Innenminister Grote kündigt Entlastung für langjährig im Schichtdienst arbeitende Polizisten an Kiel.

15. Februar 2018 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen, Schleswig-Holstein | Drucken

Nur zwei Wochen, nachdem sich die Gewerkschaft der Polizei mit einem offenen Brief an Hans-Joachim Grote gewandt hatte (wir berichteten am 29. Januar 2018), hat das Kabinett reagiert: Wie Ministerpräsident Daniel Günther Mitte Februar bekannt gab, gibt es Änderungen und Verbesserungen im Zusammenhang mit der Arbeitszeit im Wechselschichtdienst für Polizei und Justizvollzug in Schleswig-Holstein. Die neue Regelung sieht vor, dass Beamtinnen und Beamte, die seit Jahren regelmäßig Nachtschichten ableisten, in Zukunft entlastet werden. Konkret bedeutet dies, dass ab 1. März dieses Jahres Polizisten, die seit mindestens 20 Jahren regelmäßig Nachtschichten ableisteten, zwei Stunden weniger pro Woche arbeiten müssen. Langfristig werde die Arbeitszeit sogar um insgesamt fünf Arbeitsstunden pro Woche sinken, erklärte der Ministerpräsident. Damit sollen laut Günther gesundheitliche Belastungen, die sich aus dem Wechselschichtdienst ergeben, schon jetzt ausgeglichen werden. Die neue Regelung berühre nach Aussagen des Innenministeriums vor allem Beamtinnen und Beamte, die regelmäßig wechselnde Arbeitszeiten hätten und durchschnittlich mindestens 440 Nachtstunden auf einer Dienststelle mit durchgehender Besetzung im ganzen Jahr arbeiten würden. Dies könnte etwa 2.400 Arbeitsplätze betreffen.
Die Gewerkschaft der Polizei freut sich über die rasche Reaktion auf den offenen Brief und die Entscheidung. „Damit hat der Ministerpräsident die Tür für Entlastungen der durch Schichtdienst am stärksten belasteten Polizistinnen und Polizisten im Streifen- und Einsatzdienst geöffnet und den Ergebnissen der von der GdP vor drei Jahren organisierten Belastungskonferenz Rechnung getragen“, so der GdP-Landesvorsitzende Torsten Jäger.
Bei der Konferenz hatten unter anderem die bundesweit angesehene Arbeitsmedizinerin Dipl.-Psych. Hiltraud Grzech-Sukalo und Polizeiarzt Thomas Wagner (Foto unten) auf die Gesundheitsbelastungen durch den Schichtdienst hingewiesen. Als Folge der unter großem Medieninteresse abgehaltenen Konferenz mit über 100 Kolleginnen und Kollegen aus Schleswig-Holstein war auf Geheiß der damaligen Spitze der Landespolizei die „Arbeitsgruppe Kompensation“ eingerichtet und mit der Suche nach Lösungsmöglichkeiten beauftragt worden. Mit Blick auf die Ergebnisse der Belastungskonferenz hält die Gewerkschaft der Polizei neben der sukzessiven Reduzierung der Wochenarbeitszeit für Wechselschichtdienstleistende die Reduzierung der Lebensarbeitszeit durch vorgezogenen Ruhestandseintritt ohne Versorgungsabzüge ab dem 60. Lebensjahr je nach Verweildauer oder Stehzeit im Wechselschichtdienst und/oder Schwerpunktdienst als einen weiteren Schritt zur gesundheitsförderlichen Entlastung für geboten.