Sonderbericht zur Polizeiakademie offenbart strukturelle Probleme am Fließband

26. Juni 2018 | Themenbereich: Berlin, Polizei | Drucken

102 Seiten stark ist der Bericht des Sondermittlers Josef Strobl zur Situation an Berlins Polizeiakademie. Seine Ergebnisse offenbaren unter anderem einen zu geringen Personalkörper, strukturelle Defizite im Lehrplan sowie fehlendes Einbinden der Beschäftigten bei der zurückliegenden Umgestaltung. Die GdP dankt Strobl für seine umfassende Arbeit, sieht sie als beispielhafte Darstellung, die sich auf viele Bereiche der Berliner Polizei duplizieren lässt und nimmt den Senat in die Pflicht, notwendige Maßnahmen schnellstmöglich zu ergreifen.

Kein Wort gewechselt, gleiche Ergebnisse

„Wir sind Josef Strobl sehr dankbar, dass er die letzten Monate intensiv dafür genutzt hat, um sehr zügig die Probleme aufzulisten und sinnvolle Maßnahmen vorschlagen zu können. Berlins verantwortliche Politiker sollten diese jetzt zeitnah umsetzen, um den Karren nicht noch weiter in den Sand zu fahren“, so Norbert Cioma, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei am Montagmorgen.

Der Sachverständige kam zu dem Schluss, dass derzeit nicht nur 31 Lehrkräfte an der Polizeiakademie fehlen, sondern sich aufgrund von 20 Dauerkranken ein Defizit für das Ausbildungsjahr von rund 50 Personen ergibt. Dies führe unter anderem zu vermehrten Unterrichtsausfällen in den Bereichen Deutsch und Politische Bildung sowie der Tatsache, dass das Personal den zusätzlichen Aufgaben Förderung und Sozialisierung der Auszubildenden nicht in benötigtem Maße nachkommen kann.

Neben einem Personalaufwuchs plädiert Strobl in seinem Bericht unter anderem für die Wiedereinführung des früheren An- und Abtretens sowie die Integration der lebensälteren Auszubildenden in die „normalen“ Klassen. „Es ist bemerkenswert, dass Josef Strobl ohne auch nur ein Wort mit uns zu wechseln genau jene Punkte anmerkt, auf die wir von Beginn der Strukturreform an hingewiesen und die wir dem neuen Senat noch im Jahr 2016 vorgelegt haben“, so Cioma weiter.

Strukturelle Probleme an der Akademie Sinnbild der Berliner Polizei

Weitere Aspekte des Sonderberichts sind die Bewerbersuche und -auswahl, die Erhöhung der Praktika während der Ausbildung, die baulichen Zustände an der Akademie sowie die Einbindung der Beschäftigten. Cioma: „Diese Kritikpunkte stehen genau betrachtet doch beispielhaft für die strukturellen Probleme in vielen Bereichen der Berliner Polizei. Das wird dank hervorragender Kolleginnen und Kollegen oftmals kaschiert, kommt an der Akademie aber leider besonders zur Geltung. Unsere Polizeipräsidentin wird den Bericht aufmerksam gelesen haben und die notwendigen Schlüsse daraus ziehen müssen.“

Laut Strobl seien die Verfahren zur Gewinnung von neuem Personal und ihre Selektion nicht zeitgemäß, langatmig und unpersönlich, die zusätzlichen Praktika der richtige Ansatz, aber zeitlich zu früh platziert. Die Gebäudesituation sei nicht ausreichend, versprochene Sanierungen und Umbauten nicht ausgeführt, die Kolleginnen und Kollegen hätte man beim Reformprozess außen vor gelassen, ihre Anmerkungen und Kritik nicht erhört. „Wir verlangen von Berlins Politik, dass sie jetzt endlich wach wird und die entscheidenden Weichen für Berlins zukünftige Sicherheit stellt. Wenn man auf uns nicht hört, dann vielleicht auf den selbst erwählten Sachverständigen“, so Cioma abschließend.