Vorläufige Verkehrsunfallbilanz 2017

5. April 2018 | Themenbereich: Sachsen-Anhalt, Verkehr | Drucken

Allgemeines

Sachsen-Anhalts Minister für Inneres und Sport, Holger Stahlknecht, hat am heutigen Tag in Magdeburg die vorläufige Verkehrsunfallbilanz für das Jahr 2017 vorgestellt.

Holger Stahlknecht dazu: „Die Bilanz für 2017 lautet: weniger Verkehrsunfälle, historischer Tiefstand bei den Verkehrstoten und deutlicher Rückgang der Verkehrsunfälle auf dem Schulweg.“

Minister Stahlknecht weiter: „Es bleibt aber dabei, dass wir den Kontrolldruck bei der Geschwindigkeitsüberwachung, wie beim bevorstehenden Blitzermarathon am 18. April 2018, weiter aufrecht erhalten, die Zielgruppe Fahrradfahrer verstärkt ins Visier nehmen und auch den Bereich der präventiven Aktivitäten, beispielsweise Mobilitätsfrüherziehung, intensivieren. In eben diesen Bereichen hat sich insbesondere der Einsatz unserer Wachpolizei und auch der Regionalbereichsbeamten bewährt.“

Von der Polizei wurden auf Sachsen-Anhalts Straßen im vergangenen Jahr insgesamt 75.111 Verkehrsunfälle aufgenommen; das sind 102 weniger als im Vorjahr.

Im dritten Jahr in Folge nahm die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden ab. Im Jahr 2017 belief sich die Anzahl auf 8.055 derartige Ereignisse. Gegenüber 2016 bedeutet dies einen Rückgang um 107 Verkehrsunfälle.

Landesweit wurden bei Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr 132 Personen getötet (minus 1 /minus 7,5 Prozent), 2.428 schwerverletzt (plus 50 /plus 2,1 Prozent) und 7.975 Personen leichtverletzt (minus 160/minus 1,97 Prozent).

Unfallursachen

Im Klassement der Hauptunfallursachen hat sich gegenüber dem Vorjahr nichts geändert. An erster Stelle der Hauptunfallursachen stehen Wildunfälle vor Wenden/Rückwärtsfahren. Zu geringer Abstand ist Unfallursache Nummer drei.

Bei den Verkehrsunfällen mit schwerem Personenschaden stellen sich die Unfallursachen wie folgt dar:

– überhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit (23,1 Prozent/minus 4,5 Prozent),

– Vorfahrtsverletzungen (18,5 Prozent/plus 2,1 Prozent),

– Abstand (10,5 Prozent /plus 0,3 Prozent),

– Alkohol (7,4 Prozent/plus 1,4 Prozent).

Kinder

Mit insgesamt 882 Kindern verunglückten im vergangenen Jahr 32 Kinder mehr (plus 3,8 Prozent). Vier Kinder kamen auf den Straßen Sachsen-Anhalts ums Leben, drei davon als Fahrzeuginsassen. Zuwächse gab es in Bezug auf die Verkehrsteilnahme als Mitfahrer im Pkw (plus 17), Fußgänger (plus 17) und Fahrradfahrer (plus 8). Die größte Gefahr für Kinder, im Straßenverkehr zu verunglücken, besteht jedoch nach wie vor in deren passiver Teilnahme als Insassen von Fahrzeugen (46,9 Prozent aller verunglückten Kinder).

Gleichzeitig ging die Anzahl der polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle auf dem tägli-chen Schulweg um 38 (minus 18,6 Prozent) auf 54 Unfälle zurück.

Jugendliche

Mit insgesamt 559 Jugendlichen verunglückten gegenüber dem Vorjahr 20 Jugendliche mehr (plus 3,7 Prozent). Dabei wurden zwei 17-jährige Kradfahrer getötet und 137 Jugendliche schwer verletzt (plus 21/plus 18,1 Prozent).

18 bis 25-Jährige

Mit 1.275 wurden gegenüber 2016 insgesamt 26 Verunglückte weniger festgestellt (minus 2,0 Prozent).

Über 65-jährige

Insgesamt verunglückten in dieser Altersgruppe 1.571 Personen (plus 3/plus 0,2 Prozent).

