Schleswig-Holsteiner leben weiterhin gern und sicher in ihrem Land

16. Januar 2018 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Schleswig-Holstein | Drucken

Innenminister Grote hat heute (15. Januar 2018) die Ergebnisse der zweiten schleswig-holsteinischen Dunkelfeldstudie vorgestellt. Die Studie liefert erstmals Erkenntnisse über die Veränderung der Erfahrungen und Einschätzungen der Bevölkerung zu den Themen Sicherheit und Kriminalität.

„“Die herausragende Aufgabe unseres Staates ist es, für die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger zu sorgen. Schleswig-Holstein geht als eines der wenigen Bundesländer zum zweiten Mal den Weg, die Bevölkerung dazu direkt zu befragen““, sagte Grote im Rahmen der Präsentation in Kiel. „“Ich freue mich, dass das Vertrauen der Menschen in unseren Rechtsstaat in diesen ohne Frage nicht einfachen Zeiten sogar deutlich gestiegen ist. Gleiches gilt für die Bewertung der Arbeit unserer Landespolizei““, sagte Grote.

Das Sicherheitsgefühl wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die nicht im Wirkungsbereich der Polizei liegen, und ist bei weitem nicht nur von tatsächlicher Kriminalität abhängig. Eine beruhigende Erkenntnis sei deshalb, dass der im Vergleich zur vergangenen Erhebung im Jahr 2015 leichte Anstieg in der Kriminalitätsfurcht nicht mit der tatsächlichen Sicherheitslage korrespondiere. Denn die Zahl derer, die berichten, Opfer einer Straftat geworden zu sein, ist seit der letzten Befragung nicht angestiegen.

An den Erkenntnissen zum Thema Wohnungseinbruchskriminalität werde der Wert der Dunkelfeldstudie als Entscheidungshilfe für die Schwerpunktsetzung bei der Polizeiarbeit besonders deutlich, betonte Grote. „“Die Bekämpfung der Wohnungseinbruchskriminalität war in den vergangenen Jahren ein Top-Thema in Schleswig-Holstein. Nicht nur die Polizei hat hier einen eindeutigen Schwerpunkt gesetzt. Auch in der Präventionsarbeit sowie mit Millionenprogrammen zur Förderung des Einbruchsschutzes von Wohnungseigentum wurde von staatlicher Seite viel angestoßen. Die Befragung zeigt deutlich, dass die Bevölkerung in diesem Bereich achtsamer geworden ist und so die Schwerpunktsetzung der Polizei unterstützt““, sagte Grote.

Trotz der nachweislichen Erfolge in diesem Bereich hält es allerdings mehr als jeder Fünfte für wahrscheinlich, dass bei ihm eingebrochen wird. „“Das kann uns nicht zufrieden stellen. Deshalb muss dieser Schwerpunkt bestehen bleiben““, betonte Grote.
Zur Methode der Befragung (Folie 4 und 5)

Bei der „Befragung zu Sicherheit und Kriminalität“ wurden 25.000 zufällig ausgewählte Personen ab 16 Jahren durch das Landeskriminalamt angeschrieben. Der Rücklauf fiel mit 11.614 ausgefüllten Fragebögen weiterhin sehr hoch aus, wenn auch etwas niedriger als in der ersten Erhebungswelle vor zwei Jahren.

Stattgefunden hat die repräsentative Befragung in den Monaten März und April 2017, wobei sich die Fragen zur Opferwerdung und zu Kontakten mit der Polizei auf das Kalenderjahr 2016 beziehen. Die Erhebung erfolgte mithilfe eines 20-seitigen Fragebogens, welcher aus 58 Fragen zu den Komplexen „Leben in Schleswig-Holstein“, „Kriminalitätsfurcht“, „Kriminalitätsbelastung im Jahr 2016“ sowie „Bewertung der Polizei“ bestand. Für das Zusatzmodul „Vorurteilsgeleitete Kriminalität (hate crime)“ stehen die Auswertungen und die Veröffentlichung noch aus.
Zu den Ergebnissen im Einzelnen:

Leben in Schleswig-Holstein (Folie 6 und 7)

Der größte Teil der Befragten berichtet nach wie vor über eine hohe Nachbarschaftsintensität und empfindet das eigene Wohnumfeld als ordentlich, sauber und räumlich-baulich attraktiv. Zudem sind die Schleswig-Holsteiner meist mit ihrem Wohnumfeld eng verbunden und ziehen selten um.
Die Wahrnehmung von Flüchtlingen im eigenen Umfeld wurde 2017 erstmal erfragt. Es zeigt sich, dass nur wenige Schleswig-Holsteiner viele Flüchtlinge in ihrer Umgebung wahrnehmen. Zudem fühlen sich die Allermeisten durch diese nicht bedroht.

Kriminalitätsfurcht (Folie 8 bis 11)

Die Furcht vor Kriminalität ist in Schleswig-Holstein in den vergangenen zwei Jahren leicht gestiegen. Dies betrifft allerdings nahezu alle im Hinblick auf Kriminalitätsfurcht erfassten Aspekte. „“Die Entwicklung ist jedoch angesichts der zunehmendem Präsenz von sicherheitsrelevanten Themen in den Medien zu erwarten gewesen““, kommentierte der Kriminalpsychologe Dr. Lars Riesner des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein. Bemerkenswert sei jedoch der Umstand, dass die gefühlte Unsicherheit nicht nur bei den Delikten ansteigt, welche medial im Vordergrund stehen, sondern das Sicherheitsgefühl im Allgemeinen betroffen ist.

