Niedersächsischer Innenminister zieht positives Fazit nach Rückkehr aus Japan

13. April 2018 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Niedersachsen | Drucken

Nach seiner fünftägigen Japanreise mit einer siebenköpfigen Arbeitsdelegation hat der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, ein positives Fazit gezogen. Der erste Teil der Reise hatte die Delegation in die japanische Hauptstadt Tokio geführt. Hier führte Pistorius Gespräche zu Themen wie IT, digitaler Verwaltung, Katastrophenschutz, innerer Sicherheit und Sport.

Beim Treffen mit IT-Sicherheitsexperten von FUJITSU konnte die Delegation zu Beginn der Reise Einblicke in die Arbeit des weltweit operierenden Unternehmens in Sachen Cybersicherheit nehmen. Außerdem informierte sich Pistorius bei FUJITSU über die Möglichkeiten moderner Videoüberwachung vor allem in Ballungsräumen. Pistorius sagte danach: „Insbesondere was die rein technischen Möglichkeiten der Videoüberwachung angeht, wird in Japan deutlich mehr umgesetzt als bei uns in Deutschland. Das hängt natürlich mit den unterschiedlichen Ansätzen beim Datenschutz zusammen, der bei uns grundsätzlich zu Recht eine größere Rolle spielt. Gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, was technisch möglich ist, auch um die Anforderungen des Datenschutzes stets ausreichend berücksichtigen zu können. Bei Themen wie Cybersicherheit war es interessant zu sehen, wie die Experten in Japan immer neue Systeme und Methoden entwickeln, um die weltweiten Netze und Rechner gegen die sekündlichen Angriffe von Cyberkriminellen zu schützen. Das ist, wie ich schon oft gesagt habe, auch für die deutschen Verwaltungen und die Industrie sowie angesichts von immer mehr mobilen Endgeräten und dem Internet of Things auch für Privatpersonen eine der großen Herausforderungen für die Zukunft.“ Beim Tokyo Metropolitan Police Department führte der niedersächsische Innenminister darüber hinaus Gespräche darüber, wie Angriffe immer moderner Drohnen abgewehrt werden können.

Zudem fanden in Tokyo Gespräche vor dem Hintergrund der olympischen Spiele 2020 statt, die Pistorius als niedersächsischer Sportminister auch unter Sicherheitsaspekten führte. Gleichzeitig ging es um die nachhaltige Nutzung der Sportstätten. Das künftige Olympiastadion ist beispielsweise unter anderem aus Zedernholz gebaut. Ein Rohstoff, der in Japan aktuell im Überfluss vorhanden ist, da die Weltmarktpreise im Keller sind. Andere Sportstätten werden nach den Spielen beispielsweise als öffentliche Einrichtungen genutzt. So auch die olympische Schwimmhalle. Außerdem hielt Pistorius ein Grußwort bei der „JMA 2018 Hannover Messe OFFICIAL PROGRAM Pre-Session“ (JMA steht für Japan Management Association), in dem er auch die Frage der Sicherheit bei der Digitalisierung von Arbeitsabläufen thematisiert. Weiterhin wurde unter der Überschrift „Society 5.0″ über die gesellschaftlichen Auswirkungen des digitalen Wandels gesprochen.

Im Tokyo Rinkai Disaster Prevention Park bekam der Minister einen Einblick in das Katastrophenmanagement, insbesondere in Bezug auf Erdbeben und Tsunamis. „Obwohl dies selbstverständlich kein Thema in Niedersachsen ist, war es vor allem beeindruckend zu sehen, mit welcher Disziplin und gradliniger Ruhe die Japaner auf Katastrophen vorbereitet sind. In Japan gibt es täglich kleinere Erdbeben der Stärke 1 bis 2. Aber auch größere Erdbeben sind nichts Ungewöhnliches und statistisch ist ein verheerendes Erdbeben mit möglicherweise tausenden Opfern überfällig. Bereits im Kindergarten werden die Kleinsten penibel auf den Ernstfall vorbereitet. So gibt es beispielsweise spezielle Symbole an Häusern, die im Erdbebenfall allein umherirrenden Kindern Obdach gewähren. Die japanischen Behörden zeigen, wie sich nicht gravierend verletzte Personen nach einem Erdbeben für 72 Stunden selbst versorgen können. Sogar spezielle Origami-Techniken werden gelehrt, um beispielsweise im Notfall Teller zu haben und aus so mancher Parkbank lässt sich eine Kochstelle bauen.“

Der zweite Teil des Aufenthalts führte die Delegation in die niedersächsische Partnerregion in Japan, die Präfektur Tokushima. Hier erlebte die niedersächsische Delegation unter anderem, wie die Transformation von der analogen in die digitale Verwaltung in Japan gestaltet wird. Pistorius: „Auch in Niedersachsen wird die Verwaltung in Zukunft immer digitaler werden. Dabei geht es einerseits darum, dass die Verwaltung intern etwa durch die Möglichkeiten der E-Akte und vieler anderer Dinge immer besser und gleichzeitig flexibler wird. Andererseits geht auch darum, immer mehr Verwaltungsdienstleistungen – vom Ummelden über den neuen Führerschein bis zur Steuererklärung – online anzubieten. Hier haben die Japaner eine Lösung namens „My number“, die relativ weit geht und verpflichtend für über 80 Millionen Menschen eingeführt wird. Das war einerseits sehr interessant, andererseits ist es aber auch nicht so, dass die Japaner uns aktuell zu weit voraus wären.“

