Blick von oben öff­net neue Per­spek­ti­ven für den Be­völ­ke­rungs­schutz

3. Juli 2017 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Der Einsatz von Unbemannten Luftfahrtsystemen (UAS) im Bevölkerungsschutz war heute das Gesprächsthema im Besucherzentrum des Bundespresseamtes in Berlin.

Auf Einladung des Bundesinnenministers, Dr. Thomas de Maizière, trafen sich Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Einsatzorganisationen und Forschung um über die Möglichkeiten und Chancen zu sprechen. Dazu boten eine hochrangig besetzte Podiumsdiskussion und drei Workshops zu rechtlichen und technischen Aspekte sowie zu Kooperationsmöglichkeiten die Gelegenheit.

Zu Anschauungszwecken wurden auf einem „Markt der Möglichkeiten“ im Bevölkerungsschutz bereits im Einsatz befindliche Systeme ausgestellt. Außerdem fand ein Demonstrationsflug auf dem Vorplatz statt.

Schnellere Hilfe im Bevölkerungsschutz dank Unbemannter Luftfahrtsysteme

Der Mehrwert von UAS im Bevölkerungsschutz liege auf der Hand, so Bundesinnenminister de Maizière in seiner Begrüßungsrede. Gerade der Blick von oben, der einen Überblick über die Lage ermöglicht, sei im Katastrophenschutz essentiell.

„Mit Hilfe dieser kleinen und zum Teil auch größeren Geräte, können wir schneller und flexibler werden und im Einsatz bessere Entscheidungen treffen“, erklärte de Maizière.

Denn gerade wo sich Einsatzkräfte in komplexen, unzugänglichen oder großflächigen Schadensgebieten vor Ort nur mit erheblichem Aufwand einen Überblick über die Lage verschaffen können, werde der Einsatz von UAS künftig ein schnelleres und risikoärmeres Vorgehen ermöglichen.

„Wir wollen diese Fluggeräte in der nächsten Zeit zu einem Standardeinsatzmittel im Katastrophenschutz machen. Dafür ist der heutige Tage ein wichtiger Schritt.“, betonte der Bundesinnenminister.

Einsatzmöglichkeiten von unbemannten Luftfahrtsystemen

UAS werden im Volksmund häufig als Drohnen bezeichnet und sind im Alltag längst angekommen, zum Beispiel als beliebtes Freizeitspielzeug. Auch im Bevölkerungsschutz können UAS viel Gutes bewirken.

Neben

dem Einsatz von Infrarotbild-Kameras oder speziellen Messgeräten,
dem Transport von Geräten, Medikamenten oder anderen Hilfsmitteln,
der Verlängerung von Funkstrecken und
der Dokumentation
sind mit voranschreitender Technik immer mehr operative Einsatzbereiche denkbar, die zur Rettung von Menschenleben und bedeutenden Sachwerten beitragen können.

In ein paar Jahren könnte die Qualität der UAS so hoch sein, dass modernste Robotik durch das UAS autonom an eine Unglücksstelle geflogen wird. Ein Rettungsroboter könnte dort eigenständig eine Erstversorgung anhand von Standardparametern durchführen. Es wäre sogar eine qualifizierte Wiederbelebung sowie eine Medikamentengabe nach entsprechender Rückfrage bei einem Mediziner denkbar.

Bereits heute werden UAS beispielsweise bei der Suche von Vermissten im Gebirge eingesetzt; mit großem Erfolg. So können Menschen in unzugänglichem Gelände bereits nach 10 bis 20 Minuten lokalisiert werden, nach denen früher stundenlang gesucht werden musste.

Neue rechtliche Rahmenbedingungen erleichtern den Einsatz
Bisher wurden UAS nur sehr eingeschränkt im Bevölkerungsschutz eingesetzt. Es fehlten wichtige rechtliche Rahmenbedingungen. Mit der im April in Kraft getretenen Verordnung zur Regelung des Betriebs unbemannter Fluggeräte hat sich das geändert.

Auf Initiative des BMI und seines Geschäftsbereiches stellt die Verordnung alle Akteure im Bevölkerungsschutz bei ihren Einsätzen und Übungen erstmalig nachweis-, erlaubnis- und verbotsfrei. Das ist ein großer Erfolg.

Feuerwehren, THW und anerkannten Hilfsorganisationen steht nun der Weg für den Einsatz von UAS frei. Dementsprechend sind sie derzeit damit befasst, unbemannte Luftfahrtsysteme auf deren vielfältige Einsatzmöglichkeiten hin taktisch und technisch zu testen.

Viel Forschungs- und Entwicklungspotential

Die heutige Veranstaltung diente vor allem auch dazu, die bisher gesammelten Erfahrungen auszutauschen. Wo gibt es bereits „Best Practice“? Wo gibt es Synergien? Wie können wir besser kooperieren, um den Einsatz unbemannter Luftfahrtsysteme im Bevölkerungsschutz insgesamt voranzubringen? Der Workshop war insofern ein „Startschuss für eine noch engere Zusammenarbeit – zum Austausch und zum Dialog“, so der Minister.

Denn bisher haben Forschung, Entwicklung und Wirtschaft den Bevölkerungsschutz nicht im Fokus gehabt. Tatsächlich müssen UAS aber für Einsatzzwecke in Bevölkerungsschutzlagen besonderen Anforderungen entsprechen. Die besonderen Bedürfnisse wie eine höhere Wetterstabilität, längere Flugzeiten und eine höhere Tragkraft müssen zukünftig bei der Entwicklung neuer Ideen Beachtung finden. Die Sicherheit spielt eine entscheidende Rolle, beispielsweise muss gewährleistet sein, dass UAS aus nicht gehackt werden können.

Auch die Schaffung einheitlicher Standards für Ausbildung und Einsatz von UAS im Bevölkerungsschutz ist ein zentrales Anliegen. Hierfür ist eine enge Kooperation aller Beteiligten erforderlich. Dies gilt sowohl für die Koordinierung der Schaffung von Einsatzfähigkeiten mit UAS als auch für die Vertretung der gemeinsamen Interessen auf europäischer und internationaler Ebene.

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