Als problematisch bezeichnete Dr. Riesner, dass sich mehr Menschen zu ihrer vermeintlichen Verteidigung bewaffnen. „“Dies ist der falsche Weg und erhöht die Gefahr von Verletzungen, unter anderem dadurch, dass die Waffe gegen einen selbst eingesetzt werden kann.““ In Situation der Bedrängnis ist der Ruf nach der Polizei weiterhin die beste Lösung. Dass die Menschen in Schleswig-Holstein ihre Wohnungen zunehmend besser sichern, ist hingegen eine eher positive Entwicklung.

Kriminalitätsbelastung (Folie 12 bis 15)

Die Steigerung der Kriminalitätsfurcht spiegelt sich in der tatsächlichen Opferwerdung insgesamt nicht wider. Nur in vereinzelten Deliktsbereichen kam es zu Veränderungen von 2014 zu 2016. Der vermeintliche Anstieg der Sexualdelikte in der Studie erklärt sich durch die zusätzliche Erfragung von exhibitionistischen Handlungen für das Jahr 2016. Beim Wohnungseinbruchdiebstahl gab es lediglich bei den Versuchstaten einen Anstieg. Damit hat sich das Verhältnis von vollendeten zu versuchten Taten deutlich ins Positive verschoben. „“Dies ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf bessere Präventionsmaßnahmen zur Eigentumssicherung zurückzuführen““, so Dr. Riesner.

Anzeigeverhalten (Folie 16)

Die leichte Verbesserung der Anzeigequote ist über alle Delikte betrachtet statistisch nicht signifikant, wohl aber für den versuchten Wohnungseinbruch. „“Dieses Anzeigeverhalten ist besonders wichtig, da die Polizei auch aus solchen Taten wertvolle Ermittlungsansätze generieren kann““, erklärt Stephan Nietz, stellvertretender Leiter des Landeskriminalamtes. „“In den vergangenen Jahren hat die Landespolizei Schleswig-Holstein erhebliche Kraftanstrengungen unternommen, um der Wohnungseinbruchskriminalität Einhalt zu gebieten. Ein Augenmerk war es, die Anzeigebereitschaft zu steigern““, so Nietz.

Wahrnehmung von Polizei und Bewertung von Polizeikontakten (Folie 17 bis 20)

Das Vertrauen in die Polizei hat sich von 2015 zu 2017 in allen vier erfragten Aspekten signifikant verbessert, obwohl die Ergebnisse der ersten Studie bereits zufriedenstellend waren. So stimmen noch mehr Befragte beispielsweise den Aussagen zu, dass man von der Polizei gerecht behandelt wird, diese nach Recht und Gesetz handelt und man sich auf den Rechtsstaat verlassen kann.

Gleiches gilt für die Bewertung der Arbeit der Polizei. Hinsichtlich der Leistung in der Verbrechensbekämpfung und der vom Sozialstatus unabhängigen Gleichbehandlung haben sich die Bewertungen ebenfalls verbessert. Deutliche Steigerungen gab es bei der Einschätzung der Hilfsbereitschaft und des gerechtfertigten Einsatzes von Gewalt. Dass die Polizei auch Deutsche und Ausländer gleich behandelt, nehmen hingegen nach wie vor nur knapp vier Fünftel der Befragten an.

Erfreulicherweise sind alle einer Bürgerpolizei zugedachten positiven Eigenschaften nochmals besser bewertet worden. Dies betrifft unter anderem Bürgerfreundlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und professionelles Auftreten. Auch die in der Vorstudie von etwa einem Viertel der Befragten bemängelte Flexibilität hat sich verbessert.

Die Bewertung der Polizeikontakte bleibt von 2014 zu 2016 weitgehend stabil. Hinsichtlich der meisten Aspekte ergibt sich ein positives Bild. Das Auftreten der Polizei wurde demnach noch freundlicher also zuvor wahrgenommen.

Problematisch dagegen bewerten viele Befragte, dass sie sich über den Fortgang der polizeilichen Arbeit nicht ausreichend informiert fühlen. „“Es haben bereits konkrete Überlegungen stattgefunden, Geschädigte nach Beendigung der polizeilichen Ermittlungen standardisiert über diesen Schritt zu informieren““, erläuterte Stephan Nietz, „“wir planen hierzu einen Modellversuch samt Evaluation innerhalb einer Polizeidirektion des Landes.““

Als überlastet haben zwei von fünf Befragten die Polizisten wahrgenommen, nachdem sie mit ihnen Kontakt hatten. In der vorherigen Studie hatte diesen Umstand nur einer von vier Bürgern berichtet. „“Diese Entwicklung halte ich für bedenklich““, sagte Innenminister Grote, „“deshalb ist es gut und richtig, dass die Koalition sich darauf verständigt hat, in dieser Legislaturperiode 500 zusätzliche Stellen für die Polizei zu schaffen.““ Es werde allerdings einige Zeit dauern, bis die Beamtinnen und Beamten ausgebildet sind und die Präsenz tatsächlich erhöhen könnten. „“Wichtig ist, dass wir am Ende wirklich den kompletten Umfang von 500 Stellen auf die Straße bringen: Daran arbeiten wir!““

Der vollständige Kernbefundbericht sowie die Ergebnispräsentation der Pressekonferenz sind am Montag den 15. Januar 2018 ab 14:30 Uhr unter folgendem Link erhältlich:

schleswig-holstein.de/polizei
Pressemittelung zum Download

Ergebnis der zweiten Dunkelfeldstudie: Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner leben weiterhin gern und sicher in ihrem Land (PDF 63KB, Datei ist nicht barrierefrei)

 

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