„Höchste Rückgänge in der Kriminalstatistik seit 10 Jahren“

1. Oktober 2017 | Themenbereich: Kriminalität, Niedersachsen | Drucken

„Niedersachsen war in den letzten 10 Jahren noch nie so sicher wie aktuell! Auch wenn die Polizeiliche Kriminalstatistik bis zur Festschreibung am Jahresende noch Veränderungen unterliegt – dieser wesentliche Trend zeichnet sich bereits heute eindeutig ab. Wir leben in einem sicheren Bundesland, mit zuverlässig arbeitenden Sicherheitsbehörden und wir freuen uns über einen in dieser Form seit langen Jahren einmaligen Rückgang in der Kriminalstatistik im ersten Halbjahr 2017. Eine insgesamt hervorragende Bilanz, für die ich mich vor allem bei den stark geforderten, aber trotzdem hochmotivierten Polizistinnen und Polizisten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden bedanken möchte“, so der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, heute (29. September 2017) bei der Vorstellung der Kriminalitätskennzahlen.

Hier einige Kernpunkte der heute vorgestellten Zahlen:

Deutlich weniger Straftaten[1]:

Die Anzahl der im ersten Halbjahr 2017 registrierten Straftaten ist insgesamt deutlich von 291.673 Fällen auf 268.080 Fälle (im Vergleichshalbjahr von Januar bis Juni 2016) zurückgegangen, dies entspricht einem Rückgang von 23.593 Fällen (-8,09 %). Lässt man bei den Fallzahlen die ausländerrechtlichen Verstöße, z.B. die unerlaubte Einreise und den unerlaubten Aufenthalt unberücksichtigt, die infolge des Flüchtlingszuzugs vermehrt registriert wurden, ergibt sich im Vorjahresvergleich immer noch ein deutlicher Rückgang von 285.186 auf 263.694 Fälle (-7,54 %).

Minister Pistorius sagte: „Das sind wirklich außerordentlich gute Zahlen.“ Die Aufklärungsquote befindet sich weiterhin auf hohem Niveau, sie verändert sich geringfügig von 62,94 % auf 62,74 %.

Häufigkeitszahl gesunken

Die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung, also die Anzahl der registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohner, ist erneut gesunken (2017: 3.373 / 2016: 3.680). „Das ist sehr erfreulich! Das konkrete Risiko in Niedersachsen von einer Straftat betroffen zu sein, war in den vergangenen zehn Jahren noch nie so gering wie in diesem Jahr“ so Pistorius.[2]

Rohheitsdelikte

Anders als noch im vergangenen Jahr nehmen die Rohheitsdelikte von 40.362 auf 38.828 Fälle wieder ab (-3,8 %). Ausschlaggebend sind insbesondere die Rückgänge bei den Körperverletzungen um 1.071 Fälle (-3,8 %) auf 27.332 sowie bei den Raubdelikten um 355 auf 1.793 Fälle (-16,53 %). Pistorius: „In der aktuellen Diskussion spielt immer auch eine mögliche Verrohung der Gesellschaft eine Rolle, darum sind diese Zahlen ein sehr interessanter Aspekt, den wir weiter genau beobachten müssen.“

Diebstahlsdelikte

Einen maßgeblichen Anteil am Rückgang der Gesamtkriminalität haben die Diebstahlsdelikte. Diese weisen einen starken Rückgang von 104.630 Fällen auf 93.518 Fälle (-10,63 %) auf. Hierbei handelt es sich um den niedrigsten Wert der vergangenen 10 Jahre. Hervorzuheben sind hierbei die Rückgänge beim Taschendiebstahl von 4.517 auf 3.535 Taten (-21,74 %), beim Diebstahl von Kraftwagen von 1.701 auf 1.223 Taten (-28,10 %) sowie beim Diebstahl an und aus Kraftfahrzeugen von 12.600 auf 10.886 Taten (-13,60 %).

Wohnungseinbruchdiebstahl

Die ebenso das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung stark beeinträchtigenden Wohnungseinbrüche gehen drastisch von 10.159 auf 8.374 Fälle zurück (-17,58 %).

