Sekt und Selters – Betrachtungen des BDK LV Berlin zur „Entlassung“ von Polizeipräsident Kandt

28. Februar 2018 | Themenbereich: Berlin, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

 

Der BDK LV Berlin hat die am Montag bekannt gewordene Entscheidung des Berliner Innensenators Geisel, Herrn Kandt mit sofortiger Wirkung aus dem Amt des Polizeipräsidenten zu entfernen, differenziert zur Kenntnis genommen. Die Entscheidung, den Chef einer Behörde, die seit Monaten in der öffentlichen Kritik steht, abzulösen, ist zunächst legitim und war geradezu erwartbar, wenn schon die Übernahme von politischer Verantwortung aus der Mode gekommen zu sein scheint.

Befremdlich ist jedoch die Art und Weise der „Entlassung“ von Herrn Kandt. Wenn dieser Entscheidung nach eigenem Bekunden von Herrn Geisel kein konkreter, aktueller Vorfall zugrunde lag, muss davon ausgegangen werden, dass der Innensenator hier mit der fristlosen „Entlassung“ zum jetzigen Zeitpunkt den maximalen Gesichtsverlust seines „Mitarbeiters“ produzieren wollte oder diesen zumindest billigend in Kauf genommen hat. Die Erfahrung mangelnder Fürsorge und Fairness mussten leider auch Kolleginnen und Kollegen auf allen Hierarchieebenen immer wieder machen. Auf dieser Ebene war es in der Vergangenheit so nicht wahrnehmbar.

Ist es Zufall, dass die Bekanntgabe der Entscheidung genau zu dem Zeitpunkt erfolgte, als Rechtssicherheit darüber bestand, dass Polizeivizepräsidentin Koppers das Amt der Generalstaatsanwältin antreten kann? Herr Kandt und Frau Koppers sind innerbehördlich immer als Führungsduo aufgetreten, das gemeinsam die Verantwortung trägt. Wurde Frau Koppers also „weggelobt“ oder gibt es andere Gründe, warum man ihr trotz ihrer Mitverantwortung für den Zustand der Polizeibehörde (von dem laufenden Ermittlungsverfahren in Sachen Schießstätten ganz zu schweigen) eine „Neuausrichtung“ der Strafverfolgungsbehörden anvertraut?

Der BDK meint: Da passt was nicht, wenn man den einen mit Wasser in die Wüste schickt und für die andere die Sektkorken knallen lässt.

Der BDK wird nun aufmerksam beobachten, wen der Innensenator als Nachfolger/in aus dem Hut zaubern wird – eine weitere Merkwürdigkeit, dass diese/r wohl schon ausgemacht, aber noch nicht verkündbar ist. Es bleibt die Hoffnung auf eine neue Behördenleitung, welche das Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen sowie der Öffentlichkeit zurück gewinnt. Und egal, wer jetzt neu kommt: Ein echter Wandel ist nur möglich, wenn die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür schafft und nicht weiter in parteipolitische Symbolpolitik abgleitet.