Europäisches Drogenfahnder-Netzwerk tagt in Fürth

19. September 2018 | Themenbereich: Bayern, Innere Sicherheit | Drucken

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat in Fürth als Schirmherr die 156. Fachtagung der ‚AG Südost‘ eröffnet, dem Europäischen Drogenfahnder-Netzwerk. Geleitet wird die zweitägige Veranstaltung vom Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) und der amerikanischen Spezialeinheit zur Drogenbekämpfung ‚DEA‘. Vor mehr als 80 Chefermittlern von Polizei, Zoll und Staatsanwaltschaften aus 22 Ländern sowie Vertretern von Interpol und Europol hob Herrmann die Bedeutung hervor: „Die ‚AG Südost‘ leistet einen wichtigen Beitrag, die Rauschgiftbekämpfung europaweit noch besser zu vernetzen und weiterzuentwickeln.“ Nur durch eine enge internationale Zusammenarbeit gelänge es, dem Drogenhandel wirksam Einhalt zu gebieten. Als aktuelle Herausforderung bezeichnete der Innenminister unter anderem den Kokainschmuggel von Mittel- und Südamerika nach Europa. „Die Bayerische Polizei wird die Rauschgiftkriminalität auch künftig in allen Bereichen vom Straßenverkehr bis hin zur Organisierten Kriminalität verstärkt bekämpfen“, kündigte Herrmann an. „Wir setzen auf intensive Kontrollen und Ermittlungen sowie gezielte Einsätze an Brennpunkten, vor allem auch durch unsere Schleierfahndung.“ Auch die neue Bayerische Grenzpolizei trage durch das engmaschige Kontrollnetz zur Rauschgiftbekämpfung bei. Herrmann: „Vom 1. Juli 2018 bis 16. September 2018 haben unsere Fahnder im grenznahen Raum und direkt an der Grenze 511 Rauschgiftdelikte festgestellt.“

Wie Herrmann erläuterte, gab es im Kampf gegen internationale Drogenbanden bereits großartige Erfolge. So gelang in diesem Jahr der ‚Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift Südbayern‘, in der BLKA und Zollfahndungsamt München Hand in Hand ermitteln, im Zuge länderübergreifender Ermittlungen ein bedeutender Schlag. Dabei konnte in Deutschland knapp eine Tonne Kokain sichergestellt werden. Die Ermittlungen lassen den Schluss zu, dass insgesamt mit rund 1,8 Tonnen Kokain im Marktwert von 400 Millionen Euro gehandelt worden wäre. Die Drogen wurden von Ecuador aus in Bananenkisten versteckt nach Deutschland geschmuggelt. „Diese große Menge hochgefährliches Kokain hätte in Europa großen Schaden anrichten können“, so Herrmann.

Die ‚AG Südost‘ geht auf die 1972 gegründete ‚deutsch-amerikanische Arbeitsgruppe‘ zurück. Im Mittelpunkt stand damals vor allem die Bekämpfung des Heroinschmuggels entlang der Balkanroute. Die US?Behörden ermittelten in den 1970er Jahren wegen Heroinlieferungen aus Frankreich. Da die Täter einen Bezug zu München hatten, baten die Amerikaner das BLKA um Unterstützung. Um den Veränderungen der Rauschgiftkriminalität Rechnung zu tragen, wurde im Laufe der Jahre aus der ‚deutsch-amerikanischen Arbeitsgruppe‘ die ‚AG Südost‘. Während in früheren Jahren der Fokus vorwiegend auf Heroin lag, beschäftigen sich die Drogenfahnder aktuell mit einer Vielzahl unterschiedlicher gefährlicher Substanzen, angefangen von Kokain über Cannabis und Crystal Meth bis hin zu den ‚Neuen psychoaktiven Stoffen‘. Ebenso haben sich die ‚Vertriebswege‘ von der Balkan-Route in die virtuelle Welt und in das Darknet verlagert. „Und so hat auch die Arbeitsgruppe schnell reagiert und sich vorbildlich den neuen Anforderungen gestellt“, fasste Herrmann zusammen. „Die ‚AG Südost‘ ist eine der ältesten und bedeutendsten Netzwerke in der internationalen Drogenbekämpfung.“