Rückläufige Zahl der Straftaten in Brandenburg

15. März 2018 | Themenbereich: Brandenburg, Kriminalität | Drucken

Die Zahl der registrierten Straftaten im Land Brandenburg ist im vergangenen Jahr um knapp 11.000 Fälle zurückgegangen. Das entspricht einem Minus von 5,8 Prozent. Erstmals wurden damit weniger als 180.000 Straftaten im Land Brandenburg erfasst; nämlich fast genau 175.000. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 hervor, die Innenminister Karl-Heinz Schröter und Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke heute in Potsdam vorstellten.

„Die Kriminalstatistik enthält eine ganze Reihe positiver Entwicklungen, was das Gesamtbild angeht“, sagte Schröter. Ausschlaggebend für die günstige Gesamtentwicklung waren vor allem die rückläufigen Trends beim Diebstahl, dort wurden fast 8.700 Fälle weniger erfasst als noch im Jahr 2016. Die Polizei stellte im vergangenen Jahr insbesondere weniger Diebstähle aus Kellerräumen (- 38 Prozent), weniger Diebstähle aus Büro- und Lagerräumen (- 18 Prozent) und weniger Fahrraddiebstähle (- 14 Prozent) fest. Es ist vor allem der Rückgang der Eigentumskriminalität, der den Rückgang der Gesamtkriminalität im Land Brandenburg bewirkt hat.

Höchste Aufklärungsquote seit zehn Jahren

Von den insgesamt erfassten rund 175.000 Straftaten im vergangenen Jahr konnten fast 97.000 Straftaten aufgeklärt werden. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 55,3 Prozent. Sie liegt damit um 2,3 Prozent besser als im Jahr 2016. Es handelt sich um die beste Aufklärungsquote seit zehn Jahren. Seit 2014 konnte die Aufklärungsquote im Land Brandenburg fortlaufend verbessert werden. Schröter: „Auch das ist eine erfreuliche Entwicklung, die der Arbeit unserer Polizei ein gutes Zeugnis ausstellt. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen der Polizei, die daran ihren Anteil hatten.“

Die Kriminalitätsbelastung im Land ging 2017 insgesamt zurück. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl misst die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner. Hier gibt es nach der Kriminalstatistik 2017 einen deutlichen Rückgang von knapp 7.500 auf jetzt 7.015. Schröter sagte dazu: „Vereinfacht, aber nicht unzutreffend kann man sagen: Insgesamt betrachtet ist Brandenburg im Jahr 2017 unter dem Strich sicherer geworden. Es gibt insgesamt weniger Straftaten bei zugleich verbesserter Aufklärungsquote.“

Anstieg der Gewaltkriminalität

Mit Sorge verfolge er hingegen die Entwicklungen im Bereich der Gewaltkriminalität, sagte Schröter. Unter Gewaltkriminalität versteht die Polizei Mord, Totschlag, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie einige weitere Delikte. Hier besteht in Brandenburg seit 2016 eine ungünstige Entwicklung.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt gut 5.100 Gewaltstraftaten festgestellt. Das sind rund 1.000 mehr als im Jahr 2015 und etwa 400 Straftaten mehr als im Jahr 2016. Zuvor war die Gewaltkriminalität im Land bis zum Jahr 2015 langjährig zurückgegangen. Schröter: „Selbstverständlich sind dies genau die Straftaten, die das Sicherheitsgefühl der Menschen in ganz besonderer Weise beeinträchtigen. Das ist völlig klar. Insofern sind wir gefordert, hier massiv dagegenzuhalten. Mit einer Vielzahl polizeilicher Maßnahmen tun wir dies auch.“ Dies drücke sich unter anderem in einer besonders hohen Aufklärungsquote bei Gewaltverbrechen von 84 Prozent aus, die gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent gesteigert werden konnte.

Die Eigentumskriminalität im Land hat dagegen deutlich abgenommen. Auch der Anteil an der Gesamtkriminalität sank von knapp 41 Prozent im Jahr 2016 auf gut 38 Prozent im Jahr 2017. Zugleich konnte die Aufklärungsquote bei Eigentumsdelikten auf 27,2 Prozent gesteigert werden, ein Plus um 1,2 Prozent.

