Gewalttäter erst gar nicht zum Stadion reisen lassen

19. Oktober 2017 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

570 000 Arbeitsstunden hat die Polizei in NRW in der letzten Bundesligasaison aufbringen müssen, um die Spiele der Bundesliga, der 2. Bundesliga, der 3. Liga und der Regionalliga West gegen Ausschreitungen gewaltbereiter Fußballfans zu schützen. Das sind fast 70 000 Stunden mehr als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der Störer, die als gewaltbereit oder sogar gewaltsuchend bekannt sind, ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen, auf 4780. Im Jahr zuvor hatte sie noch bei 4314 gelegten. Das zeigt der heute bekanntgewordene Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei (ZIS) für die Bundesligasaison 2016/17.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mit Blick auf die gestiegene Störerzahl, dass Polizei und Fußballvereine die Problemfans noch konsequenter von den Stadien und deren Umfeld fernhalten. „80 Prozent aller Straftaten passieren in der Bundesliga im Stadion oder in dessen unmittelbarem Umfeld. In der 3. Liga gilt das sogar für 86 Prozent aller Straftaten. Verübt werden sie nicht von den mehr als sechs Millionen Zuschauern, die jedes Jahr alleine in NRW die Spiele der obersten drei Fußballligen besuchen, sondern von einigen Tausend der Polizei und den Vereinen bekannten Gewalttätern. Deshalb ist es wichtig, gezielt gegen diese Gruppe vorzugehen. Stattdessen Kollektivstraftaten gegen die friedlichen Fans zu verhängen, hilft dabei nicht weiter“, sagte GdP-Landesvorsitzender Arnold Plickert.

Um die Störer von den Stadien fernzuhalten, muss die Polizei für bekannte Gewalttäter konsequent Bereichsbetretungsverbote für die Stadien und deren Umfeld aussprechen und sie parallel zu den Spielen zu Gesprächen ins Polizeipräsidium vorladen. Insbesondere bei Hochrisikospielen. Die Vereine müssen zudem gegen die Rädelsführer unter den sogenannten B-und C-Fans, die für ihre Bereitschaft zur Gewalt bekannt sind, gezielt Stadionverbote erlassen und ihnen Vergünstigungen, wie die Überlassung von eigenen Räumen in den Stadien und von Karten, entziehen.

Eine Absage erteilt die GdP hingegen allen Überlegungen, die Zahl der Polizisten, die die Fußballspiele schützen, zu reduzieren. „Die Einsatzstärke der Polizei muss sich an der Realität orientieren, nicht an politischem Wunschdenken!“, sagte Plickert. „Die Gleichung: ‚weniger Polizisten = weniger Gewalt‘ ist eine Illusion. Sie gefährdet nur die Gesundheit der wirklichen Fußballfans und der Polizistinnen und Polizisten.“

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