Mit Videostreifen gegen Rettungsgassensünder

23. März 2018 | Themenbereich: Hessen, Verkehr | Drucken

Im Jahr 2017 sind bei Verkehrsunfällen in Hessen 213 Menschen ums Leben gekommen. Auf Hessens Straßen starben 19 Personen weniger als noch im Vorjahr und damit so wenige Menschen, wie noch nie seit Erhebung der Statistik. Die Zahl der Gesamtunfälle in Hessen ist um 8.881 Fälle (+6,3 Prozent) auf 150.014 Verkehrsunfälle gestiegen.

Um den Kontrolldruck auf Rettungsgassensünder zu erhöhen, setzt die hessische Polizei in einem Pilotverfahren seit November 2017 zwölf „Videostreifen“ bei den Autobahnpolizeistationen ein. Mit neuen Rettungsgassen-Bannern an Brücken und zahlreichen weiteren Werbemitteln setzt die Landesregierung zudem ihre landesweite Präventionskampagne fort.

Der Hessische Innenminister Peter Beuth erklärte: „Auf Hessens Straßen sterben immer weniger Menschen und auch die Zahl der Schwerverletzten hat einen historischen Tiefstand erreicht. Im letzten Jahr kam zum ersten Mal seit Beginn der Statistik kein einziges Kind bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Das ist eine ermutigende Bilanz und sollte Ansporn für jeden Verkehrsteilnehmer sein, sich weiterhin achtsam und rücksichtsvoll gegenüber seinen Mitmenschen zu verhalten. Für die hessische Polizei, unsere Feuerwehren, Rettungsdienste und die Straßenmeistereien ist dieser positive Trend ebenfalls ein Ansporn, ihre unverzichtbare Arbeit zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger fortzusetzen. Die Einsatzkräfte werden nicht nachlassen, uns alle immer wieder zu erinnern und zu mahnen, dass wir im Straßenverkehr Verantwortung für uns selbst und andere übernehmen müssen.“

Zahl der Verkehrsunfälle gestiegen

Innerhalb der letzten vier Jahre ist die Zahl der Gesamtunfälle um rund 13 Prozent angestiegen (2014: 130.907; 2015: 135.625; 2016: 141.133; 150.014). Damit liegt Hessen im Bundestrend. Während die Zahl der „Verunglückten Personen“ (Getötete, Schwerverletzte und Leichtverletzte) in Hessen nur leicht um rund 0,5 Prozent auf 28.475 anstieg, wurden bei den Unfällen mit Sachschaden insgesamt 128.877 Fälle registriert (2016: 119.782; bzw. +7,6 Prozent). Abschließende Erklärungsmuster für die Zunahme der Verkehrsunfälle lassen sich aus der Statistik nicht ableiten. Am stärksten zugenommen haben Verkehrsunfälle von 2016 auf 2017 aufgrund dieser Ursachen:
2016
Fehler beim Abbiegen 3.429

2017

5.291 + 13,7%

2016

Wildunfälle 18.659

2017

21.209 + 12%
Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren 14.944

2017

16.208 + 7,8%

Fast jeder siebte Verkehrsunfall in Hessen (14,1 Prozent) ist ein Wildunfall. Auch bei der Unfallursache „Abbiegen“ war mit 1.862 zusätzlichen Fällen ein starker Anstieg zu verzeichnen.

Nicht angepasste Geschwindigkeit ist weiterhin mit deutlichem Vorsprung die Hauptunfallursache bei Verkehrsunfällen mit Getöteten und Schwerverletzten.

Bei knapp einem Viertel der Unfälle mit Schwerverletzten hat nicht angepasste Geschwindigkeit zur Unfallentstehung beigetragen, bei den Unfällen mit Getöteten war dies bei gut einem Drittel der Fall.
Freie Fahrt für Einsatzkräfte: Landesregierung setzt Schwerpunkt bei Rettungsgassen