Im Jahr 2017 wurden in Brandenburg weniger Kraftfahrzeuge gestohlen als im Jahr zuvor. Insgesamt wurden 2.513 Kraftfahrzeuge entwendet, das sind 348 weniger als im Jahr 2016. Brandenburg verzeichnet damit einen Rückgang um gut zwölf Prozent und liegt nun etwas besser als im Jahr 2015. Die Aufklärungsquote konnte leicht auf 20,2 Prozent gesteigert werden.

Deutlich weniger Wohnungseinbrüche

Eine besonders günstige Entwicklung kann die Kriminalstatistik beim Wohnungseinbruchdiebstahl feststellen: Wohnungseinbrüche gingen im Land Brandenburg von knapp 4.200 im Jahr 2016 auf knapp 3.200 im Jahr 2017 zurück. Das entspricht einem Rückgang um etwa 25 Prozent. Dies ist auch der niedrigste Wert seit 2011. Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbruch beträgt 22,4 Prozent. Über 60 Prozent der Wohnungseinbrüche werden im Umland von Berlin festgestellt.

Beim rückläufigen Trend bei Wohnungseinbrüchen könnte nach Auffassung des Ministers eine Rolle spielen, dass die Prävention der Polizei und der Haus- und Wohnungseigentümer nun deutlich stärker Wirkung zeige als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Die „Präventionslücke“ hat sich in den letzten Jahren zunehmend geschlossen. Während noch vor wenigen Jahren rund 40 Prozent aller Wohnungseinbrüche bundesweit im Versuchsstadium steckenblieben, waren es in Brandenburg nur 30 Prozent. 2017 liegt die Versuchsquote in Brandenburg bei über 39 Prozent, rund zehn Prozent besser als noch vor einigen Jahren.

Während die Zahl der Rauschgiftdelikte im Land um 270 Fälle leicht auf insgesamt gut 7.600 Fälle gestiegen ist, gab es bei den festgestellten Rauschgifttoten eine weitaus drastischere Entwicklung: 30 Rauschgifttote wurden erfasst, das sind neun mehr als noch im Jahr 2016. Es handelt sich dabei um einen neuen Höchststand im Land Brandenburg.

Rückgang der Kriminalität im Berliner Umland und auch an der Grenze

Auffällig in der Gesamtbetrachtung ist, dass sich der Rückgang der Gesamtkriminalität sowohl auf den „Speckgürtel“ um Berlin bezieht (80.054 Straftaten, 2016: 82.651Straftaten) als auch auf den grenznahen Raum an Oder und Neiße (Grenzgemeinden: 17.799 Straftaten, 2016: 19.618 Straftaten).

Die Polizei konnte im Jahr 2017 insgesamt 66.642 Tatverdächtige feststellen. Davon waren 16.313 nichtdeutsche Tatverdächtige, dies entspricht einem Anteil von 24,5 Prozent. Unter den festgestellten ausländischen Tatverdächtigen dominieren Polen (2.583), Syrer (2.153), russische Staatsangehörige (1.746) und Afghanen (814).

Ohne Berücksichtigung aufenthaltsrechtlicher Verstöße konnten insgesamt 62.616 Tatverdächtige festgestellt werden (- 0,9 Prozent). Darunter befanden sich 12.298 nichtdeutsche Tatverdächtige (+ sieben Prozent), und darunter wiederum 4.776 Zuwanderer (+ 9,5 Prozent). Der Anteil der Zuwanderer an den nichtdeutschen Tatverdächtigen beträgt knapp 39 Prozent. Sie verübten insgesamt 9.928 Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße), das entspricht einem Zuwachs von 4,1 Prozent. Unter den tatverdächtigen Zuwanderern fallen vor allem Syrer (1.207), russische Staatsangehörige (634) und Afghanen (610) auf.

Straftaten durch Zuwanderer machen insgesamt 6,5 Prozent der Gesamtkriminalität aus (2016: 5,4 Prozent), ohne ausländerrechtliche Verstöße 4,1 Prozent (2016: 3,2 Prozent).

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