Innensenator Mäurer stellt Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 vor – Raubüberfälle gehen das vierte Jahr in Folge zurück

2. März 2018 | Themenbereich: Bremen, Kriminalität | Drucken

Innensenator Ulrich Mäurer, Polizeipräsident Lutz Müller, der Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven, Harry Götze, sowie der Leiter des Landeskriminalamtes, Dr. Daniel Heinke, haben heute die Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 (PKS) vorgestellt. Mäurer: „Die Zahl der Straftaten ist in 2017 in wichtigen Kriminalitätsfeldern zurückgegangen. Aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Es bleiben genügend Herausforderungen, denen wir uns weiter Tag für Tag stellen müssen. “ Im Vergleich zum Vorjahr sanken in Bremen und Bremerhaven die Fallzahlen um 10.728 Delikte. Der größte Rückgang der Fallzahlen ist in Bremen Stadt mit 10.122 Fällen festzustellen.

Die Kriminalitätshäufigkeitszahl (Straftaten pro 100.000 Einwohner) sank im Land ebenfalls deutlich von 13.687 auf 11.960, dabei erreichten Bremen und Bremerhaven den niedrigsten Stand der letzten 25 Jahre. Vor allem Eigentumsdelikte sind, analog zum Bundestrend, stark gesunken. So ging in Bremen der Wohnungseinbruch (einschließlich der Versuche) um 13,5 Prozent zurück, in Bremerhaven um 25,9 Prozent. Deutlich rückläufig (s.u.) sind die Fallzahlen zudem beim KFZ-Aufbruch, dem Fahrraddiebstahl und dem Taschendiebstahl. Die Polizei der Seestadt hatte allerdings mit einer Steigerung von über 100 Prozent bei den Brandstiftungen zu kämpfen und richtete eine eigene sogenannte BAO (Besondere Aufbauorganisation) für Ermittlungszwecke ein. Die Aufklärungsquote für das Land Bremen blieb mit 48,5 Prozent (48,4 in 2017) nahezu gleich. In der Seestadt konnte sie mit 54,7 im Vergleich zum Vorjahr nochmals verbessert werden.

Zu den Fallzahlen in der Stadt Bremen:

Die Gesamtzahl der bekannt gewordenen Straftaten sank von 78.465 auf 68.343 Straftaten. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl (Straftaten pro 100.000 Einwohner) in der Stadt Bremen sank von 14.075 auf 12.081.
Die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte betrug 5. In 24 weiteren Fällen ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft wegen eines versuchten Tötungsdeliktes. Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsfeld betrug 93,1 Prozent.

Die Zahl der angezeigten Sexualdelikte stieg im Vergleich zum Vorjahr erneut an, nämlich von 467 auf 545 Fälle. Dabei sind wegen einer erheblichen Gesetzesänderung im Sexualstrafrecht die Zahlen des Jahres 2017 allerdings nicht ohne weiteres mit den Fallzahlen der vorangehenden Jahre vergleichbar. Polizeipräsident Lutz Müller: „Wir stellen bundesweit seit 2016 einen Anstieg bei den angezeigten Sexualdelikten fest und führen dies vor allem auf eine erhöhte Anzeigenbereitschaft im Deliktsbereich der sexuellen Belästigung zurück.“ Diese stehe in Zusammenhang mit den seit Monaten international geführten öffentlichen Debatten zur sexuellen Selbstbestimmung der Frau, aber auch mit dem verschärften Sexualstrafrecht, das Ende 2016 in Kraft trat. Unter anderem wurde der Tatbestand der sexuellen Belästigung im § 184i StGB normiert. Derlei Delikte wurden bis 2016 als Beleidigung auf sexueller Grundlage erfasst und gingen damit nicht im PKS-Schlüssel der Sexualdelikte auf. 140 Anzeigen sind diesem Bereich zuzuordnen.