Im Jahr 2017 wurden bei Verkehrsunfällen in dieser Altersgruppe 49 Personen getötet (2016: 48) und 508 schwer verletzt (2016: 451) Dies entspricht einem Anteil von 37,1 Prozent bei den Getöteten und 20,9 Prozent bei den Schwerverletzten.

Bezogen auf ihre Verkehrsbeteiligung waren von den Verunglückten im Jahr 2017 insgesamt 573 (36,5 Prozent) als Fahrer eines PKW, weitere 288 als Mitfahrer in einem PKW (18,3 Prozent) und 426 (27,1 Prozent) mit dem Fahrrad unterwegs.

Motorisierte Zweiradfahrer

Die bundes- und europaweit als problematisch erkannte Zielgruppe stellt für Sachsen-Anhalt nach wie vor keinen landesweiten Schwerpunkt dar. Unter Beteiligung von motorisierten Zweiradfahrern ist indes landesweit ein Anstieg um 21 Unfälle (plus 2,2 Prozent) auf insgesamt 986 bei gleichzeitigem Rückgang der Unfallschwere zu verzeichnen. Insgesamt wurden 12 Personen getötet (2016: 19), 266 schwer- (2016: 278) und 432 leichtverletzt (2016: 397). Auffallend sind die regionalen Besonderheiten (z. B. im Harz mit der für Motorradfahrer attraktiven kurvigen Streckenführung).

Fahrradfahrer

Mit 2.834 polizeilich erfassten Verkehrsunfällen (2016: 2.914) ist ein landesweiter Rückgang um 80 Unfälle (minus 2,7 Prozent) festzustellen. 23 Fahrradfahrer wurden getötet (2016: 20), 402 schwer- (2016: 395) und 1.590 leichtverletzt (2016: 1.680). Von 23 getöteten Fahrradfahrern gehörten 15 zur Altersgruppe der über 65-Jährigen; 12 davon (80 Prozent) hatten den Unfall schuldhaft verursacht.

Unfallgeschehen auf Autobahnen

Im Jahr 2017 gab es einen Anstieg um 65 Fälle auf insgesamt 4.808 (+ 1,37 Prozent). Dabei wurden 27 Personen getötet (plus 9/plus 50,0 Prozent), 309 Personen schwer verletzt (plus 35/plus 12,8 Prozent) und 659 Personen leicht verletzt (plus 62/plus 10,4 Prozent).

Auf der Bundesautobahn (BAB) 14 ist ein starker Anstieg bei den Getöteten von 2 auf 10 festzustellen. Auf der BAB 38 sind 4 (2016: 2), auf der BAB 2 sind 10 (2016: 11) und auf der BAB 9 sind 3 getötet wurden (2016: 3). Ebenso stieg die Anzahl der Schwerverletzten auf der BAB 14 um 22 auf 85, auf der BAB 2 um 2 auf 78 und auf der BAB 38 um 22 auf 61 an, während sie auf der BAB 9 um 13 auf 83 zurückging. Hauptunfallursachen hier: Geschwindigkeit und Abstandsunterschreitung.

Verkehrsunfälle, an denen Lastkraftwagen beteiligt sind

Die Summe beläuft sich auf 10.555 Unfälle und damit 312 weniger als im Vorjahr. Indes ist ein Anstieg bei Unfällen an Stauenden um 24 Fälle auf eine Gesamtzahl von 167 festzustellen.

Verkehrsunfall-Uhr 2017

– alle 7 Minuten ein Verkehrsunfall

– alle 50 Minuten eine verunglückte Person

– alle 1,4 Stunden ein verunglückter Pkw-Fahrer

– alle 4 Stunden ein schwerverletzter Verkehrsteilnehmer

– alle 5 Stunden ein verunglückter Pkw-Insasse

– alle 6 Stunden ein Verunglückter im Alter ab 65 Jahren

– alle 7 Stunden ein Verunglückter im Alter zwischen 18 und 24 Jahren

– alle 9 Stunden ereignete sich ein VU unter Alkoholeinfluss

– alle 10 Stunden ein verunglücktes Kind

– alle 3 Tage wurde ein Mensch im Straßenverkehr getötet