahren sind. Dass insbesondere die Umstellung auf die 44-Stunden-Woche in der Praxis seine Zeit brauchen wird, sollte jedem klar sein. Wir müssen ehrlich sein, die Fehlentscheidungen der letzten Jahrzehnte lassen sich nicht in einer Legislaturperiode wieder beheben. Der Innensenator hat stets ehrlich gesagt, was möglich ist und was nicht. Ihm scheint bewusst, dass da in den nächsten Jahren weitere Verbesserungen kommen müssen“, so Mertens, der in diesem Zusammenhang auf die nächste Gesprächsrunde am kommenden Montag verwies, in der es um die Ausbildung und Fortbildung gehen soll. Dies sei wichtig, da es nicht damit getan ist, neue Stellen zu schaffen. Man muss die Kapazitäten aufbauen, um diese mit ausgebildetem Personal besetzen zu können.

es Weiteren benannte der Vizechef der GdP Berlin weitere Bereiche, in denen schnellstmöglich nachzubessern ist – BFRA, die Realisierung von Fortbildungsmöglichkeiten, Überarbeitung von SNAP sowie weitere Investitionen in Personal, Ausstattung und Ausrüstung. Seine abschließenden Worte richtete Mertens an die Berlinerinnen und Berliner. „Es ist schön zu sehen, dass die meisten Menschen hinter uns stehen, mit unseren Forderungen sympathisieren. Ich würde mich freuen, wenn das auch im alltäglichen Leben jeder im Hinterkopf hat. Wir reden nicht darüber, dass wir zu jemandem ausrücken, der wirklich in Not ist und unsere Hilfe benötigt. Wir sind es aber leid, wegen saurer Milch im Kühlschrank oder einem partout nicht zu besiegenden Endgegner auf der Spielkonsole herauszufahren.“ Insgesamt wurden im Bemessungszeitraum 2017 ganze 56.888 so genannte Erkundungen und Fehleinsätze registriert.