Neues Unterkunftsgebäude für den offenen Vollzug auf dem Landesgut Moltsfelde

12. Juli 2018 | Themenbereich: Schleswig-Holstein, Strafvollzug | Drucken

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Neumünster erhält für ihre Außenstelle auf dem Landesgut Moltsfelde ein neues Unterkunftsgebäude für den offenen Vollzug. Der Neubau entsteht unter der Leitung der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH). Heute (12. Juli 2018) feierten Justizministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack, Anstaltsleiterin Yvonne Radetzki und GMSH-Geschäftsführer Frank Eisoldt das Richtfest.
Das Landesgut Moltsfelde ist ein zertifizierter Biolandbetrieb mit einer Fläche von 110 Hektar. Mit dem neuen Unterkunftsgebäude werden einerseits die Unterbringungsbedingungen des offenen Vollzugs auf den aktuellen Stand gebracht und andererseits steigen dadurch die Kapazitäten um acht Plätze an, sodass zukünftig bis zu 30 Inhaftierte auf dem Hof leben und landwirtschaftliche Arbeiten ausführen können. Das Land Schleswig-Holstein investiert für den Winkelbau 3,49 Millionen Euro.

Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack sagte: „“Der offene Vollzug ist geprägt von einem höheren Maß an Lebensnormalität und durch einen intensiveren Kontakt zur Gesellschaft als im Strafvollzug. Gefangene erschließen sich hier bereits vor ihrer Entlassung Kompetenzen und Selbstständigkeit. Durch die geringere Aufsicht bei der Unterbringung im offenen Vollzug besteht für die Gefangenen die Chance, ihr Durchhaltevermögen, ihre Bereitschaft zum Einordnen in die Gesellschaft und das Umsetzen des Erlernten zu beweisen. Mit diesem modernen Bauprojekt unterstützt und erweitert das Land die Chancen für diese Häftlinge erheblich. Dies werden wir mit den noch anstehenden Bauvorhaben im Vollzugswesen auch weiterhin tun. Ein gut ausgestattetes und reibungslos funktionieren-des Vollzugswesen mit den bestmöglichen Chancen zur Wiedereingliederung ist zudem eine Investition in die Sicherheit der Gesellschaft unseres Landes und seiner Bürgerinnen und Bürger“.“

GMSH-Geschäftsführer Frank Eisoldt sagte: „Das Landesgut Moltsfelde ist um die Jahrhundertwende speziell für die JVA Neumünster errichtet worden. Auch das alte Unterkunftsgebäude stammt aus dieser Zeit, in der es üblich war, drei Inhaftierte in einem Raum unterzubringen. Zudem entsprechen die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden nicht mehr den heutigen Standards. Ein neues Gebäude ist daher dringend nötig. Den offenen Vollzug mit einem landwirtschaftlichen Hof zu kombinieren ist einzigartig in Schleswig-Holstein. Um den Neubau optisch in das Ensemble des historischen Guts einzufügen, haben wir die Klinkerfassade der Bestandsgebäude aufgenommen.“

Leiterin der JVA Neumünster Yvonne Radetzki sagte: „“Die Gefangenen sollen gemäß Landesstrafvollzugsgesetz im offenen Vollzug untergebracht werden, wenn sie dessen besonderen Anforderungen genügen und verantwortet werden kann zu erproben, dass sie sich nicht dem Vollzug entziehen oder die Möglichkeiten des offenen Vollzuges nicht zu Straftaten missbrauchen werden. Der offene Vollzug ist also immer zu prüfen. Die Verle-gung in den offenen Vollzug erfordert aber nicht nur, dass die Inhaftierten den besonderen Anforderungen genügen, sondern vor dem Hintergrund des ebenfalls im Landesstrafvollzugsgesetz geregelten Anpassungsgrundsatzes, dass auch die Einrichtung des offenen Vollzuges den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen wird“.“

Unterteilt ist das 992 Quadratmeter große Gebäude in einen eingeschossigen Funktionstrakt mit knapp vier Meter hohen Decken im Speise- und Freizeitbereich und den zweigeschossigen Unterkunftstrakt. Im Funktionsbereich sind neben dem Speise- und Freizeitbereich Büroflächen für die Verwaltung, Räume für Beratungsgespräche zwischen Bewährungshelfern, Anwälten und den Inhaftierten, ein separater Gruppenraum für die Inhaftierten und je ein Lager-, Wasch und Trockenraum. Im Unterkunftstrakt befinden sich die Hafträume mit WC und zwei separate Dusch- und Umkleidebereiche für die Häftlinge und das JVA-Personal.
Die Inhaftierten verbringen durchschnittlich drei bis vier Monate auf dem Landesgut Moltsfelde. Betreut werden sie durch fünf landwirtschaftliche Mitarbeiter und zwei Betreuer des offenen Vollzugs. Das Aufgabenfeld ist umfangreich und beinhaltet die Betreuung von rund 100 Mutterkühen der Rasse Deutsches Angus, Getreide- und Ackerbau auf 69 Hektar Fläche, Holzwirtschaft mit Verkauf von Kaminholz für Jedermann, Garten- und Landschaftsbau.

Angaben zum Gebäude:
Bauherr: Land Schleswig-Holstein
Bauherrenvertretung: Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR
Gesamtbaukosten: 3,49 Millionen Euro
Baubeginn: September 2017
Fertigstellung: voraussichtlich März 2019
Hauptnutzfläche: 992 Quadratmeter

Über die GMSH
Die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) übernimmt als zentraler Dienstleister des Landes Schleswig-Holstein die staatlichen Hochbauaufgaben für Bund und Land. Sie bewirtschaftet die vom Land genutzten Liegenschaften und beschafft Material und Dienstleistungen für die Landesbehörden. Die GMSH bringt jährlich mehr als 600 Millionen Euro an den Markt.
Gegründet wurde die GMSH am 1. Juli 1999 mit dem Ziel, durch Bündelung der Bedarfe den Landeshaushalt zu entlasten. Neben ihrer Zentrale in Kiel hat die GMSH landesweit zwölf Büros. Mit 1.400 Beschäftigten ist die GMSH eines der größeren Unternehmen in Schleswig-Holstein.