Müller: Wir bekommen nun nach Großveranstaltungen Anzeigen, mit denen die Betroffenen früher erst gar nicht zu uns gekommen sind. Parallel zur Strafrechtsverschärfung fordern wir Mädchen, Jungen und Frauen vor Festivals und ähnlichen Veranstaltungen zudem gezielt auf, jegliche sexuelle Übergriffe sofort zu melden. Das trägt ganz offenbar Früchte.“

In den vergangenen Jahren hat sich die Polizei Bremen gezielt auf das Deliktsfeld Raub ausgerichtet und konnte das vierte Jahr in Folge einen Rückgang feststellen, nämlich von 966 auf 868 Fälle. Die stärkste Belastung lag wie in den Vorjahren in der Innenstadt mit 110 Fällen. Dennoch kam es im Vergleich zum Vorjahr auch hier zu einem Rückgang um 19 Prozent. Brennpunkt war weiterhin das Viertel, wo die Raubüberfälle zeitweise sprunghaft anstiegen. Es gab aber auch in anderen Teilen Bremens Serien, die stadtteilbezogen die Zahlen für einige Zeit haben hochschnellen lassen. Im Bremer Osten konnte nach umfangreichen Ermittlungsarbeiten ein Großteil der Delikte einem Intensivtäter sowie einem minderjährigen Flüchtling nachgewiesen werden. In der Neustadt ging eine Serie auf einen 19-jährigen Deutschen zurück, der gleich mehrere Taten einräumte.

Die Zahl der einfachen Körperverletzungen stieg erneut leicht an, von 4.248 auf 4.314 Fälle. Die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzung sank von 1.775 auf 1.587 Fälle. Ein erheblicher Anstieg ist dagegen bei den Gewaltdelikten gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte festzustellen. Die Fallzahlen schnellten von 329 auf 402 Anzeigen in die Höhe. Damit sind sie ähnlich hoch wie in 2015.

Die Diebstahlsdelikte sanken erheblich von 38.299 auf 31.624 Fälle im vergangenen Jahr. Der Deliktsbereich Diebstahl an und aus Kraftfahrzeugen ging von 7.791 auf 5.429 zurück und die Zahl der gestohlenen Räder von 5.848auf 4.901. Positiv auch der Trend bei den Wohnungseinbrüchen: In 2016 wurden noch 2.600 Delikte in Bremen gezählt, im vergangenen Jahr waren es mit 2.249 deutlich weniger. Innensenator Mäurer: „Das ist erfreulich, aber noch nicht zufriedenstellend, auch wenn der Anteil der Versuche, bei denen gute Tür- und Fenstersicherungen die Einbrüche verhinderten, in den letzten zehn Jahren von 34,2 auf 43,7 Prozent angestiegen ist.“ Polizeipräsident Müller fügte hinzu: „Beim Wohnungseinbruch betrug die Aufklärungsquote knapp 7 Prozent.“ Damit könne man nicht zufrieden sein. Müller führte die niedrige Aufklärungsrate unter anderem auf professionell arbeitende internationale Banden und ihr geschicktes Vorgehen zurück sowie auf die aktuell nur begrenzt zur Verfügung stehenden personellen Möglichkeiten.

Organisierte Kriminalität steckt auch in dem Deliktsbereich „Straftaten gegen ältere Menschen“ (SÄM-Delikte). „Trotz erheblicher Anstrengungen seitens der Polizei sind die Fallzahlen von 2016 auf 2017 sprunghaft von 828 auf 1.488 Fälle angestiegen“, zeigte sich Senator Mäurer besorgt. Bremen sei offensichtlich ein „Hotspot“ von Betrügern, die mit unterschiedlichen Betrugsmaschen (z.B. durch Auftreten als falsche Polizisten, falsche Wasserwerker, falsche Gerichtsvollzieher) ältere Menschen skrupellos um ihr Erspartes bringen wollten. Oft agierten die Drahtzieher aus dem Ausland, hätten aber frühere Bezüge zu Bremen. Die Betroffenen seien anschließend nicht nur einen Teil Ihrer Ersparnisse los, sondern für sie breche oft eine Welt zusammen mit erheblichen psychischen Auswirkungen auf ihr weiteres Leben. Mäurer: „In diesem Bereich müssen wir unsere Anstrengungen noch einmal deutlich verstärken.“ Immerhin: In 73,1 Prozent der angezeigten Fälle scheitern die perfiden Betrüger an ihren inzwischen oft gut informierten potenziellen Opfern oder deren aufmerksamen Umfeld. „Jeder größerer Beitrag in den unterschiedlichen Medien hilft, weitere Betrüger ins Leere laufen zu lassen“, appellierte Bremens Innensenator an Zeitungen, Hörfunk- und Fernsehsender, das Thema auch künftig immer wieder aufzugreifen. „Es lohnt sich!“

