Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017

2. Februar 2018 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Hamburg, Interessenvertretungen | Drucken

Das politische Ausschlachten der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik trägt seit einigen Jahren immer bizarrere Züge. Stehen die PKS – Zahlen valide fest, entsteht im politischen Raum regelmäßig ein immer härterer Wettkampf darum, welche Partei die Zahlen für sich oder gegen die Konkurrenz verwenden kann. Gerne werden Zahlen dann auch schon mal vorab der Presse durchgesteckt, neuerdings sogar unterjährig! Leidtragende sind dann immer wie-der zahlreiche Beschäftigte der Polizei Hamburg, die unter erheblichem Zeitdruck der Politik die Zahlen aufbereiten und erklären müssen, so wie auch in diesem Jahr wieder geschehen.

Liebe Politiker – Hört endlich damit auf!

Denn die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik ist nach wie vor nichts anderes als eine Strichliste für im Hellfeld bekannt gewordene und deshalb angezeigte Straftaten! Straftaten aus dem Dunkelfeld, die nicht angezeigt werden und um deren Feststellung sich die Polizei aktiv bemühen muss, finden hingegen regelmäßig keine Berücksichtigung. Ebenso verhält es sich mit Straftaten, die wegen des Personalmangels nicht bearbeitet werden oder bei deren Bearbeitung keine Hamburger Zuständigkeit erkannt wird. Ferner spiegelt die PKS ebenfalls nicht wieder, wie viel Ermittlungsaufwand bei der Abarbeitung der angezeigten Straftaten betrieben werden muss. Weshalb ein Fahrraddiebstahl in der PKS genau so viel zählt wie ein Mord: Einen Strich!

Nun zur PKS 2017: Sinkende Fallzahlen und eine gestiegene Aufklärungsquote im Wohnungseinbruchsdiebstahl (WED)! Keine Frage, die gute Arbeit der SOKO „Castle“ hat auch über den Bundestrend sinkender Fallzahlen im WED hinaus einen großen Beitrag zu diesem guten Ergebnis geleistet. Der große Verdienst der SOKO „Castle“ liegt allerdings darin, dass jetzt jedem klar ist, wie viel Personal und Sachmittel aufgebracht werden müssen, um den Wohnungseinbruch auch weiterhin erfolgreich bekämpfen zu können. Der BDK fordert deshalb die schnellstmögliche Überführung der gesamten SOKO „Castle“ –sprich mit all ihren Ermittlern, Analysten, Auswertern und operativen Kräften- in die Alltagsorganisation des LKA 1.

Ferner zeigt das gute Arbeitsergebnis der SOKO „Castle“ wieder einmal, dass dort wo die Polizei Hamburg mit Ihren beschränkten Mitteln Prioritäten setzt, Kriminalität erfolgreich bekämpft wird. Da wo keine Prioritäten gesetzt werden können – weil das Personal fehlt – bleibt hingegen die Arbeit liegen oder wird erst gar nicht angepackt. Wobei wir beispielhaft bei den hunderten, unbearbeiteten Ausländerdelikten im LKA 1, der datenschutzrechtlichen Überprüfung tausender Kriminalakten im LKA 2, dem Zeitverzug in der Bearbeitung ausstehender DNA Analyseverfahren im LKA 3, den Problemen in der Begleitung von Sexualstraftätern im LKA 4, den sich immer wieder auftürmenden Betrugshalden im LKA 5, der die Politik nicht interessierenden Rocker-, Rauschgift- und Organisierten Kriminalität im LKA 6, sowie dem erheblichen Verzug an Sicherheitsüberprüfungen im LKA 7 wären.

Der Senat mag die PKS 2017 als großen, innenpolitische Erfolg für sich vermarkten, die Opposition das Gegenteil behaupten. Diejenigen, die für die Sicherheit und Ordnung in der Stadt sorgen, die Bediensteten der Polizei Hamburg, wissen, was Sie von dieser Statistik zu halten haben: Eine Strichliste, für angezeigte und polizeilich abgearbeitete Straftaten. Mehr nicht!