Nach einer kontinuierlichen Zunahme der Einbrüche in den Jahren 2011 bis 2015 konnte bereits im Jahr 2016 erstmals ein leichter Rückgang verzeichnet werden. Minister Pistorius: „Mit der derzeitigen Fallzahlentwicklung deutet sich eine echte Trendwende an. Die kriminalpolitische Priorisierung des Wohnungseinbruchdiebstahls durch diese Landesregierung und eine Vielzahl der ergriffenen Maßnahmen zahlt sich jetzt aus. Der Ermittlungsdruck auf Einbrecher wurde in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. Eine Erhöhung der polizeilichen Präsenz an Brennpunkten, optimierte Analysemöglichkeiten, verbesserte Tatortarbeit – also intensive Spurensuche und Spurensicherung und spezielle Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen haben dazu beigetragen, Tatserien noch früher zu erkennen und zu beenden. Dazu kommen Maßnahmen wie regionale Ermittlungsgruppen, die Zusammenarbeit zum Beispiel im Länderverbund, aber auch mit unseren niederländischen Nachbarn, die sich sehr positiv auf die Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen auswirken. Hier werden wir intensiv weiterarbeiten, denn wir wollen, dass diese Zahlen sich weiter so entwickeln wie im ersten Halbjahr.“

Kriminalität im Kontext der Flüchtlingsbewegung

Die Anzahl der tatverdächtigen Flüchtlinge ist deutlich von 16.158 auf 13.371 gefallen (-17,25 %). Die durch Flüchtlinge begangenen Straftaten sind ebenfalls von 15.869 Fälle auf 14.383 Fälle gesunken (-9,36 %). Diese Tendenz gilt auch, wenn man die ausländerrechtlichen Verstöße nicht berücksichtigt. Starke Rückgänge sind bei den Körperverletzungsdelikten, beim Ladendiebstahl, beim Taschendiebstahl und beim Erschleichen von Leistungen festzustellen, auch wenn diese Delikte zum Teil immer noch vermehrt aber mit abnehmender Tendenz durch Flüchtlinge begangen werden. Pistorius: „Fest steht: es gibt keine Straftatenexplosion durch Flüchtlinge. Im Gegenteil, obwohl sich mehr Flüchtlinge im Land aufhalten, gehen die Straftaten signifikant zurück.“

Das neue Sexualstrafrecht zeigt Wirkung

Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist von 2.609 Fällen auf 2.907 Fälle gestiegen (+11,42 %). Diese Zuwächse in Höhe von 298 Fällen resultieren überwiegend aus der wichtigen Reform des Sexualstrafrechts, die im November vergangenen Jahres in Kraft getreten ist. Erstmals wurden 70 sexuelle Übergriffe in den überarbeiteten Varianten des § 177 StGB (Sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) und 191 sexuelle Belästigungen gemäß 184 i StGB registriert. Pistorius: „Auch wenn sich der Anstieg durch die Veränderungen im Sexualstrafrecht erklären lässt: wir müssen gerade bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung alles tun, was möglich ist, um diese zu verhindern.“

Im Bereich der schweren Sexualdelikte deutet sich in Niedersachsen im ersten Halbjahr 2017 bei der Anzahl der Vergewaltigungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine nahezu konstante Entwicklung an (1. HJ 2017: 486 / 1. HJ 2016: 481). Der weit überwiegende Anteil der Vergewaltigungen wurde durch Deutsche (2017: 298 / 2016: 284) begangen, Nichtdeutsche (ohne Flüchtlinge) waren in 59 Fällen (2016: 57) und Flüchtlinge in 60 Fällen (2016: 55) tatverdächtig.

Kriminalität von Minderjährigen

Die Kriminalität von Minderjährigen hat im ersten Halbjahr 2017 zugenommen. Die Anzahl der Fälle mit minderjährigen Tatverdächtigen ist von 17.654 auf 18.613 gestiegen (+5,43 %). Wie in den vergangenen Jahren liegen die Schwerpunkte der Jugenddelinquenz im Bereich der Diebstahlsdelikte (Anzahl Tatverdächtige: 2017: 5.035 / 2016: 4.895) gefolgt von Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit (Anzahl Tatverdächtige: 2017: 4.049 / 2016: 3.812).

Bei den jugendlichen Tatverdächtigen ist insgesamt ein geringer Anstieg um 1,35 % (2017: 11.818 / 2016: 11.661) zu verzeichnen.