Mäurer griff in der Pressekonferenz auch die sogenannte Tatverdächtigungsbelastungszahl pro 100 000 Einwohnern bei Deutschen und bei Nichtdeutschen auf. Bei Deutschen lag die Belastungszahl im vergangenen Jahr bei 2.546 (2.741 in 2016), bei Nichtdeutschen bei 8.275 (9698 in 2016). Bei jugendlichen und heranwachsenden Tatverdächtigen unter 21 lag die Tatverdächtigenbelastungszahl bei 6.763, bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen im vergangenen Jahr bei 17.707. In 2016 waren es in dieser Gruppe pro 100 000 Einwohner noch 23.163 gewesen.

„In der Statistik spiegeln sich unter anderem auch die vielen Taten junger Intensivtäter wieder, die in jüngster Vergangenheit meist ohne Angehörige zusammen mit den Flüchtlingen nach Bremen gekommen sind“, so Mäurer. Zugleich verwies Senator Mäurer auf die seit vielen Jahren stetig abnehmenden Tatverdächtigungsbelastungszahlen bei jungen Deutschen. Im Jahr 2008 habe sie noch bei 12.271 gelegen. Heute habe sich die Belastungszahl nahezu halbiert. Auch bei Nichtdeutschen unter 21Jahren zeigt sich in den letzten 10 Jahren grundsätzlich ein positiver Trend, der nur in den Jahren 2014-16 durch das Verhaltender bereits genannten Täter unter anderem aus Nordafrika durchbrochen wurde. Programme wie „Stopp der Jugendgewalt“ zeigten hier eindeutig Wirkung wie auch die Integrationsbemühungen auf unterschiedlichsten Ebenen.

Im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016 hat sich mit Auflösung der Massenunterkünfte für Flüchtlinge ein sogenannter kriminogener Faktor verändert, der sich nun positiv auf die Statistik niederschlägt. Innensenator Mäurer: „Die neue Umgebung, die Enge in den Unterkünften, die traumatischen Erlebnisse der Flucht, die unsicheren Perspektiven und das lange Warten hat bei den betroffenen Menschen damals die Nerven bloß liegen lassen, sodass die Polizei beinahe zwangsläufig immer wieder Einsätze in den Unterkünften fahren musste.
Mit Nachlassen des Zuzuges, einer eigenen Wohnung, dem Schulbesuch und so etwas wie einem neuen Alltag hat sich aber das Lagebild verbessert.“

Hinzukomme dass, anders als früher, inzwischen minderjährige Flüchtlinge umverteilt würden und nicht mehr ausschließlich in den Großstädten blieben und der Umgang mit jugendlichen Intensivtätern, insbesondere aus Nordafrika ressortübergreifend erheblich intensiviert wurde. Zehn junge, ausländische Intensivtäter seien zudem in den vergangenen Monaten in ihre Heimatländer abgeschoben worden. Sieben weitere säßen aktuell in Bremen in Strafhaft oder U-Haft.
Mäurer: „Erfreulich in diesem Zusammenhang ist, dass wir in Bremen 269 weniger Taschendiebstähle und 98 weniger Raubüberfälle hatten und zudem die gefährliche und schwere Körperverletzung im vergangenen Jahr um 188 Fälle zurückgegangen ist. Aber wir dürfen uns deshalb nicht zurücklehnen. Gerade die Gewalt im öffentlichen Raum ist weiter ein Problem, insbesondere was die zunehmende Brutalität und den Einsatz von Messern betrifft“, betont Mäurer und weiter: „Besondere Sorgen bereiten uns aber weiterhin Mehrfach- und Intensivtäter, deren kriminelles Verhalten derartig verfestigt ist, dass man nur durch konsequente Ermittlungsarbeit und justizielle Sanktionen Wirkung erzielen kann. „Da der Anteil der nichtdeutschen Mehrfach- und Intensivtätern im Verhältnis sehr hoch ist, werden wir darüber hinaus konsequent von dem Mittel der Abschiebung Gebrauch machen.“