Justizministerin übergibt Zuwendungsbescheide zur beruflichen Qualifizierung von Gefangenen und Arbeitsmarktintegration nach der Haft

25. Juni 2018 | Themenbereich: Schleswig-Holstein, Strafvollzug | Drucken

Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack hat heute (25. Juni) in der Justizvollzugsanstalt Lübeck Zuwendungsbescheide für die Jahre 2018 und 2019 über jeweils gut 1,7 Millionen Euro an den TÜV NORD Bildung übergeben. Die Fördermittel werden für die Bereitstellung von 189 Plätzen in beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen, vom EDV-Kurs bis zur Vollausbildung, in arbeits-therapeutischen sowie -trainierenden Bereichen sowie für die arbeitsmarktorientierte Integrationsbegleitung an den Vollzugsstandorten Neumünster, Lübeck und Kiel bewilligt. „“Es ist Aufgabe und erklärtes Ziel des Justizvollzuges, Gefangene auf ein Leben in Freiheit ohne Straftaten in sozialer Verantwortung vorzubereiten“, erklärte die Ministerin. „Gefangene verfügen meist über einen geringen Bildungsstand, nur sehr wenige haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, die meisten noch nicht einmal einen Schulabschluss. Qualifizierung aber ist der Schlüssel für den Arbeitsmarktzugang. Um diese Chancen zu erhöhen und die Rückfallwahrscheinlichkeit zu senken, investieren wir in die schulische und berufliche Qualifizierung im Vollzug. Wir investieren in eine eigene Schule, eigene Betriebe und in Qualifizierungsbereiche externer Bildungsträger. Dabei passen wir das Bildungsangebot beständig an, um der sich ändernden Klientel und deren besonderen Anforderungen und Problemlagen Rechnung zu tragen““, so Sütterlin-Waack.

Schulische und berufliche Qualifizierungsangebote sind unabdingbarer Bestandteil des Behandlungsvollzugs. Dabei werden sowohl die Fähigkeiten und Potentiale der Zielgruppe als auch die Bedarfe des Arbeitsmarktes, in den später (re-)integriert werden soll, berücksichtigt. Mit dem TÜV NORD Bildung nimmt ein bundesweit anerkannter Bildungsträger mit hochmotivierten und -qualifizierten Ausbilderinnen und Ausbildern diese verantwortungsvolle Aufgabe bereits seit mehreren Jahren wahr. Im schleswig-holsteinischen Justizvollzug besteht ein breites Angebot von schulischen und beruflichen Qualifizierungsangeboten für Gefangene. Das Spektrum reicht von Schulkursen (Hauptschulkurs, Deutsch als Zweitsprache, Alphabetisierung) über Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und berufliche Teilqualifizierungen in verschiedenen Gewerken über EDV Kurse bis hin zur Vollausbildung. Das Angebot der berufsorientierten Grundbildung mit arbeitstrainierenden und schulischen Grundbildungsanteilen als auch arbeitstherapeutische Bereiche wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Von den derzeit mehr als 400 Plätzen werden rund 250 durch externe Bildungsträger angeboten.
Die vom TÜV NORD Bildung im Vollzug angebotenen beruflichen Qualifizierungsplätze ergänzen das Angebot der Anstaltsbetriebe, in denen vornehmlich Plätze zur Vollausbildung bestehen. Der TÜV NORD Bildung führt vorrangig berufliche Teilqualifizierungen in modularer Form durch. Dafür werden insgesamt 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vollzug eingesetzt, davon drei ausschließlich im Bereich der arbeitsmarktorientierten Integrationsbegleitung. Die Integrationsbegleitung beginnt in den letzten Monaten vor der Haftentlassung und dauert bis zu sechs Monate über die Haftentlassung hinaus an.

Besonders erfreulich ist die Stärkung des Frauenvollzuges durch eine dort neu eingesetzte Bildungsbegleiterin. Die Mitarbeiterin begleitet die Frauen beginnend mit der beruflichen Eignungsfeststellung bis zur Entlassungsvorbereitung und sie kann den Frauen auch in den ersten Monaten nach der Haftentlassung bei der Arbeitsmarktintegration unterstützend zur Seite stehen. Mit diesem Angebot wird den besonderen Bedarfen inhaftierter Frauen und dem daraus resultierenden Beratungs- und Unterstützungsbedarf Rechnung getragen.