Anstoß für alternative Sanktionsmaßnahmen für straffällige junge Flüchtlinge

10. April 2017 | Themenbereich: Justiz, Schleswig-Holstein | Drucken

Justizministerin Anke Spoorendonk hat heute (10. April) im Uwe Seeler Fußball Park in Bad Malente den Startschuss für drei kriminal- und gesellschaftspolitisch völlig neue und bedeutsame Resozialisierungsprojekte gegeben. Es handelt sich um erzieherisch-pädagogisch wirkende Maßnahmen, die aufkeimendes kriminelles Verhalten bei jungen Flüchtlingen nachhaltig verhindern und zu besserer gesellschaftlicher Integration beitragen sollen. Die Landesregierung hatte 2016 zunächst 155.000 EUR pro Jahr zur Verfügung gestellt, um Haft vermeidende, ambulante Maßnahmen zu entwickeln und durchzuführen, die auf straffällig gewordene junge Zuwanderer ausgerichtet sind. Schleswig-Holstein betritt mit seiner Initiative kriminalpolitisch-präventives Neuland. „Erziehung und Haftvermeidung sind Haftstrafen vorzuziehen, wenn es denn die begangene Straftat zulässt. Alle Rückfalluntersuchungen und die kriminologische Forschung zeigen uns, dass eine gelingende Resozialisierung und damit auch der beste Opferschutz vorrangig durch behandlungsorientierte ambulante Sanktionen zu erreichen ist“, erklärte Justizministerin Spoorendonk.

Gefördert werden drei Modellprojekte, die eng mit der Justiz kooperieren werden:
1. „Fußball Interkulturell/Integrativ“: Ein sozialer Trainingskurs in Sachen Demo-kratie und deutscher Gesellschaft, der in Kombination mit sportlichen Aktivitäten junge straffällige Migranten in Fußballvereine in ganz Schleswig-Holstein integ-rieren wird. Träger dieser Maßnahme sind die Grone Bildungszentren, der Lan-desfußballverband und der Verein Anstoß! Bundesvereinigung für soziale In-tegration durch Sport.
2. Anti-Gewalt-Training „Dost“: Individuelle und interkulturell ausgerichtete Maß-nahmen, die aufsuchend in ganz Schleswig-Holstein junge straffällige Migranten mit ihren Taten und Haltungen konfrontieren und Lösungen für ein straffreies Leben erarbeiten. Diese Maßnahmen werden durchgeführt vom Kieler Antigewalt- und Sozialtraining „KAST“.
3. Ehrenamtsprojekt „Integration durch Integrierte“: Ein Projekt zur Einbindung von gut integrierten Menschen mit Migrationshintergrund, die bereit sind, ehren-amtlich straffällig gewordene junge Migranten zu begleiten und unterstützend in unserem Sanktions- und Resozialisierungssystem mitzuwirken. Für diese Initiative ist das Deutsche Rote Kreuz verantwortlich.

Für die Motivation der beauftragten Maßnahmenträger führt Torsten Geerdts, Vorsit-zender des DRK Schleswig-Holstein aus: „Mich überzeugt an diesem Projekt, dass
es Menschen mit Migrationshintergrund sind, die ankommende Flüchtlinge auf ihrem Weg in die Gesellschaft unterstützen und begleiten werden. Ich verspreche mir sehr viel davon, wenn integrierte Flüchtlinge die Neuankömmlinge auf die Beachtung unserer Gesetze und unserer Normen hinweisen und für deren Einhaltung werben. Die Akzeptanz unserer Rechtsordnung ist einer der Grundpfeiler für eine gelingende Integration. Wir freuen uns, dass wir als Deutsches Rotes Kreuz an diesem Projekt mitwirken dürfen.“

Der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands, Hans-Ludwig Meyer, ergänzt: „Das Projekt >Sozialer Trainingskurs für Flüchtlinge< als Form alternativer Sanktionsmaßnahmen ist inhaltlich ideal anschlussfähig an die Maßnahmen des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes zum Thema Flüchtlingsunterstützung wie etwa die Aktion „2:0 für ein Willkommen“ oder das Projekt „Soziale Integration von Flüchtlingen durch Fußball“.“

Hintergrund
Betrachtet man die seit 2015 zugewanderten, vor allem männlichen und jungen Bevölkerungsgruppen, so ist vor dem Hintergrund kriminologischer Erkenntnisse zu erwarten, dass hier auch mit jugendtypischer, weniger schwerer Kriminalität zu rechnen ist. Kriminalität, wie sie bei hier geborenen jungen Männern in sozial ausgegrenzten Lebenslagen auch vorkommt. Wie stark sich diese Belastung entwickeln wird, hängt maßgeblich davon ab, wie gut und wie schnell die Integration der zugewanderten Menschen gelingt.

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