Weniger Straftaten, noch immer Vollzugsdefizit, keine Trendwende

24. April 2018 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) stelle in erster Linie eine Momentaufnahme der Sicherheitslage hierzulande dar, betonte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, in Live-Gesprächen mit den Nachrichtensendern n-tv und WELT TV am Montag in Berlin. Die jährlich veröffentlichte Liste der der Polizei bekanntgewordenen Straftaten gebe zwar wichtige Hinweise auf die Entwicklung in einzelnen Deliktbereichen, doch sei, so Malchow, vor voreiligen Schlussfolgerungen zu warnen. Für die jeweilige PKS mitentscheidend seien zum Beispiel polizeiliche Prioritätensetzungen wie beim Wohnungseinbruchdiebstahl oder eine intensivierte Aufklärung des sogenannten Dunkelfeldes wie bei der Rauschgiftkriminalität. Zudem gebe es Delikte wie die illegale Einreise nach Deutschland, die nur EU-Ausländer begehen könnten. So nehme also auch die geringere Zahl der Asylsuchenden Einfluss auf die PKS, erklärte der GdP-Chef.

Ordentliche Arbeit

Bei aller Vorsicht zeigt der Rückgang der Straftaten auch, so Malchow, dass die Polizei ordentlich arbeitet. Als Beispiel nannte er die weniger registrierten Wohnungseinbrüche in Deutschland.

Trotzdem müsse die innere Sicherheit ein Kernthema der Politik bleiben, da im vergangenen Jahr Diebe immer noch 117.000 Wohnungen heimsuchten. Bei gleichzeitigen Anstieg anderer Deliktfelder könne also nicht von einer Trendwende gesprochen werden, warnte der GdP-Chef.
Mehr Präsenz der Polizei im öffentlichen Raum
Die Polizei müsse im öffentlichen Raum sichtbar sein, forderte Malchow wenig später im Studiogespräch mit Welt TV. Dann nehme auch das Sicherheitsgefühl der Bürger zu, sagte er.

Problem sei jedoch immer noch, dass aus Personalgründen bei der Polizei ein Vollzugsdefizit auftrete. Malchow: „Wenn die Kolleginnen und Kollegen beispielsweise ihren Ermittlungsdruck im Bereich Wohnungseinbruchsdiebstähle erhöhen, dann werden andere Deliktfelder vernachlässigt.“