Erfahrungsaustausch: Aussteigerprogamme für Rechtsextremisten

22. Juni 2018 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Niedersachsen | Drucken

29 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ausstiegsangeboten für Rechtsextremisten aus dem gesamten Bundesgebiet kamen am 19. und 20. Juni 2018 auf Einladung des Niedersächsischen Justizministeriums in Hannover zusammen, um sich über ihre beruflichen Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Es handelt sich um die bundesweit einzige Zusammenkunft sowohl behördlicher wie auch zivilgesellschaftlich tätiger Ausstiegshelferinnen und -helfer. Ebenfalls einmalig im Bereich der Ausstiegshilfe ist der mit der Tagung verfolgte Ansatz, die in der Praxis bereits angewendeten, auf bestimmte Lebensumstände zugeschnittene Methoden zur Unterstützung von Ausstiegswilligen systematisch zu erheben und weiterzuentwickeln.

Staatssekretär Dr. Stefan von der Beck, der bereits im Jahr 2009 – seinerzeit als Abteilungsleiter – die niedersächsische „AussteigerhilfeRechts“ in den Ambulanten Justizsozialdienst des Landes Niedersachsen integriert hat, freute sich über den regen Zuspruch. „Die Bandbreite der teilnehmenden Praktikerinnen und Praktiker sowie die hier repräsentierte Vielfalt an Erfahrungen ist bundesweit einzigartig. Das Arbeitsfeld der Ausstiegsbegleitung ist noch vergleichsweise jung. Daher ist es besonders wichtig und wertvoll, die gesammelten Berufserfahrungen jedes Einzelnen zusammenzutragen und aus diesem Gesamtbild verallgemeinerbare Handlungsmuster, Begleitungsmodelle und Präventionsstrategien zu entwickeln.“

Der Austausch wurde vor vier Jahren durch das Niedersächsische Justizministerium ins Leben gerufen und findet seither regelmäßig statt. Neben der Methodenforschung legten die Praktiker in diesem Jahr besonderes Augenmerk auf die Gefahren einer Radikalisierung im digitalen Zeitalter und die möglichen Auswirkungen von psychischen und psychiatrischen Erkrankungen. Tagungsleiter Stefan Saß: „Durch die regelmäßigen Zusammenkünfte hat sich eine von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit entwickelt. Das vereinfacht die Fortentwicklung der Methoden in der Ausstiegsbegleitung ganz enorm.“

Das Niedersächsische Justizministerium beabsichtigt, den Praktikeraustausch auch im kommenden Jahr fortzusetzen.