Mehr Sicherheit beim Motorradfahren

17. September 2018 | Themenbereich: Bayern, Verkehr | Drucken

Mehr Sicherheit beim Motorradfahren ist der diesjährige Schwerpunkt des Bayerischen Verkehrssicherheitsprogramms ‚Bayern mobil – sicher ans Ziel‘. Auf der heutigen 7. Verkehrssicherheitskonferenz in München hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit Verkehrsexperten von Polizei und Bauverwaltung sowie Wissenschaftlern und Vertretern der Fahrzeughersteller Maßnahmen und Ansätze diskutiert, wie die Sicherheit beim Motorradfahren weiter erhöht werden kann.

„Wir setzen auf mehr gezielte Kontrollen von Motorradfahrern, die sich nicht an die Vekehrsregeln halten. Außerdem werden wir weiter in die ‚gebaute Verkehrssicherheit‘ investieren, beispielsweise mit speziellen Unterfahrschutzeinrichtungen in gefährlichen Kurven“, betonte Herrmann vor den rund 300 Konferenzteilnehmern, unter anderem von Industrie-, Handwerks- und Wirtschaftsverbänden sowie von Hochschulen, von der Fahrzeug- und Zuliefererindustrie sowie von Hilfs- und Rettungsorganisationen. Dazu kommt die Entwicklung von Sicherheitstechnik und Schutzkleidung für Motorradfahrer, beispielsweise durch die Fahrzeughersteller. Auch an die Rettungsgassenproblematik wurde gedacht: Die Digitalisierung und die zunehmende Vernetzung von Automobilen und Motorrädern untereinander ermöglichen innovative Funktionalitäten, die die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erhöhen. BMW hat ein Konzept vorgestellt, gezielte Live-Hinweise der Polizei zum Bilden einer Rettungsgasse direkt in die Informationsdisplays der Fahrzeuge einzuspielen.

Motorradfahren immer beliebter

Mit 123 getöteten Bikern auf Bayerns Straßen im Jahr 2017 (2016: 133) war jeder fünfte getötete Verkehrsteilnehmer ein Motorradfahrer. Bedenklich stimmt den Innenminster die aktuelle Entwicklung: „Im ersten Halbjahr 2018 kamen 66 Motorradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben, ein Plus von 13,7 Prozent.“ Handlungsbedarf sieht Herrmann auch vor dem Hintergrund, dass Motorradfahren immer beliebter wird und immer mehr Motorradfahrer unterwegs sind. So waren Anfang 2018 rund 927.000 Motorräder in Bayern zugelassen, etwa ein Fünftel mehr als Anfang 2011. „Auch wenn wir langfristig den Trend zu weniger schweren Motorradunfällen haben, müssen wir alles unternehmen, um Motorradfahren noch sicherer zu machen“, fasste Herrmann zusammen.

Passende Schutzkleidung und regelmäßige Kontrollen

Wie Herrmann erklärte, sind passende Schutzkleidung und die regelmäßige Kontrolle der Motorradtechnik neben einem vernünftigen Fahrstil die beste Möglichkeit, selbst die Sicherheit zu erhöhen. „Nachdem aber leider auch eine Reihe unbelehrbarer Motorradfahrer unterwegs ist, müssen wir auch auf konsequente Kontrollen setzen“, so der Innenminister. Nachdem die Erfahrungen mit der 2015 beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd eigens eingerichteten ‚Kontrollgruppe Motorrad‘ sehr positiv waren, bauen derzeit alle übrigen Polizeipräsidien in Bayern ebenfalls entsprechende Kontrollgruppen auf beziehungsweise haben sie schon im Einsatz. Es handelt sich um besonders geschulte und motorradinteressierte Beamte. „So können unsere Motorradpolizisten den ‚Bikern‘ auf Augenhöhe begegnen“, erklärte Herrmann. Neben Kontrollaktionen der Hauptunfallursachen, also Geschwindigkeitsverstöße und Missachten des Überholverbots, werde schwerpunktmäßig auch der technische Zustand der Motorräder überprüft.

Verstärktes Vorgehen gegen Krawallmacher

Nach Herrmanns Worten zwar für die Verkehrssicherheit nicht relevant, aber dafür oftmals für Anwohner von beliebten Motorradstrecken umso lästiger: Nicht selten verursacht ein Motorradfahrer durch seine Fahrweise unnötigen Lärm, aber auch durch unerlaubte Manipulationen am Auspuff. „Es ist eine Frechheit und illegal, wenn Motorradfahrer bewusst mit hoher Drehzahl und mit manipulierten oder nicht zugelassenen Auspuffanlagen durch die Ortschaften brettern“, kritisierte Herrmann. Er habe die Bayerische Polizei bereits angewiesen, „diese rücksichtslosen Krawallmacher mit verstärkten Kontrollen möglichst aus dem Verkehr zu ziehen“. Hierfür werden derzeit neue Schallpegelmessgeräte getestet, die gerichtsverwertbare Messergebnisse liefern und so aufwändige Untersuchungen durch einen Gutachter entbehrlich machen sollen. „Daneben setzen wir auf die Einsicht der Motorradfahrer“, betonte Herrmann. Im Frühjahr habe das Innenministerium Lärmdisplays zur Beschaffung durch die Kommunen freigegeben. Entsprechend der bekannten Geschwindigkeitsdisplays messen diese den durch einzelne Verkehrsteilnehmer verursachten Verkehrslärm und zeigen bei Überschreiten der definierten Lärmschwelle die Botschaft ‚Leiser‘ an. In einem Pilotprojekt konnten so erhebliche Lärmreduzierungen erreicht werden.

Hauptgewinn überreicht

Am Rande der Verkehrssicherheitskonferenz hat der Innenminister den Hauptpreis des diesjähren Verkehrssicherheitsgewinnspiels an die glückliche Hauptgewinnerin aus Parsberg in der Oberpfalz übergeben. Es handelt sich um einen von der BMW Group gespendeten MINI Cooper S E Countryman ALL4. Unter dem Motto ‚Sicher unterwegs mit dem Motorrad‘ gingen bis zum Einsendeschluss rund 50.000 Einsendungen ein. Weitere Sachspenden wurden unter anderem vom Sparkassenverband Bayern, von der Bayerischen Schlösserverwaltung und von den ADAC Fahrsicherheits-Zentren Bayern zur Verfügung gestellt.