Trotz einer deutlichen Anhebung der Bußgelder für das Nicht-Bilden von Rettungsgassen blockieren immer wieder Auto- und LKW-Fahrer die lebensrettende Spur für die Einsatzkräfte. Innenminister Peter Beuth appellierte erneut an alle Verkehrsteilnehmer: „Wer keine Rettungsgasse bildet, gefährdet Menschenleben. Es gibt sogar immer wieder Autofahrer, die es fertigbringen, die Gasse für ein schnelleres Vorankommen im Stau zu missbrauchen. Seit September 2017 ist diese Rücksichtslosigkeit jetzt so teuer, dass sich jeder Verkehrsteilnehmer zweimal überlegt, ob ein paar Minuten Zeitersparnis ein Bußgeld von mindestens 200 Euro, Punkte in Flensburg und ein mögliches Fahrverbot wert sind. Ich freue mich sehr, dass der Bundesrat die hessische Initiative aufgegriffen hat.“
Bundesweit einmalig: Autobahnpolizeien testen Videostreifen

Seit November 2017 werden im Bereich der Polizeipräsidien Frankfurt, Mittelhessen und Südhessen insgesamt zwölf „Videostreifen“ eingesetzt. Die Streifenfahrzeuge der Autobahnpolizeien sind mit je einer hochauflösenden Front- sowie Heckkamera ausgerüstet. „Mit diesem bundesweit einmaligen Pilotprojekt dokumentieren wir das Fehlverhalten unbelehrbarer Rettungsgassenblockierer. Die Polizei hat nun dank dieser Innovation die Möglichkeit – ohne Zeitverlust – Verstöße auf der Fahrt zur Unfallstelle beweissicher aufzuzeichnen“, betonte Peter Beuth. Die Kosten für das Pilotverfahren liegen bei rund 1.000 Euro pro Fahrzeug.

Präventionskampagne wird erweitert: Neue Banner, Aufkleber, Parkscheiben, Flyer

Seit dem Start der Rettungsgassenkampagne im Sommer 2015 wurden rund 350.000 Flyer verteilt, Plakate an Behörden und Institutionen ausgegeben und Verkehrsteilnehmer landesweit mit Brückenbannern auf die wichtige Maßnahme hingewiesen. „Wir haben von Anfang an auch auf Prävention gesetzt und uns liegen zahlreiche Berichte von Einsatzkräften vor, wonach sich das Bewusstsein der Fahrerinnen und Fahrer für das Bilden der Rettungsgasse verbessert. Wir wollen darauf aufbauen und werden unsere Kampagne jetzt erweitern“, sagte der Innenminister. Neue Brückenbanner, Aufkleber für Einsatz- und Privatfahrzeuge, Parkscheiben, Plakate und weitere Flyer – mit dem zweiten Schritt der erfolgreichen Kampagne will die Landesregierung dafür Sorge tragen, dass die „Rettungsgasse“ immer wieder in Erinnerung gerufen wird. Unter Federführung des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport wurde im Jahr 2015 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um mit der Unterstützung des Verkehrs- und des Sozialministeriums sowie des Landesfeuerwehrverbandes Hessen e. V. und der Initiative „Rettungsgasse rettet Leben“ landesweit auf das wichtige Thema hinzuweisen.

Moderne Messanhänger werden hessenweit gegen Raser eingesetzt

Neben allen Versuchen, durch Aufklärung und Information eine Verhaltens- und Einstellungsänderung der Fahrzeugführer zu erreichen, wird die Polizei den Kontrolldruck aufrechterhalten. Da sich der Einsatz von Geschwindigkeitsmessanhängern in Hessen bewährt hat, werden 2018 alle Polizeipräsidien mit einem solchen Gerät ausgestattet. „Polizeiliche Geschwindigkeitsmessungen finden insbesondere an Unfallschwerpunkten statt. Raser gefährden mit ihrem Verhalten andere Verkehrsteilnehmer und deshalb werden wir verstärkt auf diese stationäre Überwachung setzen“, so Peter Beuth. Bei den Geschwindigkeitsmessanhängern handelt es sich um eine aufeinander abgestimmte Kombination von Anhänger und einer Geschwindigkeitsmessanlage. Er ermöglicht eine langfristige oder permanente Geschwindigkeitsmessung an Unfallschwerpunkten, die nicht über die für eine stationäre Überwachung nötige Infrastruktur verfügen. Dazu zählen Landstraßen und Baustellen aber auch zeitlich begrenzte Änderungen in der Verkehrsführung oder der Geschwindigkeitsbegrenzungen.

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