Bei den tatverdächtigen Kindern fällt die Zunahme mit 22,46 % (2017: 4.117 / 2016: 3.362) deutlicher aus; bereinigt um ausländerrechtliche Verstöße ergibt sich insgesamt noch ein Anstieg bei den Kindern um 16,41 %.

Deutliche Zuwächse wurden bei Kindern im Bereich der Diebstahlsdelikte (2017: 1.566 / 2016: 1.364 tatverdächtige Kinder) und Rohheitsdelikte (2017: 992 / 2016: 838 tatverdächtige Kinder) registriert. Der markante Anstieg bei den tatverdächtigen Kindern ist insgesamt mit den überproportionalen Anstiegen tatverdächtiger deutscher Kinder um 17,68 % (2017: 3.022 / 2016: 2.568) zu begründen. Bei nichtdeutschen Kindern fällt der Zuwachs mit

10.88 % geringer aus (2017: 652 / 2016: 588 ohne ausländerrechtliche Verstöße).

Rauschgiftdelikte

Die Anzahl der polizeilich registrierten Rauschgiftdelikte ist von 16.343 Fälle auf 17.380 Fälle gestiegen (+6,34 %). Im Wesentlichen beruht der Anstieg auf vermehrt festgestellten Verstößen mit Cannabis (2017: 11.590 / 2016: 10.565). Bedenklich: 2.128 Tatverdächtige im Zusammenhang mit Cannabisdelikten sind Minderjährige.

„Mit dem Cannabiskonsum, gerade für junge Menschen, können erhebliche Gesundheitsrisiken einhergehen. „Kiffen“ kann gerade in dieser Risikogruppe schwerwiegende körperliche und seelische Erkrankungen sowie altersgebundene Entwicklungs- und Wachstumsstörungen hervorrufen. Familiäre, soziale und schulische Probleme sind häufige Begleiterscheinungen. Als überhaupt nicht hilfreich erweist sich natürlich die immer wieder aufkeimende Legalisierungsdebatte. Hier habe ich eine sehr eindeutige Haltung, das ist mit mir nicht zu machen“ so Pistorius.

Größere Zuwächse sind ebenfalls bei Verstößen mit Kokain (2017: 1.424 / 2016: 1.233) und Ecstasy (2017: 925 / 2016: 865) zu verzeichnen. Delikte im Zusammenhang mit Heroin sind stark rückläufig (2017: 377 / 2016: 539), Crystal bleibt weiterhin unbedeutend (2017: 28, 2016: 47).

Cybercrime

Die registrierten Fallzahlen im Zusammenhang mit dem Tatmittel Internet fallen von 21.538 Fälle auf 17.544 Fälle (-18,55 %). Die aktuellen Fallzahlen zu Cybercrime spiegeln auf den ersten Blick einen deutlichen Rückgang der Fälle unter Nutzung des Tatmittels Internet im Jahr 2017 wider. Ein im Vorjahr abgeschlossenes Verfahren mit mehr als 3.400 Fällen hatte 2016 allerdings zu einer entsprechenden Steigerung geführt. Ohne diese Fälle bewegt sich die Anzahl der Fälle unter Nutzung des Tatmittels Internet auf beinahe ähnlichem Niveau wie im Jahr 2016 und hat nach wie vor einen Anteil von etwa 6,5 % an allen Straftaten.

Ein Blick auf die schwerwiegenden Fälle, wie zum Beispiel Computerbetrug oder Computersabotage, relativiert das Bild von einem eingangs erwähnten Rückgang von Cybercrime. In diesen Fällen ist ein Anstieg um 9,2 % zu verzeichnen, von 1.692 Fällen auf 1.848 Fälle. Geprägt wird dieses Deliktsfeld zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer.

Innenminister Pistorius: „Auf die Herausforderungen bei der Bekämpfung von Cybercrime haben wir bereits mit der Einstellung von externen IT-Spezialistinnen und -Spezialisten reagiert und müssen weiter große Anstrengungen dafür unternehmen, dass es keine rechtsfreien Räume in der digitalen Welt gibt“.

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[1] Sämtliche Angaben beziehen sich auf eine Auswertung vom 22.09.17 für den Zeitraum 1.1.2017 – 30.6.2017 und werden mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum verglichen.

[2] Hinweis: Für die Häufigkeitszahl 2017 wird die Bevölkerungszahl mit dem Stand 30.6.2016 verwendet, aktuellere Daten liegen nicht vor.

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