Besonders beeindruckt war der niedersächsische Innen- und Sportminister von den Sport- und Trainingsanlagen der Präfektur Tokushima. „Wir haben uns das Baseball- und das Fußballstadion sowie die Hallen für Judoka und Handballer im Otsuka Sportpark angesehen, das war schon sehr beeindruckend. Auch das gerade fertiggestellte Leistungszentrum für Kanuten in Naka Town bietet optimale Voraussetzungen. Es ist das große Ziel der Präfektur, im Vorfeld und während der olympischen Spiele 2020 in Japan hier deutsche Sportlerinnen und Sportler aus diesen Sportarten begrüßen zu können. Dafür kann ich bei den zuständigen Verbänden nur werben. Unsere Sportlerinnen und Sportler finden hier gute Bedingungen und gleichzeitig die nötige Ruhe vor. Sogar deutsche Hinweisschilder wurden in freudiger Erwartung bereits überall angebracht. Ich freue mich in diesem Zusammenhang auch in besonderer Weise über den regen sportlichen Austausch mit Niedersachsen. Bereits im Juni kommt die nächste Kanumannschaft zu Trainingseinheiten nach Niedersachen. Schön, die jungen Kanuten bei dieser Gelegenheit wieder zu sehen und in Niedersachsen willkommen zu heißen. Man sieht auch hier, wie der Sport es im wahrsten Sinne des Wortes spielend schafft, Brücken der Verständigung zwischen Völkern zu bauen. Eine Tatsache, die wir in Zeiten zunehmender nationaler Egoismen gar nicht genug betonen können.“

Einen Blick in zukünftige Arbeitswelten konnte die Delegation beim Besuch der Satellite Offices in Kamiyama, rund 45 Minuten entfernt von Tokushima, werfen. Hier ist es u.a. durch Breitbandanbindung einer strukturschwachen und besonders vom demografischen Wandel geprägten Region gelungen, diverse Firmen u.a. aus Tokyo in Satellitenbüros anzusiedeln. Pistorius: „In Kamiyama ist es durch Breitbandanbindung und entsprechende Angebote der Verwaltung einerseits an große Unternehmen, aber auch an Bäcker, App-Entwickler oder Künstler möglich geworden, neue Arbeits- und Lebenswelten zu schaffen. In traditionellen, alten japanischen Häusern wurden Loft-artige, lässige Büros eingerichtet, die von innen an Start-ups im Silicon Valley erinnern. Das kann auch für Deutschland in besonders strukturschwachen Regionen ein Ansatz sein, diese mit frischen Ideen und Möglichkeiten moderner Arbeitswelten zu beleben und auch junge Menschen und Familien auf der Suche nach Ruhe in entlegenere Regionen zu bekommen. Was mich vor allem begeisterte, war die Entschlossenheit und positive Einstellung der Menschen, die dieses Projekt von Beginn an begleiten. Sogar einen Zeitungsbeitrag in der Washington Post gab es bereits für dieses inspirierende Projekt.“

Außergewöhnlich waren auch der Besuch des deutschen Hauses in Bando und die Kranzniederlegung für die deutschen Kriegsgefangenen des ersten Weltkrieges. Pistorius: „Von 1917 bis 1919 waren bis zu 1000 deutsche Soldaten nach ihrer Gefangennahme durch die damals gegnerische japanische Armee im Gefangenenlager Bando untergebracht gewesen. Die japanische Seite achtete in diesem Lager besonders darauf, die deutschen Gefangenen gut zu behandeln. Da es sich bei der deutschen Soldaten vor allem um Reservisten handelte, waren unter ihnen Bäcker, Ärzte, Musiker und vieles mehr. Es entwickelte sich ein reger Austausch mit der japanischen Bevölkerung – so haben sich Japaner sogar zu deutschen Bäckern ausbilden lassen. Mit der Folge, dass es bis heute im Ort eine deutsche Bäckerei gibt, die wir auch kurz besucht haben. Vor genau 100 Jahren haben die deutschen Kriegsgefangenen dann sogar die damals in Japan noch völlig unbekannte 9. Sinfonie Ludwig v. Beethovens aufgeführt, die mittlerweile als inoffizielle Nationalhymne Japans verehrt wird. Daraus entstanden ist über die Jahrzehnte eine tiefe Verbundenheit, die in diesem Jahr unter anderem mit mehreren Konzerten im Juni gefeiert wird. Diese Geschichte wird im deutschen Haus detailliert erzählt, ich kann allen deutschen Japan-Besuchern einen Besuch im deutschen Haus nur ans Herz legen.“