In Hamburg sagt man Tschüss!

12. Mai 2018 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Seit September 2011 bin ich nun schon Bundesvorsitzender des BDK. Eine lange Zeit, in der ich sehr viel erlebt habe. Auf zwei Bundesdelegiertentagen bin ich mit überzeugenden Ergebnissen im Amt bestätigt worden. Ich habe den BDK in schwierigen Zeiten übernommen. Unsere Haushaltslage war desolat, unsere Mitgliederentwicklung deutlich negativ und unsere mediale sowie politische Bedeutung sehr überschaubar. Mit voller Kraft und Hingabe und einem tollen Team haben wir dann in relativ kurzer Zeit den Wandel geschafft. Wir haben den BDK von oben bis unten durchleuchtet und viele Maßnahmen ergriffen, um besser und leistungsfähiger zu werden. Die größte Herausforderung war, den BDK auf solide finanzielle Beine zu stellen und nachhaltig zu haushalten. Das ist uns gelungen.

Wir haben die Mitgliederleistungen optimiert und unser äußeres Erscheinungsbild modernisiert. Wir haben die Junge Kripo, die Kripo-Akademie und den Wissenschaftlichen Beirat ins Leben gerufen – drei Erfolgsmodelle, die für viele heute schon fast eine Selbstverständlichkeit sind. Wir haben unsere Medienpräsenz durch engagierte und vor allem seriöse Arbeit um ein Vielfaches steigern können. Durch diese Präsenz haben wir an Einfluss und auch an der notwendigen Deutungshoheit dazugewonnen. Auch unsere externe Kommunikation haben wir ausgebaut und sind heute in den sozialen Medien aktiv und ansprechbar. Wir haben den Sitz unserer Bundesgeschäftsstelle in Berlin personell verstärkt und mittlerweile auch eine Dependance in Brüssel, im Herzen Europas, am Puls der europäischen Politik. Erstmals seit der Abwicklung des Studiengangs an der Berliner Humboldt-Universität Anfang der 1990er Jahre haben berufserfahrene Polizeibeamte und Juristen wieder die Möglichkeit, sich im Rahmen eines wissenschaftlichen Hochschulstudiums kriminalistisch weiterzubilden. Grund dafür ist die gelungene Kooperation mit der Ruhr-Universität in Bochum.

Wir haben den Tarifbereich weiter ausgebaut und sind in der Geschichte des BDK erstmalig an Forschungsprojekten maßgeblich beteiligt. Wir haben uns intensiver mit der Frauenpolitik beschäftigt, die Leistungen für Pensionäre und Rentner erweitert und den Bereich Prävention und Opferschutz ausgeweitet. Wir sind bei den bedeutenden Messen, Tagungen und Kongressen vor Ort präsent. Der aktuelle Bundesvorstand setzt derzeit gerade die Projekte um, die wir bereits in der letzten Amtsperiode beschlossen und angefangen haben. So laufen derzeit die Arbeiten an der neuen BDK-Webseite und am neuen BDK-Shop auf Hochtouren. Die Ergebnisse werden sich sehen lassen können. Unsere Arbeit wurde von den Kolleginnen und Kollegen honoriert, so dass wir Ende des ersten Quartals 2018 den höchsten Mitgliederstand in der fast 50-jährigen Geschichte des BDK verzeichnen konnten.

Der BDK bietet Fachlichkeit, konstruktive Kritik und Engagement für die Sache. Gerade deshalb finden wir Gehör. Daraus ergibt sich unsere Durchsetzungsfähigkeit. Grundvoraussetzung für die Arbeit auf Bundesebene ist aber, dass dessen Spitzenfunktionäre als seriös und untadelig wahrgenommen werden. Obwohl ich eine schriftlich geregelte Teilzeitvereinbarung mit der Polizei Hamburg habe und meinen vereinbarten Pflichten stets im vollen Umfang nachgekommen bin, sah sich bekanntermaßen die Staatsanwaltschaft im Rahmen der Ermittlungen zur „Causa Wendt“ in der Pflicht, auch gegen mich tätig werden zu müssen. Glaubten damals der Bundesvorstand sowie mein Rechtsanwalt und auch ich, dass die Ermittlungen innerhalb kürzester Zeit eingestellt werden müssten, da die Vorwürfe haltlos sind, ist auch heute, über ein Jahr danach, nicht abzusehen, wann die Staatsanwaltschaft Hamburg das Verfahren endlich zu einem Ende bringen wird.

Auf dieser Basis ist es mir nicht mehr möglich, weiterhin mein Amt als Bundesvorsitzender unbefangen ausüben zu können. Es gilt nun, möglichen Schaden vom BDK abzuwenden. Deshalb habe ich mich entschieden, mein Amt zum 31. Mai 2018 niederzulegen.

Da wir aufgrund von einigen Gesetzesänderungen und der Einführung der Datenschutzgrundverordnung zu zahlreichen Satzungsänderungen gezwungen sind, werden wir voraussichtlich Anfang November einen eintägigen Bundesdelegiertentag einberufen, auf dem dann auch Möglichkeit der Nachwahl für das Amt des Bundesvorsitzenden besteht. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt für diese Entscheidung gekommen.

Der Bundesvorstand hat nun rund 6 Monate Zeit, einen geeigneten Kandidaten bzw. eine Kandidatin für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu finden. Ich bin stolz, in dieser so erfolgreichen Amtszeit, die nur als Teamleistung möglich war, der Vorsitzende des BDK gewesen sein zu dürfen und bin mir sicher, dass der BDK auch weiterhin seine Ziele für die Kolleginnen und Kollegen und für die Kriminalpolizei engagiert und fachlich verfolgen und sich für eine professionelle und zukunftsorientierte Kriminalitätsbekämpfung einsetzen wird. Tschüss und bis bald!

André Schulz
Bundesvorsitzender