Aussteigerprogramm Sachsen veröffentlicht Filmprojekt mit ehemaligem Neonazi

3. Mai 2017 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Sachsen | Drucken

„Der Hass hat mich angewidert, hat mich krank gemacht. Ich wollte nicht mehr wütend sein“, sagt Enrico. Er ist ein ehemaliger Neonazi aus Sachsen und erzählt im Filmprojekt „Blick zurück – Reflexionen eines Aussteigers“, wie er in die rechtsextremistische Szene kam, wie er diese erlebte, was ihn veranlasste, seine menschenfeindliche Ideologie zu hinterfragen und schließlich auszusteigen.

Ein einminütiger Teaser zur Filmreihe ist ab sofort auf YouTube und bei Facebook zu sehen. Wöchentlich – immer mittwochs – werden elf weitere je rund ein- bis dreiminütige Filme, die Enricos Geschichte unter verschiedenen Aspekten betrachten, online gestellt. Der heute über 40-jährige Aussteiger erzählt beispielsweise, dass Hass und Gewalt in seinem Neonazi-Alltag immer eine Rolle spielten: „Wir haben angehalten, sind aus den Autos raus und haben die zusammengeschlagen…mit Fäusten, mit Füßen, mit Gegenständen. Ich war teilweise wie in einem Rausch.“ Enrico berichtet außerdem über Musik, Kameradschaft, die Widersprüche in der Szene und schließlich seinen langen Weg bis zum Ausstieg.

„Die unverblümten Berichte des Protagonisten machen das Filmprojekt des Aussteigerprogramms Sachsen authentisch und belegen, wie gefährlich, menschenverachtend und demokratiefeindlich die rechtsextremistische Szene ist“, sagte Innenminister Markus Ulbig. Die Filme werden in den sozialen Medien gezielt zwei Personengruppen vorgeschlagen. Einerseits werden Personen angesprochen, die Affinitäten zu rechtsextremistischen und völkischen Themen erkennen lassen oder einschlägigen Organisationen folgen. „Wir wollen ihnen Mut zum Ausstieg machen. Andererseits richten wir uns mit dem Videoprojekt an Multiplikatoren der sozialen Arbeit sowie der Bildungs- und Demokratiearbeit, um für Ausstiegsarbeit zu sensibilisieren“, so Ulbig.

„Unser Aussteigerprogramm ist ein Angebot an alle, die raus aus der extremistischen Szene wollen. Wir reichen Ausstiegswilligen, ihren Angehörigen und Freunden die Hand, beraten und begleiten sie und helfen ihnen bei der Überwindung der Ideologie. Jeder, der die Szene erfolgreich verlässt, ist ein Gewinn für Demokratie und Rechtsstaat“, so Ulbig.

Mit Hilfe des Aussteigerprogramms Sachsen, das Enrico rund drei Jahre begleitete, bewältigte auch er den Szene-Ausstieg und die Rückkehr in ein „normales“ Leben.

Sie möchten mehr über Enricos Ausstieg erfahren?
Der Teaser ist bei YouTube (https://youtu.be/wJjBoLAIhwA) und auf Facebook (https://www.facebook.com/aussteigerprogramm.sachsen) zu sehen.

Kurze Inhaltsangaben zu den Filmen befinden sich im Anhang dieser Medieninformation.

Informationen zum Aussteigerprogramm Sachsen – Raus in die Zukunft:

Seit dem Jahr 2011 wurden beim Aussteigerprogramm Sachsen 69 Fälle bearbeitet. 12 Fälle konnten bisher erfolgreich abgeschlossen werden. Darunter befinden sich neben Aussteigern auch erfolgreiche Beratungen von Angehörigen und Freunden. 12 Fälle laufen aktuell, und kontinuierlich kommen Anfragen hinzu. Die Beratung und Begleitung erfolgt für alle Klienten kostenfrei, anonym und vertraulich.

Für das Aussteigerprogramm stehen jährlich 260.000 Euro im Landeshaushalt zur Verfügung. Die Filme „Blick zurück“ sind eine Eigenproduktion und wurden im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Programms realisiert.

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