Ferienanfang in Niedersachsen – Aktion für mehr Sicherheit am Unfallort

18. Juli 2018 | Themenbereich: Niedersachsen, Verkehr | Drucken

In Niedersachsen und zwei weiteren angrenzenden Bundesländern schließen die Schulen heute ihre Türen und die Sommerfeien beginnen. Der Urlaubsverkehr startet massiv und in den kommenden Wochen wird es insbesondere auch auf den niedersächsischen Autobahnen deutlich mehr Verkehr geben. Den Ferienanfang in Niedersachsen nehmen in diesem Jahr das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport und seine diversen Kooperationspartner im Bereich Verkehrssicherheit heute (27. Juni 2018) erneut zum Anlass, gemeinsam daran zu erinnern, bei der Fahrt in die Ferien aufmerksam zu sein und wachsam für die Notsituationen anderer zu bleiben.

„Wenn ein Unfall passiert ist, kommt es einerseits darauf an, schnell Hilfe zu leisten. Außerdem ist wichtig, andere und sich selbst durch Warnungen vor weiteren Gefahren zu schützen“, so der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius. „Wer dabei ein paar wenige Grundregeln beachtet, trägt bereits maßgeblich zu mehr Sicherheit und im Notfall zur schnellen Rettung von Menschenleben bei. Für mich ist es verwerflich und inakzeptabel, wenn aus reiner Sensationsgier und Wichtigtuerei Rettungskräfte behindert werden und vielleicht sogar noch gefilmt und fotografiert wird.“

Die Aktion „Für mehr Sicherheit am Unfallort“ ist Teil der landesweiten Kampagne „HELFEN STATT GAFFEN“, zu der auch schon die Aktion „Rettungsgasse“ zählt. Das Niedersächsische Innenministerium kooperiert hierzu, neben der Polizei Niedersachsen und dem Landesfeuerwehrverband Niedersachsen, mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., dem ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt sowie der Landesverkehrswacht Niedersachsen e. V.

Hannes Wendler, Landesvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Niedersachsen/Bremen, sagt dazu: „Kein Warnblinker, kein Warndreieck, keine Warnweste, kein Abstand hinter der Leitplanke – das ist oft die Realität bei Unfällen und Pannen. Dabei bringt man sich damit selbst und andere Betroffene in Lebensgefahr. Für Unfallopfer und Ersthelfer gilt: zuerst sichern, dann helfen! Nach der Absicherung der Unfall- und Pannenstelle folgen Notruf und Erste-Hilfe. Und ganz wichtig: Man kann nichts falsch machen – außer nur zu gaffen und die Retter bei ihrer Arbeit zu behindern!“

Uwe Ilgenfritz-Donné, Geschäftsführer des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt betont: „Egal, ob aus dem Pannenhilfefahrzeug oder aus dem Rettungshubschrauber, die Helfer vom ADAC erleben tagtäglich viele Gefahrensituationen auf Autobahnen und Landstraßen. Nur wer gut informiert und vorbereitet ist, kann im Falle eines Falles ruhig, überlegt und richtig handeln und anderen helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Warndreieck, Verbandkasten und ausreichend Warnwesten für alle Insassen gehören griffbereit in jedes Auto – auch auf der Urlaubsreise.“

Dr. Erwin Petersen, Vizepräsident der Landesverkehrswacht Niedersachsen fügt hinzu: „Es wird kaum Rücksicht auf die Opfer oder das Leid der Angehörigen genommen. Die zunehmende Skrupellosigkeit der Gaffer wird immer mehr zu einer Belastung für Polizei, Feuerwehr, Ärzte und Sanitäter. Die Schaulustigen vergessen worauf es wirklich ankommt: An einer Unfallstelle ist es wichtig, ruhig und strukturiert zu agieren. Oberste Priorität hat immer die eigene Sicherheit und die der betroffenen Personen. Erst wenn diese Sicherheit gewährleistet ist, kann anderen sicher geholfen werden.“

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. führte gemeinsam mit der Polizei, der Landesverkehrswacht, dem ADAC und der Freiwilligen Feuerwehr Lehrte, die stellvertretend für Feuerwehren in Niedersachsen anwesend war, die Abläufe der Erstmaßnahmen zur Absicherung, Rettung und Notrufabgabe an der Tank- und Rastanlage Lehrter See der Bundesautobahn A 2 vor.

Alle Beteiligten wissen, worauf es bei der Absicherung von Gefahrenstellen ankommt und kennen aus ihrer täglichen Arbeit Situationen, bei denen es trotz professioneller Umsetzung zu gefährlichen Situationen oder sogar weiteren Unfällen gekommen ist.

„Es hilft uns und allen Beteiligten wenn wir unsere Aktivität auf die Hilfe für die Betroffenen konzentrieren können, und nicht noch zusätzliches Personal zum Absperren und richtigem Sichern der Unfallstelle einsetzen müssen. Hier ist jeder Verkehrsteilnehmer selbst in der Pflicht, durch umsichtiges Verhalten für mehr Sicherheit am Unfallort zu sorgen“, so Karl-Heinz Banse, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachen.

Zu den Grundregeln zählen insbesondere:

1. Unfallstelle absichern

Warnblinkanlage einschalten
Positionierung des eigenen Fahrzeugs bedenken
Räder in Richtung Straßenrand einschlagen
Bei Dunkelheit Fahrzeugbeleuchtung eingeschaltet lassen
Fließenden Verkehr und mögliche Fluchtwege beachten
Warnweste oder Warnjacke anlegen
Vom Verkehr abgewandt aussteigen
Ein geöffneter Kofferraum signalisiert: „Hab Acht!“
Aufenthalt in unmittelbarer Nähe der Fahrzeuge vermeiden – alle Personen an den Straßenrand/hinter die Schutzplanke bringen, Eigenschutz bedenken
Warndreieck und möglichst Faltkegel und Warnleuchte aufstellen (50 m innerorts,
100 m auf Landstraßen, 150 – 200 m auf Autobahnen), wenn möglich mit aufgeklapptem Warndreieck vor der Brust dem Verkehr entgegengehen
Warndreiecke vor Kurven und Kuppen aufstellen
Wenn möglich neben, nicht zwischen den Fahrzeugen bewegen

2. Helfen und Retten

Verunglückte Personen ansprechen; wenn möglich, Personen aus dem Unfallfahrzeug hinter der Schutzplanke/am Straßenrand in Sicherheit bringen
Bei Verletzten den Rettungsdienst (112), ansonsten die Polizei (110) benachrichtigen. Europaweiter Notruf ist die 112
Auf W-Fragen konzentrieren:
Wo ist es passiert? Was ist passiert?
Wie viele Verletzte? Welche Art von Verletzungen?
Wer meldet den Unfall?
Wichtig: Nicht auflegen, auf Rückfragen warten!
Verletzte versorgen
Keinesfalls im Auto auf die Hilfskräfte warten

„Bereits die Fahrt mit der Familie in den Urlaub sollte eine tolle und gelockerte Angelegenheit sein“, so Pistorius. „Allen Urlaubern empfehle ich, fahren Sie entspannt, ohne Eile und legen Sie regelmäßige Pausen ein. So kann die Erholung schon während der Fahrt im Auto und nicht erst am Urlaubsort beginnen.“

Hier weitere Tipps aller Kooperationspartner für eine bessere Fahrt in den Urlaub und wieder zurück:

Planen Sie Ihre Fahrt und Wegstrecke rechtzeitig vor – Karten, Navigationsgeräte und Routenplaner dienen als ausgezeichnete Hilfsmittel.

Starten Sie Ihre Reise frühzeitig und kalkulieren Sie ausreichend Zeit für Pausen ein – bei längeren Strecken sollten Übernachtungen vorzeitig eingeplant werden.

Überprüfen Sie Ihr Fahrzeug vor Fahrtantritt auf technische Mängel.

Verstauen Sie Ihr Gepäck sorgfältig und sichern Sie es vor dem Verrutschen. Gewährleisten Sie dabei einen möglichst schnellen Zugriff auf Verbandskasten, Warnweste und Warndreieck.

Nehmen Sie ausreichend Getränke und Speisen mit.

Informieren Sie sich über Stau- und Verkehrswarnmeldungen.

Halten Sie ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, insbesondere wenn sich der Verkehr verlangsamt oder ein Stau bildet.

Lenken Sie Ihr Fahrzeug in die entsprechende Richtung, um frühzeitig eine Rettungsgasse zu bilden.

Merke: Die Rettungsgasse wird zwischen dem ganz linken und dem daneben liegenden Fahrstreifen gebildet. Fahrzeuge auf der linken Spur weichen nach links aus, die übrigen fahren nach rechts. Der Standstreifen bleibt frei.

Halten Sie die Rettungsgasse frei, bis sich der Stau wieder aufgelöst und der Verkehrsfluss normalisiert hat.